23-05-13- DeutschlandMärchen – Kopffüßler, Hexenmeister + (V)-Feen

Wie wäre es, die Woche im Voraus aufzuschreiben, nach Vorhaben, Vorfreuden geordnet? – Fotos von Ausstellungen auf Laptop übertragen, um sie für Gruppen greifbar zu haben. Wieviel mehr ich jetzt davon habe, da ich mich intensiver damit beschäftige! – Am Sonntag Kruschtelarbeiten, mittags Michi, dann Friedhof. Auf der Hut vor der Sonne auf 1/2-std. Weg Füße (!) verbrannt! – Ein Kind, das selbstvergessen die beschlagene Scheibe in der Tram mit Kopffüßlern bemalt; der Vater: Ist das ein Gespenst? – Heidi+Leni-Klum-Plakate, die meinen Protest anstacheln. – Mein Vorschlag für neues Krankheitsbild zur Klassifizierung: InternetFatigue. Oder gibt es die schon?

Montag viereinhalb Intensiv-Stunden mit Dodo im 25-hours – opulentes Ambiente, Augenschmaus nahe König Ludwig Kitsch. Abends Aetas – vorpfingstlich, dicht: das Geistige, Spirituelle. – Dienstag Singen; klingt nach. – Mittwoch wir4. Aufgekratzt, vor- und nachfreudig. Persönliche Themen nehmen derzeit an Intensität zu. Frausein, Älterwerden, statt meines „Fenster(s) zur Kunst“. (Beates) ABSCHIED. Skurril-(oulipotisches) Textexperiment auf A. – Donnerstag Erlebnis besonderer Art. Vor Monaten war ich jemandem auf der Straße begegnet, den ich durch Ingo und Sufis vor vierzig Jahren kannte. Ein sicher 80-jähriger Orthopäde, der immer schon alternativ gearbeitet hat, als Koryphäe galt und jetzt nur noch privat behandelt. Wegen anhaltender Schmerzen habe ich jetzt um einen Termin angefragt, wie von ihm bei unserer Zufallsbegegnung angeboten. Nach Durchschreiten des blühenden Vorgartens stand ich ihm und seiner Frau, einer Künstlerin und Autorin, umrahmt von großformatigen Bildern gegenüber; folgte in seine Gemächer. Blick durchs Fenster ins Paradiesgärtlein auf der anderen Seite; im ersten Raum Musikinstrumente, Notenständer, ein Gong; Bücher, rituelle und Kultgegenstände aus fernen Landen, Spirituelles, Gebetsketten. Dann:  Behandlungszimmer, wieder Bücher, medizinisches Instrumentarium; Hokuspokus. Er spricht kaum – wie damals. Sagt: Das ist dein Platz! Fragt unvermittelt: Was machst du eigentlich beruflich? Also Stuhlkreis (lacht). Sagt: Ich behandle jetzt deine linke Seite. Ich: Aber meine kranke Seite ist die rechte. Er: Das habe ich gehört. Nadelt Hand und Unterschenkel. Im Augenwinkel nehme ich ein Glimmen wahr, etwas riecht wie Räucherstäbchen. Aua, auf der Haut brennt’s: Da musst du durch, Heike. Ich vertreibe jetzt deine Tränen mit Feuer. Erde (oder Wasser) und Feuer vertragen sich nicht. Legt laut Gustav Mahler auf – 5. Sinfonie? Lied von der Erde? Kindertotenlieder? Ich hasse Mahler, auf einmal aber ist er überwältigend. Er entspannt währenddessen im Ruhesessel. Sagt ab und zu, ich soll mit dem anderen Fuß den Propeller machen. Ein Hexenmeister? Hinterher war es nicht viel besser, ich glaube, das hat ihn gewundert. Nächste Woche nochmal. Im Gehen sage ich: Ich bin in einem Künstlerhaus gelandet. Seine Frau zitiert etwas auf Englisch, was ein berühmter Künstler über Bleibendes gesagt haben soll. Taumle raus, lese eine in Stein gemeißelte Inschrift über die Elemente. Erst die Erde…

Mit Michi bei Ligne Rosé Probe gesessen. Doch wieder Bett statt Sofa, damit auch vernünftig darauf geschlafen werden kann? – VeeharfenKurs wegen geringer Anmeldungen abgesagt. Ich hatte mich seit der ersten Begegnung mit diesem Wort darauf gefreut – für mich „Fee“Harfe. Ersatzangebot, komprimiert auf Tage, will ich nicht. – Konzertkarten bei Volksbühne gutschreiben lassen. – Bei sauunfreundlichem Menschen der DB mich nicht abwimmeln, sondern Doppelbuchung Deutschlandticket/Jahreskarte durch Hartnäckigkeit in Ordnung bringen lassen. Na also, geht doch.

Um mich von Felix Krull zu erholen, der mich durch gespreizte Sprache in WinzigSchrift anstrengt, pausiere ich bei „Unser(em) Deutschlandmärchen“: „türkisches“ Denken und Erleben, teils derbe, drastische Sprichwörter und Bilder, perspektivenreich erzählte ErinnerungsSzenen, wie ich sie noch nicht kenne. – Endlich, von Jakob seit einem halben Jahr dazu aufgefordert: „To be seen. Queer lives 1900-1950“ gesehen; noch eine Woche Zeit, das zu vertiefen.

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4 Kommentare

  1. Renate sagt:

    Der 2. Besuch bei dem Wunderheiler wird hoffentlich die ersehnte Beweglichkeit und Schmerzlosigkeit zurückbringen. Dass eine Behandlung gleich anschlägt wäre wahrlich ein Wunder. Das Behandlungszimmer sehe ich deutlich vor mir. Volksbühne und DB zwei kleine Erfolge.

  2. Ines sagt:

    Ein Arztbesuch der speziellen Sorte. Ob das was hilft, zweifel ich an. Auf die Rechnung bin ich gespannt. Eine schön volle Woche hast du gehabt. Zum Glück hast du dich wegen dem Ticket nicht abwimmeln lassen.

    • Heike sagt:

      Der „Wunderheiler“ ist ein Facharzt, der jahrzehntelang eine Praxis in der Borstei hatte, in die die Patienten von sehr weit her angereist sind. Übrigens hat er schon Fabian (als Kind) behandelt und Peter, das muss also dreißig Jahre und länger her sein. Insofern kein selbsternannter Zauberer! Die Behandlungskosten sind im Voraus besprochen. Ich glaube, da habe ich einen falschen Eindruck ausgelöst.

  3. Beate sagt:

    Ich kann gut verstehen, dass Du alles tust, um den Schmerzen in deinem Fuß Abhilfe zu verschaffen, hast das alles ohnehin sehr lange ertragen müssen, was sich seit dem Unfall auf der Treppe eingestellt hat! und trotz der Beschwernisse: Ansonsten ist der bunte Strauß an Eindrücken, an Erlebtem in dieser Woche wieder vielseitig und groß

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