Rede, Hochzeitstanz, Kontrast zwischen Weltgeschehen und privatem Glück am Schliersee

Sonntagnachmittag. Wir waren von Freitag bis heute Mittag am Schliersee, ein letztes mal vor der Hochzeit. Es war herrlich. Wenn wir in zwei Wochen so ein Wetter hätten, dann wäre es perfekt. Neben einer Radtour mit Einkehr in einem neuen Schlierseer Lokal, waren wir viel am Haus. Unter anderem haben wir uns die Begrüßungsrede und deren Aufteilung überlegt, wer was sagt. Außerdem Walzer tanzen geübt. Kein mal konnten wir ein Lied zu Ende tanzen, weil Hubert immer so viel Schmarrn gemacht hat, dass ich irgendwann einen Lachanfall bekam. Das kann was werden. Wir reden viel über uns und unsere Beziehung, natürlich durch die ganze Hochzeitsthematik bedingt. Hubert sagt, er fühlt sich so frei mit mir. Ich würde seine früheren Beziehungsfallen nicht aktivieren, bei denen er sich dauernd in der Rolle desjenigen sah, der es der Frau Recht machen musste und es aber nicht Recht machen konnte. Das freut mich und entspricht auch meinem Gefühl. Die letzte Woche habe ich nur 2 1/2 Tage gearbeitet und die nächsten 3 Wochen werden es auch nicht mehr sein, so dass ich mich viel um mich kümmern und die letzten Vorbereitungen in Ruhe und Vorfreude erledigen kann. Zweimal in der letzten Woche war ich im Schwimmbad, einmal kamen die Trauzeugen am Abend zu Besuch für einen lauschigen Abend auf der Terrasse und für die finale Planung. Manchmal frage ich mich, wann sich dieses nun schon viele Jahre anhaltende Lebensglück wendet. Unterstützt wird das Gefühl auch dadurch, dass die Welt am Schliersee den Eindruck macht vollkommen in Ordnung zu sein. Alles ist schön und aufgeräumt, die Menschen haben Platz zum Wohnen, fahren große Autos und genießen ihr Leben. Wenn man keine Nachrichten schaute, würde man in Schliersee nicht auf die Idee kommen, dass Krieg herrscht, dass das Klima sich bedrohlich wandelt (denn alle ist grün und saftig) und an allen Enden Knappheit von Wohnraum und Arbeitskräften herrscht und flüchtende Menschen täglich im Meer ertrinken. So ein Kontrast zu meinem glücklichen Leben, in dem ich mich viel um mich selbst und meine nächsten Menschen drehe, aus dem Vollen schöpfen kann, keine zeitliche, existenzielle oder gesundheitliche Not habe und die einzige Sorge ist, ob ich es schaffe, ein Kilo in zwei Wochen abzunehmen, damit das Kleid nicht so eng sitzt. Wahrscheinlich ersehnt ihr schon den Tag, an dem ich nicht mehr ständig die Hochzeit in dem Blog thematisiere. Auch ich hab nun langsam genug davon und freue mich auch auf die Zeit danach.

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2 Antworten

  1. Heike sagt:

    Das ist ein sehr dichter Eintrag. Ich versuche, nicht Thema für Thema durchzugehen, sondern nur, was auf Anhieb hängengeblieben ist. Wahrlich, es könnte nicht schöner sein. Sommer, Wärme, Vollmond und alles noch saftig, keine Hitze! Wie dein persönliches Glück kontrastiert mit der Welt ist krass – wie bei Buddha, der allerdings angesichts des Blickes über die Mauer ein neues Leben begann. Grade mit dieser irrsinnigen Wohnungs- und damit Existenznot bin ich täglich durch die Anfragen bei Michael konfrontiert, an den sich die Menschen aus aller Herren Länder wenden, die hier Arbeit, aber kein Dach überm Kopf haben. – Und – Hubert wird sich – wenn „Publikum da ist – anders verhalten, wenn es „ernst wird“. Was du schreibst über euer Gefühl von Freiheit und die letzten Vorbereitungen finde ich wunderschön. Wenn zu deinem Glück nur ein Kilo fehlt – was willst du mehr? Ein Ziel braucht der Mensch. Zu deinem Kommentar: so wie im Moment bei mir nicht die Zeit zum Lesen ist, so ist bei dir nicht die für „Bildung“. Und…du hörst mich nur nicht fluchen.

  2. Beate sagt:

    Du beschreibst schon länger die sehr glückliche Fügung, Hubert getroffen zu haben und ein glückliches Leben mit ihm zu haben, im idyllischen Schliersee und auch daheim in München. Du bist zufrieden an seiner Seite mit dem, wie er zu Dir ist und das scheint in anderen Beziehung(en) nicht so gewesen zu sein. Auch das ist ihm sicher kostbar. All das gehört zu einer (rück-) Versicherung, ob die anstehende Heirat der richtige und gute Schritt nach vorne ist.

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