2024-04-07-Stimmungsschwankungen – Erich Kästner + Walter Trier – Brigitte + Stammtisch – Grafs „Weibsbilder“ und Ausflüge mit und ohne Kreislauf

„Freier“ Ostermontag – keinen Schritt vor die Tür gesetzt, in Depression versackt. Solche Abstürze gehören zum Programm.

Mir fiel ein Detail von Karsamstag ein: An der Tram nach dem Theater wehte mich dicht konzentriert der Duft von Cannabis aus einer Gruppe junger Leute an – zwei Tage vor dem neuen Gesetz.

Dienstag nach dem Frühstück Blutenburg: Erich Kästner bzw. sein Zeichner Walter Trier. Ich hatte die Atmosphäre von unserem Schreib-Besuch (Tomi Ungerer) vor Jahren nicht so drückend in Erinnerung, das Treppenhaus, die Gänge eng; dennoch ganz sehenswert. Die beiden Männer sollen nur künstlerisch zusammengepasst, persönlich auch nach Jahrzehnten nicht zueinander gefunden haben. Rückweg entlang der Würm mit letztem Stück durch Nymphenburger Park zur Tram. Pflastertreten wird gleich zur Tortur. Auf Schotter besser. Auf Wiese und Erde dagegen werde ich zur Gazelle. – Mittwoch vormittags mein Programm 2025 für Dasein endgültig entworfen und besprochen (hat alles immer bei mir langen Vorlauf), eingekauft und gekocht. Bei uns läuft gerade ein Tief – synchron. Also viel Herumhängen. „Ein paar Ostereier“ haben mich in die Sucht zurückgeworfen. Jetzt muss ich die Zügel anziehen – ständige Qual.

Am Donnerstag Tribeca mit Brigitte, der Exkollegin. Im Anschluss Stammtisch der Ex-en. Mit Brigitte kann es sonst dauern, bis es wieder klappt. Ausnahmsweise also zwei soziale Ereignisse hintereinander. Mit ihr das geschätze Einzelgespräch; am großen Tisch das nette, aber naturgemäß anstrengende Gespräch zwischen sieben Frauen und einem Mann (Birgitta, Katharina, Anneliese, Friedel, Ira, Renate H., Max, vorher „Dr. Hübner“, und ich). Mir fällt auf, dass die Pflegenden niemanden ausschließen, sie sind und bleiben ein Team, während ich eher selektiv vorgehen würde. Vorbehalte werden nicht ausgesprochen (wenn eine in epischer Breite mit ihrer Krankengeschichte der letzten Jahre loslegt oder eine andere zickt, hier sei alles oberflächlich, es fände „überhaupt keine Berührung“ statt). Solche Kolleginnen waren immer schon schwierig. Das wird humorvoll kommentarlos toleriert. Manche sind bedeutend älter als ich. Das merkt man. Marina, die Initiatorin, fehlte leider, ebenso Renate – besorgniserregend krank! Von so einer schlimmen Grippe habe ich noch nie gehört. – Am Freitag „in die Stadt“ zu Gudrun Sjöden zwecks Umtausch eines zu groß ausgefallenen Stücks. Kaum am Viktualienmarkt, auf den ich mich gefreut hatte, fühlte es sich an, als hingen zusätzliche Zentnergewichte an mir. Die Menschemmassen, das Pflaster – grauenhaft. – Abends ein besonderer Hochgenuss in der Stadtbibliothek Neuhausen: Eine Schauspielerin (mit dadaistisch anmutendem Jodel-Gesang und Viola) und ein Schauspieler (mit Tuba und Akkordeon) boten unter dem Titel „Weibsbilder“ einen literarisch-musikalischen Streifzug durch Texte von Oskar Maria Graf. – Samstags hat mir die Leiterin der Bibliothek bereits die gewünschte Liste der Stücke gemailt. Daheim vergeblich nach dem „Leben meiner Mutter“ gesucht – ist das im Bücherschrank gelandet? Wiederbestellt bei Booklooker; mit „Wir sind Gefangene“ noch nachts angefangen. Bestimmte Passagen lese ich (wie) neu nach Jahrzehnten. Heute interessieren mich andere Aspekte. Danach – aufgekratzt – bis um 2:00 ferngesehen und gelesen; morgens gerädert. – Trotz sommerlicher Witterung erst abends per Rad Richtung Amalienburgstraße, Spaziergang im Nymphi, zurück durchs Kapuzinerhölzl. Am See Schildkröte im Wasser. – Sonntag Vormittag lese-liegend mit Oskar Maria Graf, dann wieder per Rad zum See – wo, ohweh – unsere geliebten Tische und Bänke fehlen. Auf dem geplanten Schlenker zur Würm ist mir bei sengender Hitze, fehlender Flüssigkeit und ungewohnter Anstrengung der Kreislauf abgestürzt, alles hat sich gedreht, die Arme bleischwer, Flimmern vor Augen; liegen half nichts, Michael radelte vergeblich nach etwas zu trinken. Irgendwann konnte ich wieder aufsteigen bis zum nächsten Biergarten. Jetzt fix und fertig daheim.

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2 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Das Laufen auf dem Pflaster in der Stadt macht mir auch oft zu Schaffen. Lustig, wie leicht es sich dagegen auf einer Wiese läuft. Zum Glück kannst du trotz Tiefs und depressiven Einbrüchen die kulturellen Ereignisse und das Lesen genießen und für deine emotionale Verfassung nutzen. Deine Stadtbibliothek hat ja dolle Events im Programm.

  2. Beate sagt:

    ich hatte mir noch ein Foto von der Veranstaltung zu Oskar Maria Graf gemacht. Dann bin ich doch nicht hingegangen, sehr schade! Du schreibst öfter von Zusammenkünften in einem Café, da denke ich gerade, das mache ich nie, ich kenne nur das Ruffini, und auch da gehe ich höchst selten hin. Den Unterschied, auf dem Pflaster oder auf einem Wiesenstück zu laufen spüre ich im Moment auch sehr deutlich!

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