Alleinsein, Majas Gewicht, Münsing und Revival-Party

Eigentlich wollte ich schon Anfang der Woche schreiben, hatte aber nicht die Ruhe. Jetzt hab ich sie, denn ich sitze im Zug auf dem Weg nach Bielefeld. Dort findet heute Abend eine Revival-Party statt mit der ehemaligen „Clique“, der ich im Alter von 14 bis 16 Jahren angehörte. Die Organisatoren hatten vor 3 Jahren eingeladen. Wegen Corona wurde das Treffen mehrmals verschoben. Ich werde mit meiner Schwester zur Party gehen, die auch zu dieser Clique gehörte. Damals fing es mit Teenachmittagen an, später feierten wir viele Parties, rauchten, tranken zu viel und hörten New Wave und Punk und vertraten die Ansicht, dass Anarchie erstrebenswert ist, eine wilde Zeit war das. Einige wurde später Hausbesetzer oder drogenabhängig, aber die meisten haben jetzt ein normales braves Leben. Morgen werde ich berichten, wie das Wiedersehen war. Die Woche vor unserer Schreibgruppe war besonders insofern, dass ich 3 Tage ohne Hubert war, der beruflich in Berlin weilte. Ab und zu mag ich das sehr gerne. Ich genieße die Stille, kann mich selber dann etwas besser spüren, wenngleich ich dieses Alleinsein nicht immer haben möchte. Ich kreise dann sehr viel um mich selbst, meine Ernährung, mein Bewegungsprogramm, meine To Do’s. Hab Klamotten ausgemistet. Mein weiter gemachtes Hochzeitsdirndl abgeholt, das zum Glück jetzt sehr gut passt. Mir noch ein überteuertes Dirndblüschen bei Beck  gekauft, bin jetzt wirklich komplett ausgestattet. Einmal war Maja zum Abendessen da. Sie beklagt, dass sie immer dicker wird. Bis sie Anfang 20 war, war das Thema Figur und Ernährung nie ein Thema, da sie naturschlank war. Seit ein paar Jahren wird sie immer mehr, allerdings hat es auch viel mit ihrem Lebensstil zu tun, den sie nicht ändern will. Einmal war ich bei der anstrengenden Freundin Katarina zum Geburtstag in ihrem kürzlich geerbten Haus in Münsing eingeladen. Eine riesige Villa mit mindestens 10 Zimmern, ganz im Stil der 70er Jahre und stark reparaturbedürftig. Das Ding ist mit Grundstück ist über 3 Millionen Euro wert, aber eigentlich nur ein Klotz am Bein. Sie will es renovieren lassen und später an eine Familie vermieten. Von der Miete ihrer beiden Häuser plant sie für sich eine Seniorenresidenz zu beziehen. Dann war ich endlich bei meiner Frauenärztin und konnte ihr mein Menopause-Leid klagen. Jetzt mache ich seit einer Woche eine Hormonersatztherapie, warte aber noch auf die Wirkung und habe weiterhin Hitzezustände, die sich mit Frösteln abwechseln. Mein Schlaf ist aber schon besser geworden. Am Sonntag dann unsere Schreibgruppe im Kunstbau bei Charlotte Salomon und im Café Lotti. Obwohl das Schreiben und Lesen nicht gut möglich war, war der Nachmittag inspirierend. Alles weitere schreibe ich morgen, wenn ich mit dem Zug wieder zurück nach München fahre.

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4 Antworten

  1. Heike sagt:

    So eine Revivalparty habe ich nie erlebt. Es gibt nur Klassentreffen und die umfassen nicht mein damaliges soziales Umfeld. Schade eigentlich! Was mit dir passiert, wenn du auf dich gestellt bist, ist interessant. Wir alle lernen diesbezüglich nie aus. Bei Majas „Gewichtsproblem“ werde ich stutzig. Wie relativ ist das? Welchen Einfluss hast du auf sie – angesichts der Kontrolle, die du über diese Dinge hast? Für meine Mutter z.B. war „Dicksein“ absolut tabu. Wie ist es für dich? Ab wann ist man dick? Mit 2kg mehr, mit 20kg?

  2. Ines sagt:

    Bei anderen ist mir das Gewicht total unwichtig. Nur bei mir selber nicht. Maja hat im Vergleich zu ihren frühen 20ern vielleicht 10 Kilo zugenommen, sieht aber immer noch super aus.

  3. Renate sagt:

    Macht sicher viel Spaß so ein Wiedersehen mit der alten Clique. Bin gespannt was du berichtest. Das Thema Gewicht ist allgegenwärtig. Ihren Lebensstil aufgeben heißt das, dass deine Tochter Anhängerin von Fastfood ist?

  4. Beate sagt:

    Eine Villa in Münsing ist schon eine große Nummer. Als ich für das Haus der Bayerischen Geschichte wegen Exponaten recherchierte, kam ich genau in diesem Ort auch in eine solche Villa. Die Frau hatte lauter interessante Sachen, die zur Jahrhundertwende für die Ausbildung in der Hauswirtschaft angeschafft worden waren. Sie wollte den Krempel loswerden, später hat ihn das Stadtmuseum in München übernommen.

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