23-03-25-Neuer Frühling aus Theater, Musik und Begegnungen – und doch: erste Blüten fallen

Sonntag (19.3.) morgens im Prinze Klavier, Trompete, Orchester – Schostakowitsch, Bach, Pärt, Haydn, dank fabelhafter Oboen „trotzdem“ ein Genuss – Lutz mit Paula getroffen. Abends in der Markuskirche Poulenc’s Stabat Mater, Débussy und Strauss. Beide Konzerte „unverzichtbar“. Ich hatte für das eine schon Karten, als das andere „rein kam“. Dazwischen Imbiss im Zitronengras, Mittagschläfchen. Ich hatte Michael wiederholt auf diese Überdosis gefasst gemacht. So hatte auch er Zeit, Widerstände im Voraus zu bezwingen. Was ich dagegen schlecht bewältige: Am Ende des Kirchenkonzerts sprach mich eine Dame an, um ihre Begeisterung mitzuteilen. Ihre Kollegin habe gesungen. Ich sage: meine auch. Susanne Glas. Caritas. So waren wir gleich bei Gregor. Als sie loslegte – gebauchpinselt, geadelt, ihn zu kennen – seine charmanten Sprüche und Zusagen im Arbeitskreis zu zitieren, die ich schon blind hätte aufsagen können; als dann kam, sie hätten vor, im Johannes-Hospiz jetzt Ehrenamt aufzubauen, da sagte ich, um nicht zu platzen, dass ich das 18 Jahre lang gemacht habe. Ich hätte kotzen können. Wie schlecht mir das bekommt! „Und wie war Ihr Name nochmal?“ Zuzeiten musste ich mich das nicht fragen lassen in diesem Kontext. Rückblick: Als der „alte Herr Martin“ einmal zur Weihnachtsfeier von Sr. Therese kam, in der sie sich riesig feiern ließ, der eigentliche Pionier, der alles aus der Taufe gehoben hatte, wurde er keines Wortes gewürdigt. Als ich mich umhörte, wusste kaum mehr einer, wer er war!

Gestern gewaltiger Durchhänger bzgl. der Lebenssituation *. Das kann nicht ewig weitergehen: lesen, lesen; Theater und Konzerte; Freundinnen treffen. Übrigens ist die Zahl gestiegen, aber kaum „Neuzugänge“, eher Langjährige, die auf Eis lagen aufgrund Erschöpfung durch Arbeit, Trauer, (Allgegenwärtigkeit von Gregor). Wie das oft auch bei verheirateten Frauen ist: Freund*innen werden vernachlässigt, soziales Leben glimmt auf Sparflamme. Dass jetzt überhaupt noch jemand Lust auf mich hat, alles wie von selbst floriert, ohne dass ich dafür einen Finger rühre bis hin zu „zufälligen“ Wiederbegegnungen, grenzt für mich an ein Wunder.

Hier stand eine Kiste – zentnerschwer – mit Kunstkatalogen und luxuriösen Nachschlagewerken. Michael hat zwar jetzt einen Fahrradanhänger, aber diese Dinge sind trotzdem extrem beschwerlich. Inzwischen teils weggeschmissen, teils wieder eingeordnet. – Mittwoch Besuch von Gabi, eine ganz Lustige, die jahrelang bei Michael mitgeholfen hat. – Donnerstag Kammerspiele mit Margot: Antigone – Vorstellung in leichter Sprache mit DarstellerInnen verschiedener Handicaps, was zu Herzen geht, einen „Verfremdungseffekt“ hat. Berührend die beiden kleinen, kontaktfreudigen, gefühlvollen Männer mit Down-Syndrom. Warum nur musste Antigone so künstlich übertrieben lachen und lächeln? Störungsbild oder Regie? Auch im Publikum extrem hoher Anteil an behinderten Menschen – ungewohnter Ausschnitt unserer Gesellschaft! Jede(r) zweite schien einen Blinden, Lahmen, Gebrechlichen oder geistig Behinderten am Arm zu führen, sogar ein Blindenhund war zu sehen. Ein Blinder hatte einen Ohrstöpsel, über den ihm alles eingesagt wurde, was sich auf der Bühne abspielte. Gesprächsintensiver Abend, vorher MaxTrenta, hinterher Conviva. – Freitag unsere 1/4 Jahrhundert währende Gruppe bei Ines: Umgebung exquisit, Essen frugal, bunt, abwechslungsreich, für mich exotisch gewürzt – eine schlanke Möglichkeit der Ernährung, extrem weit weg von meinen Essgewohnheiten. Dicht, aber auch aufwühlend durch die Themen, oder hatten die Gewürze auch ihren Anteil an einer gefühlten Entgleisung meines Blutdrucks? Als ich nachts heimkam war die Straße frisch verschneit von den Kirschblüten des Nachbargrundstücks. Waren die nicht eben erst aufgeblüht? Ich war erschüttert. Jetzt dieser Frühlingssturm!! – Schreibgruppe morgen – für mich zum zweitenmal hintereinander – bei Ines!

* Für Chorsingen und Veeh-Harfe angemeldet!!! Musik, so schon immer der Plan, soll wieder vorkommen. Jetzt! – bevor ich „keine Zeit“ mehr habe. Ich wollte nie eine kursrennende Rentnerin sein. Hierin aber brauche ich professionelle Anleitung und Menschen für vielstimmiges Klangerleben. In meiner ereignisfreien Zeit folge ich auf dem Briefweg Kleist durch seinen Wahnsinn.

 

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5 Antworten

  1. Ines sagt:

    Jedes Jahr wieder diese kurze Zeit der Kirschblüte, die nach wenigen Tagen wieder vorbei ist. Der Anblick ist gleichzeitig wunderschön und traurig. Dein kulturelles Programm mit Theater und Konzerten ist enorm. Ob das anhält? Bringt Michael seine Kisten mit dem Fahrradanhänger zu dir?

    • Heike sagt:

      Oh Gott, nein! Das waren meine Bestände, die ich reduzieren wollte…Nein, seinen Umzug machen wir dann natürlich mit einem Auto!!

  2. Beate sagt:

    Deine vielen Theater-und Konzertbesuche, deine vielen Kontakte lese ich wie das Ausschlagen eines Pendels in eine entgegengesetzte Richtung zum Arbeitsleben. Ein Neubeginn, der das wiederaufleben lässt, was Dir schon immer wichtig war und schon immer in reduzierter Häufigkeit gelebt wurde. Und ich gratuliere Dir, wie Du aus der Krise Rentenbeginn/ Gregorenttäuschung so kraftvoll in den nächsten Lebensabschnitt gleitest!

  3. Renate sagt:

    Deine vielen Theater, Konzert und Bekanntenbesuche fallen auch mir besonders auf. Unbegründet deine Angst vor Langeweile in der Rente. Chor und Harfe kommen jetzt auch noch dazu und deine Schreibgruppen gibt es auch noch.

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