23-10-21-Tage mit Bine – literarisch von Ortheil zu Timm – Pulverfass Nahost – beschissenste Gruppe ever

Bine kam letzten Samstag – meinen Besuch in Mittenwald hatte ich gestrichen. Am Sonntag ihr Kollegenfreund Norbert hier (mit meinen restaurierten Barock-Jesus). Am Montag bei goldenem Wetter Possenhofen, vorbei an Sissi, Strandbad und Roseninsel. Fit genug, bis Tutzing weiter zu laufen. Der Fahrplan an „unserem Gymnasium“ zeigte, dass nachmittags nichts fährt. Überraschend gabelte uns ein Taxibus zur S-Bahn auf. Seligkeit! – Dienstag ging es für Bine nach Horgen – schön für mich, die Erfahrung zu teilen: Zugverspätung, verpasster Anschluss, offline in der Schweiz, Hetzerei, Gesamteindruck vor Ort und Fabian! Am MIttwoch bereits Abreise. Dennoch das Gefühl, Zeit gehabt zu haben für Gespräch, gemeinsames Lachen; keine Reiberei wegen skurriler Gewohnheiten (ich Türen und Fenster auf, Bine beides zu…diese Dunkelheit, auch Frieren – mir ist nicht kalt, ihr schon). Mahlzeiten, die sie genießt, vorlesen, gemeinsam unter einer Decke kuscheln. Schön war das! Die alte Schwester wie eine neue Freundin.

Literarisch hat mich Ortheils „Lesehunger“ zu Tränen bewegt – bis ich schlagartig genug hatte! – Jetzt ist viel auf Lager – der „Nobelpreis“ unterwegs (nicht lieferbar), zwischendurch Gabriele von Arnims gerühmtes „Das Leben ist ein vorübergehender Zustand“ (umgehend verworfen, wiederverkauft); ein paar Kapitel Turgenjew (durch Bine): „Reliquie“ und „es rasselt“ und, warum es schön ist, morgens zur Jagd zu gehen – diese Natutbeschreibung! Jetzt Timms „…Geister“. Seine Zeit als KürschnerLehrling – fantastischer Detailreichtum! – ein Leben entlang seiner Lektüren; wie er überhaupt zum Lesen und Schreiben kam. Uneitel, unkapriziös, bodenständig, menschlich. Haptisches (Fühlen der Felle), feinste Farbnuancen, Arbeitsschritte; ganz eigene, nie gehörte Wortwelt (z.B. Pumpf).

Inzwischen reift die Unterscheidung, was Sache der Palästinenser, der Hamas, des israelischen Staates, der Juden, der Region ist; die Medien nehme ich jetzt vorsichtiger wahr; höre eine Muslima sagen, alle Muslime müssten sich jetzt vereinigen. Der Skandal beim deutschen Buchpreis, als der slowenische Philosoph Zizek den Terroranschlag verurteilt, aber nicht verzichtet, die Gesamtsituation anzusprechen. Er wird zaghaft beklatscht, ausgiebig ausgebuht, viele verlassen den Saal. Wenige dürfen sich das jetzt erlauben, bekommen das Mikro mit der immer wiederholten Frage vorgehalten, ob sie den Anschlag verurteilen, werden solange unterbrochen, bis das Gespräch scheitert. Meron Mendl, deutsch-israelischer Publizist, Prof. für Soziale Arbeit, hat für mich akzeptabel gesagt: Er sei der erste, der die Israelpolitik kritisiere. Augenblicklich aber müsse das Leid ohne „Kontextualisierung“ Raum bekommen. – Diese Massen. Gebetsmühlenartig vorgetragene Kommentare, Verurteilungen; die Mobilisierung, auch in Schulen – welch ein Pulverfass. Ein Blick in die Geschichte zeigt unendliches Unrecht. Hoffnungslosigkeit. Das Herz könnte zerbrechen. Empfehlung: ZDF-Mediathek: Eskalation in Nahost – 10 Fakten zur Geschichte des Nahost-Konflikts.

Verärgert, dass Ingo mich im Moment mit knappen „oks“ hängenlässt, füttere ich ihn nur noch notdürftig. Vielleicht liest er Kurzinfos? Den nächsten Besuch plane ich ohne Absprache. Mit Daniela, mit Conny korrespondiert, die mir Übernachtung anbietet. Eventuell könnte Fabian Ende November (bis zur Verhandlung in möglicherweise „vielen Monaten“) freikommen, schreibt mir der Anwalt. Ob das Anlass zu Freude gibt sei dahingestellt.

Samstag Aetas Schnuppergruppe (zu dritt, Scheiße!). Absagen zu spät, um meinerseits absagen zu können. Eine Begriffstutzige fehlte; eine ruppige Alleswisserin umso präsenter. Rücksichtslos, widerständig. Dagegen kommt die einzelne Zarte nicht an. Ich wusste es. Aber wie sage ich: Ziefern wie Sie? Unerwünscht! Totale Fehlbesetzung – gewiss nicht nur bei mir. Im Rausgehen resonanzkräftige, furchtbar nette Frauen getroffen, die beim Tanzen waren: Sie wollten schon immer zum Schreiben, hätten sich nur nie getraut. Demnächst aber!

Michael diese Woche krank. Hier insofern Stillstand bzw exzessive Lesezeit.

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3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Dann war Bine also jetzt auch einmal bei Fabian. Haben die beiden eine gute Beziehung oder wie kam es dazu? Jedenfalls ist es erfreulich von eurer schwesterlichen Freundschaft zu lesen. Was eine Ziefer ist musste ich erst mal Googlen. So eine Herausforderung, mit Menschen arbeiten zu müssen, die man nicht gut aushalten kann. Was tun, wenn dieser Mensch immer wieder kommt und die Gruppenatmosphäre vergiftet? Zur Situation in Nahost kann ich deine Gedanken gut nachvollziehen. Gute Besserung für Michael. So viele Menschen sind derzeit krank.

    • Heike sagt:

      Diese Frau kommt nicht wieder. Ich würde es nicht zulassen. Fabian und Bine haben keine enge Beziehung, aber Bine ihn auch andere Male zweimal in Zürich besucht im Zusammenhang mit Dienstreisen. Sie haben sich immer ganz gern gemocht. Bine wollte, ich hab es Fabian gesagt, er hatte sich gefreut. Diesmal muss der Gesprächsstoff mit dieser schwierigen Akustik durch die dicke Scheiben allerdings etwas vor der genehmigten und ohnehin begrenzten Zeit ausgeganen sein.

  2. Renate sagt:

    Du wirst noch zur Spaziergängerin. Die Beziehung zu deiner Schwester hat sich sehr zum Positiven gewandelt, gut zu lesen. Danke für den Tipp in die ZDF Mediathek zu schauen, die Flut der Nachrichten und Interviews ist immens. Das Wort Ziefern wird inzwischen selten benutzt. Ich kenne es natürlich. Die Grippe geht um. Gute Besserung an Michael.

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