23-11-12- Abwehrkräfte gefordert + Aussichten im Endspurt – Woche mit Jaroussky und Ines‘ Figaro

Mein Immunsystem wird geprüft. Zuerst mit Ines. Gestern nahm Michaels Erkältung (die zweite innerhalb Wochen) Fahrt auf, als wir wieder eine Regalkonstruktion anbrachten. Abends ging es dann bei mir los; Sonntag morgens Brummschädel, verstopfte Nase, Hüsteln, das ist bisher alles. Wir müssen weitermachen, es hilft nichts. Die Räumungsfirma kommt am 12.12., bis dahin muss alles wegsortiert sein, was zu mir kommt – selbst Müll muss akribisch getrennt sein! Manche Müllsünde Typ „Gemischtwaren“ versenken wir in graue Säcke verpackt bei mir in der Tonne. Morgen, Montag, Zürich; am Mittwoch kommt Jakob mit Anna – Geburtstagsklatsch, von dem er schnell weitermuss. Gemeinsame Zeit ist knapp. Nächsten Samstag Märchenschreiben bei Dasein. 2022 war ich zu meinem Workshop in der Stroke-Unit, diesmal muss es klappen. Mir steht der Sinn weniger danach denn je. – Letzten Montag kamen kurzfristig Absagen für Aetas, dann habe ich es ganz abgeblasen. Momentan gelten andere Prioritäten.

Kulturell war meine Woche äußerst ergiebig. Lang geplant mit Brigitte Philipp Jaroussky – inniglicher CounterGesang von einem Mann, der mich mit seiner ganzen Körperlichkeit ergriffen hat. Für mich ein Erlebnis – mehr als die Stimme. „Vergessene Lieder“, dazu ein geradezu fröhliches, aufeinander sehr aufmerksames Orchester. – Die Frage, wie spontan ich sei, kam am Donnerstag früh von Ines. Ich habe begeistert für Figaro zugesagt und den Tag so ausgerichtet, um nicht direkt vom Räumen zu kommen, zumal Morgengebet und Kurzrundgang bei Turner schon feststanden. Unbedingt wollte ich ausgeruht sein, um die Länge durchzuhalten. Wir waren beide ohne Konzentrationsabfall bei der Sache. Mir hat es unglaublich gefallen – das Klamaukige ist nunmal so. Eine Oper ist die Gelegenheit, dass einer wie Mozart alle Register ziehen kann – herrlichste, vor ihm nie dagewesene, nach ihm nie wiedergekehrte Harmonien, wie sie nur ihm von seinem Genius eingeflüstert wurden. Ines und ich hatten den Luxus, für uns zu sitzen. Katarina war zwar ausgesprochen nett und „tragbar“, hatte aber eine siebengescheite Begleiterin („ihr wart wohl noch nie in der Oper?“), die wir (ich) nach der dritten Ansprache dann konsequent gemieden habe(n). Eine andere war nett; einen Mann habe ich nicht ganz mitbekommen. Bei der Einführung brüskierte ein alter Herr den Dramaturgen; was er erzähle, wisse vermutlich jeder im Raum und wie es denn um die Musik stünde. Er hat dann seine Blamage gekriegt – als er dem geneigten Publikum erörtern sollte, um welchen Dreier-Opern-Zyklus es sich denn nun handle. – Nach meiner Wahrnehmung wurde in einzigartigen Klangfarben gesungen; gerade Cherubinos Rolle sieht man heute anders – er/sie erntete unbändige Begeisterung (sicher auch für den himmlischen SilberMezzo). Die einzigartige, berühmte Pause zwischen den zwei Strophen der herzergreifenden „Dove sono“ – Arie der Gräfin wurde leider – oh Gott – durch Applaus plattgemacht. Premiere bei mir: ein reservierter Tisch mit (von Hubert gewähltem Wein) und Häppchen. Toller, wunderbarer Abend auf dem Platz des Bräutigams in der Galerie – ich singe immer noch. Die Besetzung lasse laut Dramaturg wieder ein Mozartensemle von der Güte wie „zu meiner Zeit“ erhoffen (damals mit Lucia Popp, Wolfgang Brendel). Stefano Montanari dirigierte schmissig und irgendwie „modern“, teilweise ohne Taktstock, wechselte zwischen Pult und Hammerklavier zu den Rezitativen. Ich konnte es nicht lassen und habe einige Kritiken gelesen. Etwas Boshaftes muss dabeisein! Man sollte es einfach nicht machen.  – Im Hinterkopf die Frage, wer die Dame war, die mir gewunken hat. Und was es mit der Kollegin auf sich hatte, an der ich mich vorbeizwängen musste? Wie gut muss ich sie gekannt haben? Das Gedächtnis…

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3 Kommentare

  1. Beate sagt:

    Deine Woche war in derTat sehr ausgefüllt vom wunderbarsten kulturellen Genuss, den ich mir denken kann. gestern schwärmten ein paar Männer,mit denen ich unterwegs war, auch von der Inszenierung! ich halte Euch die Daumen, dass Ihr es kräftemäßig schafft bis zum 12. alles zu sortieren- ich habe da auch meine Erfahrungen, wie genau diese Trennung von Wertstoffen aufhalten kann!

  2. Renate sagt:

    Hoffe dein Immunsystem hält stand. Dein Bericht über das unendliche Räumen könnte Anstoß sein, sofort zügig auszumisten. Dein Schwärmen über Figaro macht Lust, auch hinzugehen. Heute bietet die Volksbühne die Oper an.

  3. Ines sagt:

    Jetzt hat der Erkältungsvirus dich auch erwischt. Mist. Hoffentlich bleiben die Symptome so erträglich, dass du weiter aussortieren kannst. Wie viel Zeug muss es in der Pension geben, dass man fürs Aussortieren und Zusammenpacken so viele Tage braucht? Da bin ich froh, dass ich so wenig habe. Unsern Opernbesuch hast du gut beschrieben. So war es .

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