Gebrechen und eine kalte Wurst

Zweimal in dieser Woche kam ein Zeichen, dass das Leben endlich ist und dass die Zeit, die bleibt, um einigermaßen unbeschwert Tag für Tag in den Alltag zu trudeln, sehr schnell vorbei sein kann (das ist zwar ein Allgemeinplatz, aber dennoch schmerzlich zutreffend). Gestern Vormittag klingelte ich bei Andreas und Bea, um ihnen den alljährlich von Birgit gebackenen köstlichen Stollen vorbei zu bringen. Bea saß (wieder sehr schön gekleidet und geschminkt ) frisch an einem ziemlich schweren Bandscheibenvorfall operiert auf dem Sofa. Seit sie Pensionärin ist, fällt sie von einer Krankheit in die nächste. Sie meinte, all die schönen Unternehmungen, die sie und Andreas sich ausgemalt hatten, kann sie jetzt auf absehbare Zeit vergessen. Am Abend kamen dann Katharina und Christoph, ich hatte gekocht und wir sahen uns den Film über William Turner an. Christoph ist sehr gerne bei mir, „bei Dir bleibe ich“ , sagte er mehrmals am Abend. Seit er nicht mehr arbeitet, verfällt er zusehends. Wie mag ich beisammen sein, wenn ich mal die 70 überschritten habe? Sabine’s Warnungen, mehr Sport zu treiben und in Bewegung zu bleiben- auch kein Allheilmittel!

!Fünf bis sechs Semmeln und eine kalte Wurst“ hieß das Theaterstück gestern in den Kammerspielen. Hymnisch besprochen in der SZ…mir gefiel einiges nicht, wie das lange gezeigte übergroße Bild eines derben bayerischen alten Mannes, der feist dem Zerrbild eines dumpfen Wirts entspricht, die Szene, in der die Darstellerin auf der Bühne rumradelt, oder die Szene, in der die Darstellerin auf ein Bett mit dem Teppichklopfer eindrischt, wie damals die Mutter auf sie. Annette Paulmann trug sehr eindrucksvoll einen Monolog vor, hätte es den Firlefanz drumherum nicht gegeben, hätte ich das Stück besser gefunden. Kleine Aufregung am Rande war, dass in der Gadrobe mein Mantel verwechselt wurde. Gottseidank fand sich eine Frau im Blauen Haus wieder, die ihrerseits ihren Mantel suchte. Wir hatten beide die Schlüssel in der Manteltasche. Es regnete, ich hielt das nächste Taxi an und fuhr nach Hause.

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3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Zum Glück hast du den vertauschten Mantel wieder. Ja, das Alter und die damit einhergehenden Krankheiten kommen näher. Die Anstrengungen, gesund und kräftig alt zu werden, sind allgegenwärtig. Nicht immer erfolgreich. Viel meineg Bekannten haben orthopädische Probleme. Knie, Rücken, Hüfte, Mist.

  2. Heike sagt:

    Wieder eine köstliche Passage….die Bekannte saß frisch (und dann kommt erst operiert…)! Ich höre immer nur raus, dass auch den Schlanken alles weh tut. Die Sache mit dem Mantel – was für ein glücklicher Zufall! „Bei dir bleibe ich“ – spricht Bände.

  3. Renate sagt:

    Gut, dass es nicht nur hinfällige, kranke Leute über 70 gibt. Ein Glück dass dein vertauschter Mantel, mitsamt deinem Schlüssel, wieder zu dir fand. Schlüssel doch besser in die Handtasche.

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