21-08-27- Hoffentlich nicht Sommerschluss! – Mückenplage – Strohwitwe – Soziales und Literarisches

Im Wetterumschwung werden die Mücken angriffslustig. Niemals lässt sich eine sehen. Nachts überfallen sie mich. Was dabei herauskommt sind große, entzündete Platscharis, die nichtmal mit Kortison abheilen. Überhaupt verändern sich die Insekten, sie werden immer „zutraulicher“ und größer. In meiner Wohnung sieht es nicht nach Insektensterben aus.

Ein paar Tage war ich Strohwitwe. Michael besuchte seine Patentante bei Köln – 12,5 Stunden mit dem Deutschlandticket. Meinen Frühschwimm habe ich einmal mit Renate gemacht, wobei wir uns ausgiebig verfehlt haben. Kiosk? Ja! Bank? Ja. Baumwurzel? Ja. Aber jeweils auf der anderen Seeseite. Einmal war ich allein. Einmal musste ich wegen kohlschwarzem Himmel umkehren, obwohl es erst nur nieselte. Danach in der Pension nach dem Rechten sehen – Bäder auf Vordermann bringen. Nach der Pflicht das Vergnügen: die herrliche „Handsemmel“ von Wimmer mit Wurst. Spontan statt Kaffee mittags ein Bier dazu, voll asozial, und herrlich! Für diesen Moment setze ich mich dann in den Garten, wozu mir sonst die Ruhe fehlt. Ich hoffe inständig, dass die Saison mit dem Temperatursturz nicht beendet ist. Es war so schön gerade, auch wenn der Schweiß strömt!

Einmal ist mir erst eine Oma wegen meiner Lektüre auf den Leib gerückt und fragte dann ihre etwa vierjährige Enkelin, ob sie nun echt ihr Kleid ausziehen wolle. Dann sei sie selber schuld, wenn sie Sonnenbrand bekäme und brauche dann abends nicht zu jammern, ihr sei das dann „wurscht“. Das Kind ließ die hässlichen Worte abperlen und sprang frohgemut ins Wasser. Mir hängen diese Worte noch nach. Eine andere witterte Kurzweil, während sie ihre kleine „Emilia“ betreute. Anwältin aus der ehemaligen DDR, die sich damals als 24-jährige Mutter in ihrem Umfeld schon als „Spätgebährende“ gefühlt hatte!

Soziales Leben diesmal also Fußpflege mit Beate, Renate am See, ehemalige „Meditationsgruppe“ in einem kleinen Lokal, und Brigitte, die alte weise Frau aus meiner Psychoschreibgruppe im Glockenbach zur Besprechung des kleinen Heftes und zu einer interessanten ZweierAchtsamkeitsÜbung. Mit Renate musste sich ausgerechnet abspielen, was den See von der weniger schönen Seite zeigte: eine der schönen Bänke ist vollends dem Vandalismus zum Opfer gefallen. Und: „unser“ Platz kurzerhand von einer Gruppe mutmaßlich osteuropäischer „Damen“ annektiert mit Tischtuch. Wir wichen auf die Wiese aus, wo wir ungestört blieben, wenn wir auch hart saßen.

Die x-fach preisgekrönte Helga Schubert gelesen. Spiegelbestseller; der unsägliche Denis Scheck sprach vom Comeback des Jahres, von einem „Lesefest“. Ein Leben in Geschichten, zeitgeschichtlich relevant, von der 80-jährigen, 2-fach Diktatur geschädigten Psychologin; Impulse, Aufhänger wie in jeder unserer Schreibgruppen, dahinerzählt. Manche Themen tauchen wörtlich mehrfach auf. Ich finde diese Frau im Interview äußerst sympatisch. Sie pflegt ihren Mann; brauche ein paar Stunden Schlaf, denn sie müsse träumen dürfen. Dieser Aspekt spricht mich an und wie sie ihr Leben schreibend verarbeitet. Wenn sie ihren Mann morgens im Nebenzimmer hört und einfach noch ein paar Minuten schreiben muss. Aber so ein Hype? Die Sehnsucht nach Echtheit? –  „Ein Zimmer für sich allein“ nach Virginia Satir – Podcast zu drei spätberufenen Schriftstellerinnen (u.a. sie) – gehört. – Leseproben zum deutschen Buchpreis. Stets wechselnde, beliebige Jury; fragwürdige Auswahl. Gewinnen ohnehin Glücksache. Fantastische Bücher gehen unter im Meer der Neuerscheinungen. – Endlich Kalenderlösung gefunden: billiges 0-8-15 Innenleben in rotes Lederoutfit von Arte&Cuoio aus Michaels Italienzeit gesteckt.

Innerlich beschäftigt mich das Thema Freundschaft. Und ein großer Kummer.

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3 Antworten

  1. Ines sagt:

    Was das für ein Kummer sein mag?
    Helga Schubert habe ich neulich auch in einem Podcast-Interview gehört und fand ihre Art sehr bescheiden und sympathisch, hab noch nie etwas von ihr gelesen. Ja, der Sommer geht zu Ende. Ich empfinde es jedes Jahr stärker wie ein Abschied. Andererseits tut es gut, wenn die Temperaturen wieder gemäßigter sind. Ich fand die Hitze sehr anstrengend.

  2. Renate sagt:

    Ich weine dieser Hitze nicht nach. Moderate 23 Grad sind für nächste Woche angekündigt. Ich glaube dass wir auch mehr exotische Insekten bekommen. Helga Schubert habe ich auch Im Interview gesehen. Wollte mir gleich ein Buch von ihr besorgen. Will zuerst meinen 800 Seiten Wälzer fertig lesen. Ganz zum Schluß der große Kummer?

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