23-07-30-Blitzlichter -Schreibgruppe(n), dabei eine Entgleisung – „Sommerloch“ aprilmäßig und Traum

Ein Vater zwischen Juppie und Prolet mit schnarrender Stimme; „erzieht“ seine Kinder hörbar auf 15 m, wartet keine Sekunde, jederzeit im Ego gekränkt. Ein anderer im Sandkasten im Handstand. Seine Tochter ebenso, Räder und Fligflags schlagend, im Spagat landend, Brücken, wie aus Gummi. Kein Aufhebens, einfach Freude, Sport als Bindeglied. Menschen mit Bojen am Rücken, in denen die Habe verstaut ist, die sie für Schiffe sichtbar machen oder bei plötzlichen Herzstillständen Rettern das Retten erleichtern soll. – Meine hochbetagte, frauenbewegte Teilnehmerin im Hippielook: Spitzenkleid rosa, darüber weinrot gefärbtes Ringelnachthemd vom Flohmarkt, Ketten, meist silbern, wiegender Gang, bernsteinfarben tiefliegende Augen. Sie gestaltet jetzt eine kleine Sammlung in der Gruppe entstandener Texte.

Schreibgruppe als wesentlicher Pfeiler meines Lebens. Überschattet diesmal von Emilias Unfall, von der eher stillen Sorge, die Renate ausstrahlt. Inzwischen wissen wir: zwei Lenden-, zwei Brustwirbelbrüche: Wie kann das passieren? Überlegung, ob und was man ihr Gutes tun könnte zeigen mir, wie weit ich von Kindern entfernt bin. Ines hat noch das Strahlen der Braut trotz Zahn und Beate leuchtet belgisch. „Bäume“ ergiebig. Ich erlebe uns verbunden.

Montag vom Radeln am Sonntag schwere Beine; deshalb und wegen Aprilwetter mit Hagel und Blitz fällt Schwimmen aus, ein Strich durch die Rechnung meines Sommers. Am Freitag bricht über mich die Sinnlosigkeit des Daseins herein. Mein Leben eine Ödnis. Keine Enkelkinder; das Verhältnis zum Hospiz aufgrund menschlichen Irrsinns zerrüttet. Kein Hahn kräht nach mir. Wozu bin ich überhaupt auf der Welt? Zufällig Heike B. getroffen, die gleich an der Ecke mit Hospizlichem (nicht von Gregor) loslegt. Die Wut bricht ungefiltert aus mir heraus. Manchmal erfahre ich Dinge, nicht nur von ihr, nicht nur altbekannte, die mein erbarmungsloses Erwachen befeuern. Wer sich wie sie ganz im Glanz von Gregors Gunst sonnt löst bei mir den Stich der Tarantel aus. Dabei bin ich als Leiche im Keller in guter Gesellschaft – in Erwartung derer, die noch kommen werden; über die gegangen werden musste, weil sie ihm im Licht standen, sich in seinen Krakenarmen verfangen oder einfach ausgedient haben. Tröstet mich das? Nein. – Von ihm geträumt; seine bitteren Tränen Teil der Inszenierung, in der ich sogar auf einem Pferd geritten bin, das nachher in meinem Arm lag.

Wegen meiner Montagsgruppe zerfleische ich mich in Schuldgefühlen. Ein „Neuzugang“ ist beleidigt ausgeschieden. Ich habe die eherne Regel gebrochen, dass Texte vor Kommentaren, gar Kritik geschützt werden. Ich glaubte, bei ihrer beschämenden Schlaumeierei intervenieren zu müssen, habe sie damit bloßgestellt. Gespräche mit Michi und Ines haben mich entlastet, aber es hängt mir nach, hätte nicht passieren dürfen – ein Dilemma. Die von ihr erwartete Entschuldigung habe ich nicht geliefert, aber mich erklärt und Bedauern geäußert. Ich sinniere über vorbeugende Maßnahmen.

Sommerliche Sinnesfreuden nur noch Freitag Abend möglich – als AntiBluesStrategie bitter nötig. Die ersten dicken Tropfen erwischten mich in der Mitte des Sees. Dreiviertel des Heimwegs kamen wir mit Sprühregen davon, die letzten Kilometer bei Wolkenbruch und knallendem Donner, abenteuerlich.

„Nochmal leben vor dem Tod“, „Deutschlandmärchen“ und Annie Ernaux bei Booklooker verkauft, anderes dort bestellt. Moos ein zweitesmal in diesem Jahr gelesen.

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2 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Die Szenen am See sehe ich bildlich vor mir, insbesondere die Vater-Kind-Konstellationen. Dein Freitags-Blues, oje. Das kennt wohl jede von uns in der ein oder anderen Form. Gregor ist noch lange nicht verdaut, wie man an deinen heftigen Reaktionen und deinem Traum deutlich spüren kann. A propos Unwetter. Ich finde so langsam reichts mit dem Aprilwetter.

  2. Beate sagt:

    Vorbeugende Maßnahmen, das ist vielleicht geboten. Sich auch darüber Gedanken zu machen, dass es doch okay ist, wenn jemand mit beschämenden Schlaumeiereien die Gruppe verstört, verstehe ich zwar, aber wie oft „passiert“ das? Du hattest sicher gute Gründe!
    Was Dir mit Gregor passiert ist, ist auch wirklich kaum zu verdauen, vielleicht ist es ein wenig tröstlich, dass Du nicht alleine damit dastehst!

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