Dagobert, Zeitschriften und ein Theaterstück

Aus London zurückgekehrt, blieb vor meinem inneren Auge ein Bild an mir haften, über das ich selber immer wieder laut und herzhaft lache, ich lache für mich allein, weil kein weiterer Mensch es lustig findet. Ich, Beate, wie verwandelt in die alte Ente Dagobert, medusalem, auf einem riesigen Sack von Goldstücken sitzend, fest entschlossen, geizig zu sein. Janni ist ein undankbarer Fratz, klar, denn ich habe ihr in London einen Berg Klamotten gekauft. aber dieses Stigma, das nun an mir haftet, bin ich gerne bereit, fortan zu konservieren. So wünscht sie sich zum Geburtstag ein Zelt von mir, wird sich aber mit Campinggeschirr begnügen müssen.

Anders als Heike, habe ich seit Montag meine alten und neuen „Spiegel“ und „Zeit“ ausgaben durchforstet und wahre Schätze gefunden, Artikel, die mich zum Denken und zu Auseinandersetzungen angeregt haben, Neues, das ich interessant fand und auch Klatsch, spannend aufbereitet. Zeitschriftengenuss eben.Doch diese ganze Woche, wie in jedem Jahr die Woche um den 3. März, stand im Vorfeld und im Nachklang unter dem sich-zusammenfinden am Grab von Simon. Wie schön, dass auch immer seine Freunde kommen oder wenigstens Heike schreiben, wenn sie weit weg sind. Dass Gregor nicht dabei war, habe ich komischerweise als Lücke empfunden, obwohl ich ihn ja gar nicht kenne. Er hat halt dazugehört! Die Zeit danach in Michaels Pension war so tröstlich wie ein Leichenschmaus, nach einem Begräbnis. Am Sonntag war „Antigone . Sophocles in leichter Sprache“ in den Kammerspielen zu sehen. Mich interessierte der Umgang mit leichter Sprache auf der Bühne sehr, denn ich habe damit eigene Erfahrungen: Im vergangenen Jahr hatte ich die Texte zweier Planspiele in leichte Sprache übersetzt. Das fiel mir richtig schwer. Doch zum Stück in den Kammerspielen: Es gibt wohl seit einem guten Jahrzehnt eine UN-Behindertenrechtskonvention, nach der Kulturinstitutionen Angebote in zugänglichen Formaten anbieten sollen. Klar, dass gerade die Kammerspiele sich hier engagieren! Einige Behinderte isaßen m Publikum und die meisten Darsteller auf der Bühne waren Behinderte. Sie  spielten so beeindruckend, so mitreißend, dass ich glücklich war, den Abend nicht vor dem „Tatort“ verbracht zu haben. Großartig! Allerdings war ich danach auch so müde, so gesättigt von diesem besonderen Eindruck, dass ich nicht mehr bloggen konnte.

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3 Antworten

  1. Heike sagt:

    Danke, dass du so einfühlsam über unsere „dritten Märze“ schreibst! – Dass Jannis Unmaß im Wünschen und Verlangen dazu führt, dass du – die immer mit vollen Händen schenkt und gibt – jetzt eine kleine Kehrtwende einschlägt, finde ich bemerkenswert und nachvollziehbar. – Die Sache mit der leichten Sprache habe ich noch nicht so richtig gewusst. Manchmal finde ich „leichte Sprache“ gar nicht leicht! Deine Schilderung erinnert an eine unvergessliche Aufführung des Tagebuchs der Anne Frank durch einen Trupp junger AutistInnen.

  2. Renate sagt:

    Ich finde es nur folgerichtig nach Jannis Spruch, dass du nicht mehr bereit bist, ihr alle Wünsche zu erfüllen. Ein Stück in leichter Sprache habe ich noch nie gesehen und kann mir darunter auch nicht viel vorstellen. Tatort, hast nichts versäumt.

  3. Ines sagt:

    Die leichte Sprache ist mir sympathisch. Ich spreche und schreibe in meinem Beruf selber oft in ganz leichter Sprache, damit mich die Kinder und die Eltern verstehen, die meistens nicht gut Deutsch sprechen. Auch bei der Behördensprache finde ich es gut, wenn sie auch in leichter Sprache zu Verfügung steht. Was erwartest du von Janni? Genieße es doch, dass du ihr etwas schenken kannst und sie überhaupt noch Wünsche an dich hat.

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