23-06-11-Verabredungen, eine davon verschwitzt! – Sehnsucht nach dem rechten Maß und Lyrikpfad

Sonntag Nachmittag. Ich komme – an diesem herrlich strahlenden Sonntag – heim und spüre Ruhebedürfnis und „Suchtdruck“: MUSS BLOGGEN, sonst…ja was? – Durch unsere Tätigkeiten kommen wir kaum mehr dazu, Michaels Garten zu genießen. Gestern mal wieder – man glaubt es kaum – (auf-)geräumt; Zweifel, ob ich Ursula kommen lassen sollte in diesem Stadium. Jetzt aber ist es angenehm sauber, sooo ordentlich – eine Erholung! Ich bin auf Michael ausgewichen, habe Apertitiv getrunken, wurde bekocht und als Ursula fertig war bin ich heimgeradelt. Heute Gartenfrühstück. Wir wollten zu einer Führung in den Botanischen Garten, die uns aber zu überlaufen war. Stattdessen den aktuellen Lyrikpfad im RhododendronHain besucht. Ich habe – im Gegensatz zu Michael – versucht, den Gedichten gegenüber offen zu sein und nicht – wie er – an der Kuratierung Anstoß genommen. Es war doch eine sehr schöne Idee!  Ihm hatte schon beim Eingang etwas die Laune versaut, wogegen er vergeblich ankämpfte. Ich hatte mein Handy vergessen und musste andauernd ihn bitten, (lustlos) zu fotografieren. Ein anderer Gang „Kennst du das Land, wo die Zitronenlimoflaschen blühen“ oder so ähnlich, zeigte Objekte, die sich mit Müll und Umwelt beschäftigen. Außerdem sind jetzt Bäume zu wissenschaftlichen Zwecken verkabelt, um alles zu messen, was den Klimawandel nachweist. Zuletzt in einen der Chöre geraten, die dort regelmäßig auftreten, slowenische SängerInnen – acht Stimmen, die vierstimmig sehr schön sangen. Mir hat es heute – abgesehen von Michaels Laune – so gut gefallen wie noch nie. Nachher Friedhof. Erst Simons Grab und Lollos und das der Eltern – wobei mich schmerzt, dass Renate offenbar massenhaft Wachs über die Tuffsteinhöhle gegossen hat; nachdem sie ja erst kürzlich eines unserer angepflanzten Gräser ausgerissen hatte. Dann Annis Grab. Heute ist es ein Jahr, dass sie gestorben ist. Dort gemeinsam verweilt.

Heute war mir sehr nach Pause. Hab noch mit Michi gespeist und wollte den Nachmittag allein bei mir auslaufen lassen. Wenn ich sage, dass ich nur schufte, lasse ich außer Acht, dass ich diese Woche ausgiebigste Cafébesuche – sprich herrliche soziale Kontakte mit prächtigem Gespräch – hatte, einmal mit Renate Tribeca, einmal Marina, einmal mit Beate Metropol „All das Schöne“, einmal Schreibgruppe. Heute trat ein, was mir noch nie passiert ist. Heike Beck whatsappt, ob ich sie vergessen habe? Um Gottes Willen! Los zum Bäcker; bei ihr war der Tisch auf dem wunderbaren Balkon mitten im Grünen seit einer Stunde gedeckt. Schön war`s, aber es gab auch aufwühlende Themen, die mich hinterher nicht mehr zur Ruhe kommen ließen, bis ich zu Tavor griff.

Wie ich schon seit einiger Zeit ahne, habe ich mein Leben strukturlos geplant oder eben gar nicht geplant und jetzt weiß ich eigentlich gar nicht, wie das überhaupt geht und was ich wie machen soll. Alles wird gerade zu viel. Darf das sein – wo ich doch überhaupt nichts leiste? – Morgen gehen wir auf Renates Empfehlung zum Teppichspezialisten; abends Aetas. Ich bin derart überfüllt, dass ich auf (einzelne) Whatsapps, in denen mir irgendwer irgendwas erzählen will oder mich irgendwas fragt, gar nicht eingehen kann. Hoffentlich geht das bald wieder vorbei. Als ob ich keine Zeit hätte! Ich spüre, ich muss ein Maß finden – wie nur? Was für ein Maß überhaupt? Muss ich ausreichend Zeit für „NICHTS“ einplanen? Wie geht das, dass ich es auch einhalte?

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4 Kommentare

  1. Beate sagt:

    Erst heute habe ich mir ernsthaft Gedanken gemacht, wie am besten all die viele Zeit ordnen, die in der Rente auf Einen zukommt? große Disziplin walten lassen, mit strengen Tagesabläufen? Die Zeit laufen lassen? Wo ist das Maß an Kontakten, Unternehmungen, das gut tut? Und wie mit der Kränkung umgehen, dass man in der Arbeit nicht mehr sein kann/darf und dass es das sichere Zeichen ist, dass unwiederbringlich der Lebensabschnitt begonnen hat, der „Alter“ heißt?Aber Eines hab ich mir vorgenommen: ich will mir keine Vorwürfe machen, wenn mich das Bedürfnis übermannt, einfach in die Luft zu schauen!

    • Heike sagt:

      Dein Kommentar kommt ja wie gerufen! Genau das fehlt wohl bei mir – das in-die-Luft-Schauen! So wie Renate das zu Anfang während des Lockdowns, wenn auch teils gezwungenermaßen – eingeübt und praktiziert hat. Denau das fehlt bei mir. Vielleicht. Solltest du Rat brauchen: das ist meine Empfehlung.

  2. Renate sagt:

    Die mit Wachs übergossene Tuffsteinhöhle habe ich mir angeschaut. Ich kann mir nicht vorstellen, wer auf so eine abgefahrene Idee kommt. Renate? Den Lyrikpfad ohne Widerstand anzuschauen, ist dir gelungen und es war schön. Bei mir funktioniert es nicht einen Plan zu machen. Ich schmeiße ihn sofort um, wenn was Interessantes kommt. Freiraum im Kalender lassen, der sich dann nach und nach füllt, mag ich. Zeit, zum in die Luft schauen, zulassen, am besten auch ohne Plan und schlechtes Gewissen.

  3. Ines sagt:

    Du vergisst, dass du nicht nur frisch in Rente bist, sondern auch mitten in der Renovierung und im Zusammenziehen mit Michael steckst. Wenn dieses Projekt geschafft ist, wird sich ganz organisch eine Struktur einstellen, allein durch die regelmäßigen Mahlzeiten und die festen wöchentlichen Termine. Ich würde mir auch nicht die ganze Zeit vollstopfen mit Terminen. Zweimal pro Woche Freunde treffen wäre für mich ausreichend. Mach dir keinen Druck, wenn du noch keinen Modus gefunden hast.

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