23-12-31- Öd und leer ohne Jakob und Anna? – Besuch in Horgen bei „einem tollen Typ“ – Sonjas Abschied und ein Lied – Übergabe – Wechsel in ein wirklich Neues Jahr
Abreise Jakob und Anna am Donnerstag, während ich bereits im Bus nach Zürich sitze. Hinterher öd und leer. – Fabian wohlgemut. Hatte vier Wochen keinen Besuch. Dass ich das von Ingo bzw dem „anderen“ Simon nicht erfahre befremdet mich. Der Wärter, der mich „untersuchte“ und hinbrachte, sagte, er unterhalte sich gern mit Fabian. Der sei ein toller Typ, immer gut drauf. An Weihnachten wollte wohl ein Geistlicher etwas anbieten, worauf Fabian keine Lust hatte. Dann aber hatte der nur ein einziges Schäfchen aufgetan. So erbarmte sich Fabian und riss noch ein paar andere mit, sodass der Priester nicht so allein war. Fabians Freunde begleiten diese Reisen, wünschen mir alles Gute, geben Wünsche mit. Einer, dem Fabian wieder etwas auftrug, sprach mir drauf, Fabian sei ein einzigartiger Freund, er habe ihm viel zu verdanken. Fabian würde dasselbe für ihn tun. Er sei ihm eine Freude, eine Ehre. Daniela fragt, was sie für ihn bei ihrem Silvesterritual ins Feuer tun solle. Sie freue sich aufs Wiedersehen, bis dahin sei alles gut.
Am Freitag Übergabe. Ich derart nervlich derangiert, mit Ausschlag, dass Michael nur mit Jonas ging; ich hätte niemals die Klappe gehalten. Es wurde bereits dreimal gesagt – einmal in Jonas Beisein – dass die Verpächterin keine weiteren Ansprüche stellt, „falls sie das Haus jetzt so verkaufen kann“. Offenbar erwägt sie andernfalls, es wieder als Pension zu verpachten. Michael sagt, dann bringt er sie um. Die Übergabe über zwei Stunden. Als wieder eine Unterstellung kam, sagte Michael, er lasse sich gern erziehen, allerdings von seiner Mutter, und die sei leider gestorben. Vormittags hatte ich noch den Keller gefegt – als fegte ich die Wüste Gobi. Als ich an der Decke Spinnweben berührte, prasselte mir der Mörtel von hundert Jahren aufs Haupt, als wollte das Gewölbe einstürzen.
Abends Sonjas Abschied – ein tolles Fest. Ohne Gregor war für mich die Bahn frei. Schöne Gespräche mit ehemaligen Kolleginnen, Sonja hat wunderschön gesprochen; am Lied für sie war ich beteiligt, hatte Andi zwar gesagt, dass ich nicht dichten kann, Staub schluckend und sorgenvoll, aber er hat immer wieder angeklopft, zuletzt auch Winni, der sagte, Andi habe gesagt, ich würde dichten. So standen wir zuletzt wie ehedem. Andi flößte uns den Mut ein, die eigenen kurzen Verse solo zu singen, für mich zu hoch, daher piepsig, bei Winni ein wenig wie Sprechgesang, Agnes gewünscht krachert; Isabella begleitete Andis Gitarrenspiel ihrerseits mit Gitarre und natürlich alle, alle gemeinsam beim Refrain. Ich singe immer noch! – Habe ich richtig gehört, dass meine Nachfolgerin nach einem kranken Dezember jetzt auf Reha geht? So wird Sonjas Nachfolger nach einem Monat Einarbeitung, in der Gregor wohl kaum zu sehen war, in naher Zukunft recht allein den Laden schmeißen – mit Renates Unterstützung. Renate sagte mir, er erinnere an Benni, einen ehemaligen Ehrenamtlichen (lebhaft, jung, logorrhöisch, schwul – inzwischen Professor für Romanistik). So habe ich den Neuen sofort „erkannt“, der sich als Rampensau erwies, alles um sich rum unterhielt, als sei er schon zwanzig Jahre dabei. – Das Bad in diesem alten Kreis war sehr bewegend. Dennoch wurde mir bewusst, dass es – entgegen Erwartung – ein Leben ohne die „Droge Hospiz“ gibt.
Gestern haben wir uns wegen Haushalt ein Gefecht geliefert. Michael sagt dann immer „ich lasse mich scheiden“ und ich sage „bei mir ist das nicht so“, wenn er eine Erfahrung in meiner Küche macht. Halb im Streit, halb zum Totlachen. Ich muss von Gewohntem abrücken, ohne zu behaupten, Michael würde sich nicht anpassen. Am gemütlichsten ist das gemeinsame Lümmeln auf seinem Bett von zwei Seiten, fernsehend oder ratschend, fürs Füßekraulen die ideale Position. Bis es – wenn je – einigermaßen aussieht, wird es noch lange dauern.
Gestern mit Cornelia im Park. Ewig nicht dort gewesen! Silvester keine Pläne. Jahreswechsel aber keineswegs beiläufig. Vielleicht schaffe ich es, meine Blogs des Jahres nochmal durchzulesen?
Ich hoffe, du kannst dich auch etwas darüber freuen, wenn Fabian als so ein guter Freund und toller Typ wahrgenommen wird. Welch ein Meilenstein, dass die Pension nun aufgelöst und übergeben ist. Ob Sonjas Nachfolger seine gute Laune behalten wird, wenn er quasi alleine die Aufgaben übernehmen muss. Warum hört Sonja eigentlich auf? Michael rückt auch mir immer näher, da du jetzt viel mehr von ihm schreibst. Wie lustig, dass er sich „scheiden lassen“ will, wenn ihr euch wegen Haushalt auseinander setzt. Anders als ihr, sind Hubert und ich ja schon vor der Hochzeit zusammen gezogen, da konnten wir damit nicht drohen.
Da freue ich mich sehr wohl! Warum Sonja geht, abgesehen davon, dass sie in ihren eigentlichen Beruf zurück will, das erzähle ich vielleicht aus der Perspektive, die sie mir vermittelt, gesondert – um Renate nicht wieder reinzuziehen.
Wohltuend, dass Fabian so gut ankommt, wird es für dich, nach langen zähen Auseinandersetzungen mit Fabians diversen Phasen, viel Wut und Unverständnis, sein. Das Video und die vielen Fotos von Sonjas Fest gaben mir einen Eindruck von der guten Stimmung. Zusammenleben will geübt sein, nach langer Zeit des alleinelebens. Ich bin zuversichtlich dass ihr das hinkriegt,
Fabian in diesem ihn beschränkenden Leben eine Bereicherung für die neue Umgebung – wie schön und beruhigend ist das zu lesen! So soll es bleiben, von einem Absturz in die Verzagtheit soll er in Zukunft verschont bleiben. und die Freund „draußen“- eine weitere Stütze!
Und die Übergabe ist überstanden: auch eine Erleichterung, auch für mich, die ich von der Ferne mit gebangt habe!
Die Küche teilen: das ist eine große Herausforderung- wenn nicht die größte im Zusammenleben! Doch ist sie auch weit davon entfernt, ernsthaft eine Krise hervorzurufen