Mit Rentnern in der Pfalz, Trauer um Sarah
Von Sonntag bis gestern hatten wir Urlaub, den wir in der Pfalz an der Weinstraße verbrachten. Die Pfalz ist der südliche Teil von Rheinland Pfalz, das war mir vorher nicht so klar. Wir hatten uns direkt an der Weinstraße eingemietet in der Nähe von Neustadt. Die Unterkunft war eine Wohnung in einem frisch restaurierten Fachwerkhaus, sehr stilvoll eingerichtet und komplett ruhig in der Nacht, so dass ich in Kombination mit der sehr komfortablen Matratze richtig gut geschlafen habe und mich erholt fühle. Wir besuchten teils mit dem Fahrrad, aber auch mit Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln die Orte Speyer, Bad Dürkheim, Deidesheim, St. Martin, Roth unter Riedburg, Neustadt und Landau (falls das hier jemanden interessiert). Mittags konnten wir immer zum Essen draußen sitzen und so war es mehr ein Spätsommerurlaub als ein Herbsturlaub. Überall, wo wir waren, wurde Wein angebaut. In einigen Orten befand sich in jedem zweiten Haus ein Weingut. Ohne Empfehlung hätte ich vor lauter Auswahl nicht gewusst, wo man Wein einkaufen sollte. Wir hatten einige Tipps von Freunden, haben ein paar Kisten zum Probieren für zu Hause eingekauft und auch vor Ort probiert. Der Riesling, den es dort überall gibt, ist aber nicht mein Fall. Zweimal waren wir wandern, davon einmal zum geschichtsträchtigen Hambacher Schloss und einmal waren wir auf einem Weinlesefest in Neustadt, wo ich mich spontan dazu entschloss, Kettenkarussell zu fahren. Das hatte mir als Kind Freude gemacht. Was hab ich es bereut. Während der Fahrt wurde mir total schlecht und die Übelkeit hielt den Rest des Abends an. Nie wieder Karussell! So schön die kleinen Orte in der Pfalz auch sind, ich bin froh, jetzt wieder in München zu sein. Die ganze Pfalz ist bevölkert mit Rentnergruppen, die auf ihren E-Bikes durch die Gegend gondeln. Nichts gegen Rentner, aber in dieser Überzahl schon sehr prägend. Dialekt und Essen waren auch gewöhnungsbedürftig. Erstaunlicherweise war die lokale Spezialität, der Saumagen, leckerer als die Bezeichnung vermuten lässt.
Heute morgen erreichte mich die Nachricht, dass Sarah gestern Abend im Krankenhaus ganz unerwartet an einer Lungenentzündung gestorben ist. Sarah hieß früher Eugenie, bevor sie sich selbst umbenannte und war die Frau von Sörens Vater Rolf, also Sörens Stiefmutter und meine Ex-Stiefschwiegermutter. Bis zu ihrem Schlaganfall 2015 war sie eine unglaublich starke, kluge und sehr spirituelle Frau, die mir auch als Psychotherapeutin ein großes Vorbild war. Ich habe sie bewundert, habe mich ihr eind Zeit lang ganz anvertraut und auch nach der Trennung von Sören (2013) Kontakt gehalten. Durch den Schlaganfall hat sich allerdings ihr Leben komplett verändert. Sie war nicht mehr dieselbe, war ganz kindlich und hilflos, konnte nicht mehr richtig reden oder schreiben und, was schmerzlich war, sich auch nicht mehr an mich erinnern. Trotzdem hab ich sie sehr lieb gehabt und bin jetzt in Gedanken bei ihr und Rolf. Er hatte Sören eine Mail geschrieben, dadurch habe ich von ihrem Tod erfahren. Sören, mit dem ich gerade gesprochen habe, ist komplett emotionslos. Er kann seinen Eltern nicht verzeihen, dass sie sich aus seiner Sicht immer nur um sich selbst gedreht und ihn und seine Brüder vernachlässigt haben. Darüber, dass er auch angesichts des Todes nicht verzeihen kann, bin ich betrübt. Wie wird das sein, wenn sein Vater stirbt? Ich habe selber auch früher mit meinen Eltern gehadert, aber zum Ende hin war die Beziehung zu meiner Mutter voller Liebe und Dankbarkeit. Das Gleiche gilt auch für meinen noch lebenden Vater. Wie schlimm ist es, im Groll für immer auseinanderzugehen.
in der Pfalz war ich noch nie und Deine Zeilen sind auch nicht unbedingt dazu angetan, dass man die Gegend gesehen haben müsste. Ob wohl ich selbst frischgebackene Rentnerin bin, bekomme ich bei Rentnerinvasionen, sei es mit Fahrrad oder bei Besichtigungen gerne die Krise. Auch, als ich das erste Mal mit einer Gruppenreise (nach Montenegro) unterwegs war, fand ich es sehr schade, dass nur Leute gleichen
Alters mitgefahren sind
Zu Teil 1: Tatsächlich brenne ich nicht gerade für Reiseberichte, schon gar nicht in Rentnerbrennpunkten an Orten, die so hässliche Namen tragen wie „Pfalz“ mit Schmankerln wie „Saumagen“; auch Weinkenntnisse kann ich nicht beitragen. Aber der Blog dient ja auch der eigenen Erinnerung, und dafür ist das hochwichtig! Öfters „schlage ich nach“, wenn ich etwas nicht mehr weiß!
Teil 2: An Sarah kann ich mich im Zusammenhang mit Jasmin gut erinnern, auch an ihren Abbau (durch dich). Dass sie sich umtaufte hatte vielleicht spirituelle Gründe? Vielleicht – so bleibt zu hoffen – bekommt Sören durch/nach ihren(m) Tod eine neue Chance mit seinem Vater? Sie war ja nicht „leiblich“; er schon.
Selbst ich als Rentnerin habe einen Horror vor Horden von RentnerInnen. Ich kenne auch keinen der Orte, die vielleicht ganz nett sind. Karussell fahren geht gar nicht, vorallem nach einem Saumagen.
Ich lese gerade „Kurussell nach Saumagen“ – zum Brüllen! Erstaunlich, dass sich dieses Feeling so ändert – früher konnte es nicht wild genug sein und Kettenkarussell war ein blanker Witz!