23-06-04 – Pfingsten paradiesisch – Ausflug auf bösem Fuß – Jodeln, Tanz + Fluchten vor der Baustelle

Pfingstgottesdienst – nach morgendlichem Nachstreichen. Über „Gaben des Heiligen Geistes“, besonders Mehrfachbedeutungen lateinischer, griechischer, hebräischer Wörter in Ursprungstexten, wurde ich ganz Ohr. Sapientia kenne ich als Weisheit, nicht aber als „Geschmack“. Über Vorbereitung für Gruppen, besonders im Hospizkontext, habe ich viel über „ruach“, den Atem, den Hauch; oder „spiritus“, den Geist gelernt, aber nur meine Schreibhand öffnet das Tor zur Innerlichkeit in ihrem steten Wandel. – Hinterher Kleingruppe bei Adam auf lauschiger Terrasse im Paradiesgärtlein. Wir Gäste steuerten Kulinarisches bei. Die individuell gestaltete Kulisse spiegelte den Gastgeber – einen buddhistisch ausgerichteten Schreiner. Zwischen Kunstwerken aus Holz, Muscheln und Steinen inmitten üppiger Blüten, in denen emsige Bienen am Werk waren, Vogelsang, eines plätschernden Brunnens floss die Zeit dahin. Ein Buddha sah uns lächelnd beim Schreiben zu. Da Pfingsten bei uns Vieren diesmal nicht vorgekommen war bin ich dankbar um andere Konstellationen, in denen „Heilender Geist“ Platz nahm.

Pfingstmontag Räumpause. Wir flogen ans Isarhochufer aus. Wie oft mussten wir umsteigen wegen Baustellen, wieviel abstoßende, oft pentrant telefonierende Menschen nahmen mit uns Tuchfühlung in überfüllten Waggons! Etwa drei Kilometer konnten wir halbwegs passabel laufen. Der Abstieg ans Wasser kam nicht in Frage. Zuhause IBU, Fuß hoch und warten, dass die Sehne sich beruhigt – bisher vergeblich. Fuß und Bein machen mir große Sorgen.

Nach jüngstem Chorfrust wieder auf der Suche. Die „Neue“ bin ich, der Chor zu klein, um mich anders zu platzieren. Ich habe bereits Antwort auf eine Anfrage. Da Montag Abend mit Einigem kollidiert, kann ich erst Ende Juli schnuppern. Den Chorleiter kenne ich vom Werkhaus – extrem aufgedreht, aber toll – möglicherweise gar genial. Er leitet jetzt den Chor, den ich wegen seiner Vorgängerin, einer borderlinigen Mezzosopranistin, verlassen habe. Diese hatte SängerInnen durch Anschreien und Beleidigungen bisweilen bis zum Weinen brüskiert. Ines und ich haben einmal einem ihrer fatalen Auftritte in der Seidlvilla beigewohnt. Dieser Chor singt jetzt mit neuem Leiter 14-tägig in Neuhausen. – Mit Beate unterm Isartor gejodelt. Im Handumdrehen bringt die „Chefin“ eine zusammengewürfelte Schar in fröhlichen Dreiklang. Holladrio!! – Zweimal zur Abwechslung vom Werkeln im Tribeca; einmal Susanne, einmal Marina. – Wieder mit Beate: wunderbarer Ausdruckstanz der „Schmetterlinge“ im Nationaltheater. Wie oft im Ballett erschütternd magersüchtige Gespenster im Publikum: spindeldürre Mütter oder Töchter, deren Gesichter vom Tod gezeichnet sind.

Kontinuierlich geht’s weiter. Wenn wir – einst selbstgebaute – Regale umarbeiten lacht das Herz. Neuer Umgang mit kostbarem Rohstoff! Per Anhänger Bretter zum Zusägen in den Baumarkt radeln; dessen kaputte Reifen vorher zu Fahrrad Pickl. Überall lauern Pleiten, Pech und Pannen; dazu langwieriges Abwägen von Möglichkeiten. Nichts geht leicht. Professionelle Hilfe wäre keine Hilfe; erst schwer zu kriegen und nachher muss doch jeder Handgriff vorbereitet sein. Ich weiß, warum ich alles endlos vor mir hergeschoben habe. Ob die Metamorphose bis Ende des Jahres gelingt? Jetzt darf uns die Luft nicht mehr ausgehen. – Auffinden alter Pfennige oder D-Mark löst „Gefühle“ aus! Was sind das für Gefühle? Ich habe kein Wort dafür. Nostalgie? Wegen Geld?

Zeilenweise – unaufmerksam – Saffranskis Hölderlin mit dem charakteristischen Titel „Komm ins Offene Freund“. Von Kindesbeinen an war dieser wundersame Mann bestimmt, auf dem Weg des Dichtens ins Höhere zu streben.

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3 Antworten

  1. Ines sagt:

    Wenn ich lese, was du alles Dolles machst – Jodeln, Singen, Schreiben im buddhistischen Garten, Ballettaufführung – dann fühle ich mich regelrecht bildungsfern und nur auf mein persönliche Wohl schauend. Dass ihr euren Umbau selber macht mit Holz auf dem Radlanhänger zum Baumarkt zuschneiden lassen und selber streichen, bewundere ich. Dafür wäre ich zu faul. Nie jammerst du darüber, dass du kein Auto mehr hast. Respekt.

  2. Ines sagt:

    Wenn ich lese, was du alles Dolles machst – Jodeln, Singen, Schreiben im buddhistischen Garten, Ballettaufführung – dann fühle ich mich regelrecht bildungsfern und nur auf mein persönliche Wohl schauend. Dass ihr euren Umbau selber macht mit Holz auf dem Radlanhänger zum Baumarkt zuschneiden lassen und selber streichen, bewundere ich. Dafür wäre ich zu faul. Nie jammerst du darüber, dass du kein Auto mehr hast. Respekt.

  3. Beate sagt:

    und bei all der Räumerei in Abwechslung mit dem lustigen Jodlabend und unserem Kunstgenuss der „Schmetterlinge“ blitzt immer wieder die Sorge um Deinen kranken Fuß in mir auf. Ob sich die Sehne erholen könnte, wenn Du ausschließlich das Bein hochlagern würdest? ins Krankenhaus gingest? Es. ist keine gute Zeit dafür, denn die Renovierung muss gemacht werden und kulturelle Unternehmungen sind genau der richtige Ausgleich

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