2024-01-26-(Kafka)Literaturen – edle Schreibgeräte – Hospizliches – Reibungen + Fabian auf freiem Fuß

Letzten Sonntag nach Kafka in der Stuckvilla in einen der Menschenströme eingemündet – alles, was Beine hatte, unterwegs. Erhebend.

Montag erfolgreicher Besorgungsgang: bei Scheibner Minen für Schreibgeräte besorgt. Sollte ich mehr auf meine edlen Mont-Blanc- oder Waterman-Füller zurückgreifen und mein Schriftbild pflegen? Bei Neulinger „genetztes Brot“, bei Hugendubel Buch für Jakob geholt. Beim Schlüsseldienst endlich Ersatzschlüssel fürs Fahrrad machen lassen. Fotos ausgedruckt bei DM für Abschiedsalben zweier Hospizärzte – schwere Geburt. Stundenlang herumgebastelt und geschrieben.

Lektüre: Oliviers „blaue Angst“ und sein Buch. Insgesamt viel eigene Nabelschau, teils witzig mit eigener Bildsprache, teils etwas gewollt. Die eigene Lebensgeschichte zur Selbsttherapie. Legitim. Ich will allerdings langsam nichts mehr von all diesen ADHS-, PTBS- hin zu Missbrauchsdiagnosen und Depression hören. Armut und mangelnde Chancen die Begleitmusik, die tatsächlich vielleicht (innerhalb dieser sozialen Schicht) noch nicht ausreichend literarisch beleuchtet wurde. Da kam die Armutskonferenz am Mittwoch gerade gelegen. Fantastische Veranstaltung mit namhaften Expert*innen; feine Verköstigung; den Tag mit Margot verbracht und mit ihr gemeinsam Tränen vergossen, die uns der Auftritt von fünfzig singenden Kindern in die Augen trieb. Am Ende habe ich von der Künstlerlin, die dort zum Thema ausgestellt (und künstlerisch „protokolliert“) hat, eine Einladung zu einem Workshop („graphic novel“) bekommen! Leider ist es der Tag unserer Peergruppe, also abgesagt.

Erlebnis Zeitunglesen. Ungezählte Stunden. Artikel über südkoreanisches Bildungssystem – furchtbar, dazu spannend wie ein Krimi. Jetzt wieder die neue Zeit. – Auseinandersetzung mit Michael wirkt vom Vorabend, als ich nach meinem „Rosenkreis“ zurückkam, den ganzen Folgetag nach. Jetzt, wo ich täglich frohlocke, dass ich gerade so richtig glücklich bin. Inzwischen wieder im Lot.

Nachdem mich letzte Woche die Nachricht von Gregors Kündigung erreicht hat, folgte dieser eine Woche später die von Anna, meiner Nachfolgerin. Nach diesen vereinzelten Kontaktaufnahmen, allein aufgrund menschlicher Verbundenheit, wandte sich Anna selbst (am Tag nach ihrer Eröffnung innerhalb des Teams) direkt an mich vonwegen „neue Wege gehen“, trallala, Sonnenblumen und Zuversicht. Ende der Woche hat sich die Caritas-Kollegin gemeldet, die jetzt für die EhrenamtlerInnen zuständig ist: ob ich informiert bin; ob wir uns treffen könnten, auch um die im Dornröschenschlaf liegenden Inhalte bzgl Fortbildungen, Einkehren, Thementagen zu „retten“ und ihnen neues Leben einzuhauchen, indem wir sie sichten und prüfen, was sie davon verwerten könnte. Sie hat ein Gespür dafür, dass da ein Lebenswerk und „geistiges Eigentum“ drinsteckt, das sonst untergeht. Sie würdigt das auf ihre Weise durch Interesse. Auch Anna fragt, was mit diesen „tollen Dingen“ geschehen soll. Termin besprochen, bevor sie in die Reha und dann vermutlich in ausgiebige Resturlaube einmündet, bis eine neue Stelle winkt. Mit Gregor dessen Abwesenheiten geklärt, sodass meine Stippvisite unter der Garantie über die Bühne geht, dass wir uns nicht begegnen.

Der absolute Wahnsinn am Freitag Abend: Fabian ist frei. Seit wann? Seit drei Minuten. 26.1. ca. 17:00  Ein Wärter, mit dem er sich „gut versteht“, habe gesagt, er könne „abhauen“. Und dann war es kein Scherz. Wie? Jetzt. Es kommen euphorisch fröhliche Fotos. Sein dauerhaftes „gut Draufsein“ kann ich mir inzwischen (nach einer wissenschaftlichen Doku zum Thema) ansatzweise erklären.

Spaziergang im Januarlicht – so schön, aber immer etwas, wozu ich mich zwingen muss. – Politisches Samstagsgebet/Leopoldstraße mit Vortrag eines Palästinensers, von einer der Frauen des Morgengebets angeregt. Quälende Veranstaltung mit vielen „Co-Referenten“, aber einleuchtenden Standpunkten und Analysen des Palästinensers. Dürftige spirituelle Impulse, lasche Moderation; musikalische Einlagen, begleitet von einem Pianisten, der viel daneben griff und einer Flötistin, die z.T. andere Stücke zu spielen schien als ihr Begleiter. Das gemeinsame Singen in diese schweren Themen hinein hatte etwas peinlich Absurdes. – Morgen früh Alexandras Jahresauftakt-Event. 3/4 Graus wegen der zu Vielen, 1/4 Vorfreude.

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2 Antworten

  1. Renate sagt:

    Mit den Texten für die scheidenden Ärzte bin ich auch beschäftigt. Dienstag ist Abgabetermin. Die Zeit alle 14 Tage zu erhalten würde genügen. Ich fühle mich von deinem Satz … aufgrund menschlicher Verbundenheit, angesprochen. Darüber zu bloggen will ich nicht. Dass Fabian frei ist freut mich für ihn und dich. Die Art wie er es erfuhr ist ungewöhnlich.

  2. Ines sagt:

    Das sind zwei echte Bomben-Neuigkeiten. Fabian auf freiem Fuß. Sogleich schließt sich die Frage an, ob er freigesprochen ist oder kommt nich eine Gerichtsverhandlung? Dann Gregors Kündigung, welch Überraschung. Das Hospiz muss sich ganz neu aufstellen. Es wäre sehr schön, wenn deine Arbeit mit den Ehrenamtlichen weiter fortgesetzt werden könnte. Die Bedenken zur Veranstaltung von Alexandra waren unbegründet, oder. Schön, dich und Michael mal wieder zusammen zu erleben.

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