Strickvorhaben, Rückzug und eine Geburtstagseinladung
Es war ein Foto aus vergangenen Zeiten, als ich in der WG in Herrsching wohnte, das mir in die Hände fiel: Einen selbst gestrickten Schal, selbst gestrickten Pullover hatte ich an – wie schön ist es doch, etwas anzuziehen, das mit Freude abendlang erarbeitet wird- jenseits eines intellektuellen Anspruchs! Die Erinnerungen führten sogar so weit, dass ich kurzerhand ins Wollgeschäft ging, viel Wolle für viel Geld kaufte, weiche Knäuel in Efeugrün, samt Strickmuster für einen Pullunder. Schon nach den ersten zehn Zentimetern änderte sich der Plan, denn meine Bedenken wuchsen, dass das Teil dann nicht so schön aussehen könnte, dass ich es wirklich anziehen mag. Geld zurück geht nicht- also ein Schal! Uni in Efeu (wie langweilig), vielleicht kann ich zwei Knäuel in Orange, Rot oder Rosa umtauschen. Jetzt hoffe ich, dass sich beim Stricken nicht meine Schulter meldet. Der rechte Arm schläft regelmäßig ein.
Ansonsten verlief die Woche viel ruhiger als geplant, ich sagte alle Veranstaltungen zum Hitlerputsch ab, die ich vorher zugesagt hatte, freute mich, dass Bedauern auf meine Absagen laut wurde, ich blieb zuhause, kochte und las. Auf gar keinem Fall wollte ich mir eine Erkältung holen, zumal ich für den nächsten Montag einen Impftermin ausgemacht hatte.
Gestern war ich dann doch unterwegs, Barbara, meine Cousine hatte Geburtstag und wollte mich bei Ihrem Ausflug nach Innsbruck gerne dabei haben. So fand ich mich in ihrer Wandergruppe von acht schwulen Männern und einer weiteren Frau wieder, lauter bunte Menschen zwischen 40 und 60 Jahren, die regelmäßig Ausflüge unternehmen. Die Fahrt mit dem Deutschlandticket war eine Katastrophe, der erste Zug fiel aus, dann die vielen Baustellen, aber wir unterhielten uns bestens. in Innsbruck waren das (sündhaft teuere, aber sehr feine) Mittagessen und der Nachmittagskaffee Highlights, die Besteigung des Stadtturms für mich eine Herausforderung, während Barbara leichten Fußes auf den Treppen vor mir herumhüpfte Natürlich sind wir auch in die Hofkirche und den Dom gegangen, insgesamt war es ein schöner Tag!
Die Sache mit dem Stricken ist herrlich! Ich glaube mich zu erinnern, dass wir auch zusammen gestrickt haben? Manch schöne, besondere und kostspielige Knöpfe kamen damals z.B. am Kragen zum Einsatz – da war königsblaue Seide u.v.m. dabei. Die Schulter? Klar, heutzutage auch die Fingerknöchel – was halt so alles wehtun kann. Alles klingt unverhofft erholsam – der Ausflug (immerhin ein Sittzplatz in der Bahn?) auch nett.
Was habe ich früher gerne und viel gestrickt, jetzt streiken die Sehnen. Umtausch von efeugrün in rosa, orange geht sicher und ein Schal ist auch was Schönes, gerade jetzt, wo es kalt wird. Wenn schon die DB eine Katastrophe ist, so hattest du doch eine gute Unterhaltung, gutes Essen und eine sportliche Herausforderung.
Ich stell mir das oft ganz nett vor, mit Strickzeug an kalten Winterabenden zu sitzen. Eine sinnvolle Beschäftigung. Aber Wolle hab ich mir noch nie gekauft. Ich finde die auch sehr teuer. Bin gespannt wie der Schal aussehen wird. Kann man bis nach Innsbruck mit dem Deutschlandticket fahren?