23-11-04 – Literarisch (Fosse), Räumen bei Michael, kulturell („Erfolg“) + sozial (Sonja; Bertin; Oma R.;Thomas; Brigitte H.)
Dienstag wäre Zürich gewesen, das fällt aus. Zeit – herrlich. – Obwohl an unserem gemeinsamen Sonntag von Völlerei nicht gesprochen werden konnte, flau im Magen. IBU gegen Kopfweh hilft spät, gegen leise Übelkeit muss Iberogast her (44 Euro!). „Alle meine Geister“ zur Post. Kaum verkauft trauere ich dem tollen Buch nach. Zwei Bücher von Jon Fosse ausgelesen. Merkwürdiger Sog. Tragisch; einfachste Verhältnisse, bitterste Armut (Herbergsuche). Nichts wird ausgesprochen. Viele Sätze gehen ohne Punkt in den nächsten über, Halbsätze werden wiederholt oder kehren wieder; Protagonisten sprechen in inneren Monologen mit sich, mit Verschollenen, mit Verstorbenen, Tote vergangener Generationen treten auf. Nicht endender „stream of consciousness“, so noch nie gelesen, grundiert von der Landschaft Norwegens; schicksalhaft. Kaum über zweihundert, Alise kaum über hundert Seiten. Schrift groß, Zeilenabstand luftig. Als würde so besser das Ungewisse, Geheimnisvolle dazwischen passen. Ich denke an unsere Reise mit allen drei Söhnen. Fjorde. Gletscher. Berge. Himmel. Schwer, jetzt umzusteigen. Eine Welt für sich. – Inzwischen einige andere Bücher probiert und liegenlassen. Fosse nicht gleich zudecken; die Sache mit den Bestsellern – wieviele gibt es eigentlich? Alles Meisterwerke heutzutage? Ich fasse nicht Fuß und habe noch nicht zu dem gegriffen, was mich ergreifen wird, um den Nachhall nicht verblassen zu lassen.
Absagen meinerseits haben nicht zu Verstimmungen geführt, sind auf Verständnis gestoßen und haben sich gut ausgewirkt.
An Allerheiligen hat mich Thomas besucht. Was ich ihm weiterschenken hätte wollen – ein kostbares Relikt aus der Freundschaft mit Gregor (bei dem ich mich vorher versichert habe, ob ich es zurückschicken darf oder in gute Hände weitergeben, da es sich bei mir nicht mehr wohlfühlt bzw umgekehrt) – wollte Thomas nicht. Es hat ihm nicht gefallen. Eigentlich hätte ich Bertin noch fragen können – den netten Schreiner aus Ines‘ Orbit, aber das hat dann doch nicht gepasst. Er hat in Eile, aber sehr gründlich, den Tisch begutachtet. Er sieht an einer Bearbeitung keinerlei Problem, hat allerdings vergessen, dass er dazu einen zweiten Mann und einen Transport braucht, überlegt sich diesbezüglich was. Die andere Möglichkeit, den Tisch an Joseph (auch Ines` Orbit in Aham) weiterzugeben, haben wir besprochen. Es bleibt offen, aber nicht unüberwindlich, v.a konkret (Vorgehensweise, Kosten). – Dann die spießige kollektive Trauer am Westfriedhof, wo ich kurz Oma R. getroffen habe (nur noch leere Worthülsen), zufällig Magdalena (Grüße an Renate!); rührende Blasmusik. Am Freitag Feuchtwangers „Erfolg“ im Resi (allein), m.E. fantastisch inszeniert und choreografiert (Susannes Empfehlung). Freitag (als Dank für die Heftgestaltung) Frühstückseinladung meiner betagten Schreibgruppenteilnehmerin Brigitte – ausgezeichnete Gesprächspartnerin. „Das Maria“ brummt inzwischen und platziert trotz Reservierung Schulter an Schulter; ein Geräuschpegel zum Davonlaufen, was wir gemacht haben. Einen ruhigeren, wenn auch weniger originellen Ort gefunden. – Brief von Fabian. – Bei Sonja (sturmfrei im Hospiz) etwas (für Ingrid) abgegeben – gebogen vor Lachen über die Verhältnisse. Das zutiefst Kummervolle kippte plötzlich für einen Moment ins Groteske.
Räumen, jetzt bei Michael (Küche und Speicher angefangen). Wieviele Knoblauchpressen/Siebe usw. braucht der Mensch? Wieviel Besteck? (Michael isst nicht gern von Silber). Was braucht meine Nachbarin? Wirklich alles? Meinen „güldenen“ Prunkspiegel hat sie diese Woche gern genommen. Ich hoffe, sie kommt dieser Tage zur Pension. Eine Karte, die ich ihr diesbezüglich in den Briefkasten gesteckt habe, lag im Papiermüll. Kann sie nicht lesen? – Bine nimmt Lollos Jugendstilgardarobe. Beiladung organisieren. – Gerade ist es so schön. Vielleicht erstmal ein bisschen laufen? Oder andersrum? Nach dem Räumen aber tut alles weh – der Rücken! Die Füße!
Um welches Relikt von Gregor es sich wohl handeln mag? Und was war so komisch an den Verhältnissen im Hospiz? Ich freu mich, wenn Bertin dir mit dem Tisch helfen kann. Hoffentlich geht da was. Das Maria war schon letztes mal bedenklich voll und laut, wobei wir bei unserem Treffen noch Glück hatten. Befremdlich, dass die Nachbarin deine Postkarte in das Altpapier wirft. Vielleicht hat sie die Karte mit Werbung verwechselt.
Das denke ich – obwohl es Handschrift war. Im Hospiz? Jetzt wird mit Sonja kein Wort mehr gesprochen – und das, obwohl sie noch da ist. Jetzt ist sie fassungslos…
Medikamente, wie Iberogast, sind inzwischen entweder nicht mehr erhältlich oder so teuer. Danke für die Grüße von Magdalena. Bin gespannt wie sich die Tischfrage klärt. Ich verstehe Michael, denn ich esse auch nicht gern von Silber. Gut, dass deine Nachbarin allerhand brauchen kann. Warum deine Karte im Altpapier lag, ist ein Rätsel.