2024-02-04-Alexandras Jahresauftakt und anderes Soziales: Beatrix, Renate, Fabian und Conny – Kulturelles wie Benelisa, Sandra Hüller, Sunnyi Melles und Schreibtische

Als ich unterwegs war, erreichte mich eine Whatsapp von Michael: „Ich komme mit.“ „Zu Alexandra?“ Wir hatten nicht mehr davon gesprochen – seit Wochen. Er muss meinetwegen nicht mit. Aber ich finde es natürlich schön, wenn es nicht ausgeschlossen ist. So machten wir uns letzten Sonntag um 10:15 Richtung Werkstattkino auf. Eine zugestiegene Frau entschuldigte sich, sich ins Gespräch einzumischen; ob sie notieren dürfe, es sei so interessant? Ich hatte von meiner unterhaltsamen Lektüre erzählt: Schriftsteller werden ausgiebigst zu ihren Schreibtischen befragt. Kaum zu glauben, was dabei an Gewohnheiten, Zwängen,  Einstellungen, an Strenge, Akribie bis zu chaotischer Schlamperei zutage tritt! Noch auf halber Strecke würde ich behaupten, dass dies („Es kann nicht still genug sein!“) für den Moment eine meiner faszinierendsten Lektüren ist – die in Mairöckers PapierMessieParadies gipfelt. – Es folgte ein herrlicher Film für Alexandras Gesellschaft („silver linings“), sehenswert besonders, da die Hauptfigur aus der Psychiatrie (vgl. Gefängnis) entlassen wird wie zwei Tage vorher Fabian. Danach herrliches Weißwurstfrühstück im „Faun“ bei entsprechendem Geräuschpegel; wir Vertrauten gottlob an einem Tisch. Die Sensation: Michael blieb. Sprach. Wandte sich zu. Geht doch! Aber eben nicht immer. Um 15:30 brach unser Tisch auf – draußen Frühling.

Tags darauf (am Anfang der Woche), wie das bei mir so ist, arbeitet der Nachklang weiter in mir. Ausgiebiges Tischgespräch beim Frühstück. Auch die Causa GL wird aus gegebenem Anlass erneut bis zur Melasse durchgekaut – eine Zumutung für Michael. Seine Kommentare aber sind weise und (vorübergehend) hilfreich. Mit mir muss man sprechen, sonst gehe ich zugrunde.

Benelisas Ausstellung angesehen (meist großformatige, vorwiegend FrauenMotive, die ihr Spannungsfeld zwischen brasilianischer Heimat und deutschem Zuhause thematisieren) – ohne sie, ihre Familie (Emilian usw), Lesung und schöne Worte, die Vernissage hatte ich verpasst. Vor einem damit verbundenen Besorgungsgang machte ich mich an Kafka – Riesenartikel allein über seinen Biografen, der seit 44Jahren mit ihm „lebt“ . Ich bin begeistert über „die Zeit“; wenn sie mich nur nicht soviel Zeit kosten würde.

Mit Beatrix, meiner ehemaligen Exkollegin, nach sechs Jahren im Myshkin wieder angeknüpft. Es floss wie eh und je. Das Denken, die Art von Resonanz – ein Wiedererkennungsmerkmal unter Kolleginnen „meiner Spezies“. Am Mittwoch Renate im Tribeca getroffen, um den Elefanten aus dem Raum zu entlassen, der sich zwischen uns platzieren wollte – jetzt ist mir ein Mühlstein vom Herzen genommen und es gedeiht wieder wunderbar. Am Donnerstag Beitritt in der Stadtbücherei; gefragt, ob ich dort Quartier mit meiner (noch zu gründenden) Lesegruppe finde – (Anruf: Dienstag ist ungünstig, aber prinzipiell gern). Leider die Ausleihmöglichkeit der Stadtbücherei vergessen und abends nach der Lesung „Lillis Tochter“ Bücher gekauft – Martin Doerry, moderiert von Mirjam Zadoff vom NS-Dokumentationszentrum und Sunnyi Melles lasen im Wechsel. Die Lesung hat meine Erwartungen haushoch übertroffen; überirdisch, wie diese einzigartige Frau liest. Natürlich „liest“ sie nicht einfach – zunehmend geht sie in die Rollen der Briefschreiberinnen, deren Part sie übernahm. – Gerade wieder im Kulturrausch habe ich mich mit allerhand eingedeckt, auch von Renate ihre herrliche Kafkabroschüre bekommen. Um Ursula auszuweichen am Samstag Abend Sandra Hüller in der „Anatomie eines Falls“ im neuem Maxim angeschaut. Phänomenaler Film, sagenhafte Schauspielkunst. Heute Abend gehe ich alleine ins Marstall. Eventuell vorher nochmal ins Literaturhaus. Diese Gelüste kommen und gehen. Sie melden sich bei mir heftig und wellenweise, bis ich wieder gesättigt davon bin und pausiere.

Am Freitag hat uns Fabian mit Conny besucht. Wunschgemäß Semmelknödel. Das lebhafte Gespräch unter sorgfältiger Aussparung besonders neuralgischer Aspekte. Vorsicht, Glatteis! Fabian tourte für zwei Tage durch sein hiesiges Umfeld. Ansonsten schickt er von diversen Handys seiner Freunde FreudenFotos, bis er (s)ein(?) Handy (wieder-)hat, ein neues oder was weiß ich.

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3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Ich kann es noch gar nicht fassen, dass Fabian jetzt frei ist und euch sogar schon besucht hat. Freude pur scheint er zu verbreiten. Ob sich auch andere Gefühle dazwischen mischen? Und du hattest wahrlich eine ereignisreiche soziale und kulturelle Woche. Wie du selbst schreibst, kommt dann wieder eine Zeit, in der alles pausiert. Aber jetzt scheint es das angefüllte Leben zu sein, das du aus vollen Zügen genießt

  2. Renate sagt:

    Von allem reichlich. In der Stadtbücherei auszuleihen ist eine gute Sache. Den Flyer vom Literaturhaus habe ich, mir fehlt im Moment der kulturelle Schwung wie du ihn hast. Wie du schreibst es geht in Wellen.

  3. Beate sagt:

    Hier auf Teneriffa überfällt mich Kulturhunger- wie schön zu lesen, dass Du diesbezüglich aus dem Vollen schöpfst! Anatomie eines Falls habe ich zweimal gesehen, war auch überwältigt von Sandra Hüllers Schauspielkunst! Wie gut, dass Fabian bei Dir Semmelknödel essen kann! So schöne Fotos hast Du dazu geschickt!

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