2024-01-21 – Büffel in der 21 – Gruppen – „Zeit“ – aneinander Gewöhnen – Baustelle Augsburg + Lage der Nation
Dinge, die ein Terminereignis markieren (Konkretes), sind nicht wichtiger als Nebensächliches (Atmosphärisches). Viele Eindrücke entschwinden. Beispiel (in der vollen Tram): „Würde es Ihnen etwas ausmachen, Ihre Tasche auf den Schoß zu nehmen?“- „Und dann?“ – „Dann würde ich mich hinsetzen.“ – „Das ist ein Platz für eine Person.“ (Unterstützendes Raunen ringsum; es geht um einen Zweisitzer. Ich sage: „Ich sehe es, aber das ist eben ein Büffel.“ Der übrigens an der nächsten Haltestelle aussteigt.
Wochenanfang mit Aetas. Ich hatte innerhalb kürzester Zeit meine drei Gruppen. Dadurch, dass Jahresauftakt alle betraf hatte ich einige identische Impulse. So konnte ich für mich zur Vertiefung verschiedene Schwerpunkte herausgreifen, ohne 7/8 auf der Strecke zu lassen. Jede der Gruppen war auf ihre eigene Weise intensiv. Meine Neuzugänge haben sich gut eingefügt diesmal. Dadurch, dass meine Praxis-Gruppe „explizit exclusiv“ sein will frage ich mich, wie das weitergeht, wenn eine ein rezidivierendes Flucht-Muster intus hat. Wie oft soll, will ich das einfangen? Eine Teilnehmerin wirkt nach kritischer Grenzerfahrung wie geläutert – die personifizierte „liebende Güte“. – Bei Ariane Konzert abgesagt wegen Hexe in der HWS; bei Benelisa, Emilians, Adrians (und Lorenas) Mutter Vernissage, Erkältungsanflug.
Unsere Woche ist gekennzeichnet von der neuen Wochenzeitung – durchgängig beschäftigt mit langen, lesenswerten Artikeln. Wann hat da noch ein Buch Platz? Tägliches Zeitunglesen und ein inzwischen beiderseits abgesegnetes Austauschverfahren (anders als von mir ersehnt: ein geregelter Kompromiss) bindet enorm viel Zeit. Am Donnerstag bereits zweite Lieferung.
Der Prozess des aneinander Gewöhnens ist durchwegs präsent. Jetzt ist noch der Rede wert: Wann meldet der Körper Hunger? Lässt sich das synchronisieren? Sollte einer essen, bevor er Hunger hat? Oder der andere warten, auch wenn der Magen schon kracht? Wir gleichen uns an. Inzwischen essen wir später als Michael und früher als mir danach ist und sieheda – unsere Mägen gleichen sich langsam an. Ein Gespräch mit Michael über gemeinsame Mahlzeiten führt mich in meine Baratungsstellenzeit. Es waren tatsächlich oft die unbehüteten, manchmal gar vernachlässigten Kinder, die nicht von gemeinsamen Mahlzeiten berichten konnten; jeder aß, wie es kam, holte sich irgendwas, saß damit vor dem Fernseher. Sollte es also nicht eine Frage der Zufälligkeit, des Irgendwie werden, ist auch das eine Entscheidung. Eine Verabredung bzw eine Absage, etwas Verlässliches. Das sehe ich ein. Jetzt ist die Weichenstellung. Noch ist scheinbar Banales eine Sache der Absprache. Verlässlichkeit kann auch in einem Vielleicht bestehen. Manchmal will ich so tun als sei ich allein – einfach mit einem Kaffee zurück ins Bett.
Am Dienstag hatte ich mich vertan und trat eine Woche zu früh bei Herrn Diemer an. Zufällig passte ich gerade in eine Lücke. Ich kam in neuer innerer Ruhe. So hatten wir eine ganz andere Ausgangsbasis. Die Behandlung führte mich in den Erinnerungsstrom wie Siddharta, der den Fluss seines Lebens an sich vorüberziehen sieht. Nichts wurde greifbar, aber alles bildlich; alles war weg, sobald ich danach griff.
Leider wird meine Ruhe dadurch gestört, dass nicht nur die Heizung meiner Mieterin streikt, sondern ein Riesenschaden behoben werden muss, nach dessen Ursache seit Wochen geforscht wird. Ihre Wohnung muss aufgebaggert und sie vorübergehend (mit zwei Kleinkindern) umquartiert werden, eine Riesensache, die vor allem sie trifft, weil die mutmaßliche Schadstelle der Rohre unter ihrer Wohnung liegt. Dass es dennoch das ganze Haus betrifft ist mein Glück. Es könnte auf einen Versicherungsfall hinauslaufen. Der sich um alles kümmert (während seiner Dienstzeit als Oberarzt in der Uniklinik), tut es auch diesmal. Anderenfalls wäre die Sache mein Ruin.
Nach dem nun nicht mehr geheimen Geheimtreffen Rechtsradikaler erheben sich Hunderttausende – heute in München. Bedrückend, schockierend, quälend das eine, erlösend immerhin das! – Unterdessen bricht die Januarsonne durch. Der Schnee im Nymphenburger Park glitzert diamanten. Ein Meisenpärchen schmettert Liebeslieder und glaubt sich im Frühling. – Brief 10 an Fabian.
Was und wann essen, miteinander oder jeder wie er Hunger hat, das sind wichtige Fragen des gemeinsamen Alltags. Wichtig finde ich, dass man eine Mahlzeit am Tag verbindlich zusammen isst, und auch zu Kompromissen bereit ist. Und vor allem darüber im Austausch ist. Für mich ist es wichtig, dass ich mich zurückziehen kann, ohne dass Hubert sich zurück gesetzt fühlt. Ich hab ein etwas schlechtes Gewissen, dass ich heute nicht bei der Demo mitgehe, aber ich habe wirklich kein Verlangen nach Menschenaufläufen und es werden voraussichtlich sehr viele heute unterwegs sein. Hoffentlich wird die Reparatur in Augsburg von der Versicherung übernommen. Sehr belastend, das alles auch wenn es nicht in den Ruin führt
Eine Unsitte seit Corona, dieses Tasche auf den Nebensitz stellen. Nach höflicher Bitte und einem patzigen „muss das sein“ frage ich ob für den Platz bezahlt wurde. Mein Magen meldet sich am Abend immer um die gleiche Zeit. Ob das bei zwei Mägen auch geht.,.? Hoffentlich geht das Wohnungsdesaster gut aus. Wer weiß wieviele „Geheimtreffen“ es noch gab und diese Demo sicher nicht die letzte gewesen sein wird.