Kinoabend, Buch und Kaufgelüste

Ich hatte es mir vor geraumer Zeit vorgenommen: Ich schau mir keine weiteren Filme mehr zur NS- Zeit an. Die vielen Jahre, die ich in der Gedenkstätte Dachau gearbeitet hatte, mir jeden Film zu Thema angeschaut habe , der im Kino erschien, auch die Arbeiten in Archiven, mit Zeitzeugen, bei Symposien etc….Nicht zuletzt deshalb, weil ich  jahrelang beruflich mit der Thematik befasst war, hatte ich mir auch nichts Neues, Bahnbrechendes von Kinofilmen erwartet, bis ich gestern in „The  Zone of Interest“ eines Besseren belehrt wurde. Im Spiegel war der Film hymnisch besprochen worden, in einem weiteren Artikel hatte ein Spiegel-Redakteur über seinen jahrelangen Kontakt zu einer Tochter von Höß geschrieben. Der Film ist in der Tat ein Gesamtkunstwerk, nicht zuletzt wegen „dem Klang der Vernichtung“ ( Titel des Beitrags).Er geht mir nach, ich habe heute deshalb auch das Gespräch am Telefon mit meinen Historiker- Freundinnen gesucht, die ihn alle schon gesehen haben.Was mich auch beschäftigt: Vor mir saß ein (vielleicht frisch verliebtes) Pärchen, das abwechselnd knutschte und Nüsse kaute. Untermalung auf der Leinwand: Die rauchenden Schlote, Schreie, Schüsse, zeitgleich Familie Höß im biederen Alltag, Kuchen essend, im wunderschönen Garten an der Mauer vom Konzentrationslager usw.

Ansonsten gibt es wenig zu erzählen, ich lese wie besessen in einem dicken Roman von Hillary Mantel über England im 16. Jahrhundert, der 770 Seiten füllt und unglaublich spannend geschrieben ist.

Neulich bin ich an einem Schuhgeschäft vorbeigelaufen, in dem herrliche rote Lackschuhe mit dickem Absatz ausgestellt waren. „die kauf ich mir, wenn ich wieder normal laufen kann!“dachte ich bei mir, um eine halbe Stunde später vom Verkäufer bei Samberger den wirklich einzig sinnvollen Rat zu bekommen, fortan keine Hackenschuhe mehr zu tragen. Damit war das Vorhaben beendet, ich humpelte in das Geschäft von Frau Lange und kaufte mir zum Trost zwei Röcke und zwei Blusen für die Sommermonate.

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3 Antworten

  1. Ines sagt:

    Im Kino bin ich sehr empfindlich bezogen auf die Menschen um mich herum. Das Pärchen hätte mich sehr gestört, insbesondere bei so einem Film. Hackenschuhe ist ein lustiger Ausdruck. Ich kann gar nicht in Schuhen mit hohen Absätzen laufen und bin froh um die Mode, die Sneakers und Boots zum Kleid erlaubt.

  2. Heike sagt:

    Dieser Film ist in aller Munde und ich hebe ihn mir noch auf – aus Sorge, ich könnte nicht genug auf den richtigen Tag, Rahmen, womöglich die „richtige Gesellschaft“ achten – damit es mir nicht geht wie dir mit dem Pärchen – welch schreckliche Verknüfung und Zumutung. – Schade die die roten Lackschuhe, nett, die Röcke!

  3. Renate sagt:

    Ich bin nahezu allergisch auf Menschen, die im Kino mit Tüten knistern, Nüsse kauen. Unverständlich, in diesem Film. Früher konnten die Absätze nicht hoch genug sein, inzwischen ist flach angesagt. Ein kleiner Trost für dich.

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