Thüringer Geschichten

Auf meiner Fahrt nach Arnstadt änderte sich das Wetter gefühlt alle 20 Minuten Nach einer Tunnelstrecke durch den Thüringer Wald erwartete mich ein hübsches Städtchen mit großen Plätzen und schmucken Häusern. Von Montag bis Donnerstag war ich wie schon so oft Teamerin der Band beim Planspiel zur DDR-Geschichte. Am Abend saß ich  (wie immer) mit Birgit und Uwe in einem Restaurant, es war (wie immer) lustig . Diesmal bekamen wir das Honorar vom Jugendring, hier setzte sich ein gewisser Jörg dafür ein. Er hat in Arnstadt die Stolpersteine setzen lassen, ist wohl der engagierte Historiker am Ort und organisierte unsere Rahmenbedingungen vorbildlich  bis hin zu der Möglichkeit, dass wir den Film „Mit Feuer und Flamme“, der unser Planspiel spiegelt, auf der großen Leinwand im Theater zeigen konnten, alle vier Klassen sahen ihn und wir hatten eine schöne Diskussion im Anschluss. Am Freitag Nachmittag machte ich mich dann auf den Weg nach Kleinromstedt, wo meine Cousine Ines mit ihrem Mann wohnt (die beiden Kinder sind schon ausgezogen). Im Nachbarhaus wohnen Ines‘ Eltern. Da weht politische ein anderer Wind. Ines war in DDR-Zeiten eine, die nur die besten Erfahrungen gemacht hatte: supergut in der Schule, durfte sie zwei Jahre lang in Moskau studieren und war danach als Lehrerin absolut linientreu. Weil sie sich nach dem Fall der Mauer stark mit der Bewältigung des DDR-Regimes auseinandergesetzt hat, hat sie zwar im Kopf eine demokratische Wende vollzogen, aber ihr Herz hängt immer noch an „dem kleinen wärmenden Land“ (wie es die Schriftstellerin Maxi Wander mal so schön formuliert hat). So sind wir am Frühstückstisch in lebhafte Diskussionen verwickelt, in denen wir traditionell uneins sind, diesmal über die Ukraine, das Schulsystem und was das Leben so an Themen derzeit hergibt. Wo wir einträchtig uns des Lebens freuen, sind so Ausflüge wie der gestrige zu den Dornburger Schlössern, an denen sich ein langer Abend anschloss, an dem Ines ihre sehr schöne Ausgabe von Goethes Werk holte und wir uns abwechselnd die Dornburger Gedichte vorlasen. Heute Abend gehen wir zusammen mit Ines’Schwester in „Ariadne auf Naxos“ , morgen geht mein Ausflug nach Thüringen zu Ende.

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2 Antworten

  1. Heike sagt:

    Noch nie habe ich so gut verstanden, was und wie du sowas machst wie diesmal bei Mitnahme auf deinen Ausflug. Besonders gefällt mir „wie immer“. Auch gefällt mir, dass jemand wie deine Cousine noch denken darf, wie sie will, auch wenn sie das Land und sein Regime weniger teuflisch als wärmend erlebt hat. Bei eurem Abend wäre ich gern dabei gewesen. Er klingt ganz nach meinem Geschmack.

  2. Ines sagt:

    Thüringen ist sehr reizvoll. Ich bin eigentlich nur einmal durch gefahren und hatte mir vorgenommen, unbedingt die ein oder andere Kleinstadt mal zu besuchen. Ich finde es richtig gut, dass du dich mit deiner Cousine gut verstehst, obwohl ihr unterschiedlicher Meinung seid. Dazu braucht es Toleranz. Dass es ihr in der Kindheit und Jugend in der DDR gut ging, kann ich nachvollziehen.

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