2024-05-04-LiteraTüren – Peergruppe – Frau Tepla – 4-3-2-1 zu Austers Ehren und depressiv angehaucht

Noch verfolgt mich die Friedhofsszene – insgesamt verunsichert, halte ich jetzt meine Tasche fester. – Günter letzten Samstag „auf einen Tee“ bis 21:00. – Sonntag kam Michael zurück – ausgiebige Gespräche. Immer seltener wollen wir auswärts essen – teuer, oft wenig schmackhaft, eher im Sommer mal im Freien. – Viel Kirschkernkissen jetzt für die „Flanke“. Onlinebuchung für Antrittsbesuch bei der Ärztin gescheitert. Neuer Termin: Juli. – Montagschor, liebliche Witterung. Im Park später meine Bücher aufgeschlagen, da kam Lily mit Baby Felix des Wegs. Nachher Taxisgarten. –  Dienstag strammes Programm, beinahe sengende Hitze. Chor – ich wollte mich nur verabschieden – alle so bemüht, dass ich mich habe breitschlagen lassen, noch punktuell vorbeizuschauen. Ab Sommer ist dann definitiv Schluss. Wieder gelitten – besonders unter meiner Takt klopfenden Nachbarin. – Nachmittags Buch 1 der theatralischen Sendung bei Martha zu Ende gelesen. Diesmal war es anders. Ich bin zufrieden, aber nicht euphorisiert. Muss ich dazusagen, dass meine Wahrnehmung, im Wilhelm Meister käme keine Natur vor, ein Spiegel meines eigenen Lebens ist? Dass auch in meinem Alltag Natur vorwiegend literarisch, in Kunst oder Film vorkommt und für mich Ausflüge eher die Ausnahme sind?  – Leider wollte ich danach noch das Jodeln am Isartor „mitnehmen“, kam nur noch für die letzte Viertelstunde, da es (anders als in meiner Erinnerung) nur eine halbe dauert: diesmal Katzengesang. Die Innenstadt abstoßend – Bayern-Madrid-Fieber – entstellte, aufgespritze junge Frauen mit Wimpern, viel Silikon, wie auf verzweifeltem Männerfang, mit eigenen Spiegelbildern telefonierend und auf Absätzen daherstolpernd, prollig und ordinär. – Mittwoch zur eigenen Vertiefung wieder meine Leseerfahrung dokumentiert – Goethes autobiografische Schriften bereitgelegt. – Saharastaub. – Peergruppe auf Ines großzügiger Dachterrasse bei sommerlich bunten, frischen Salaten und intimen Gesprächen. Auch nach uns greift das Phänomen der Zeitknappheit wie bei Momo – mühsam, den nächsten Termin zu finden. – Für ein Telefonat mit der Hypo Tavor gebraucht; trotzdem am Ende in die Leitung gekeift, die Frau solle sich schämen, in so einem Scheißladen zu arbeiten. – Frau Tepla, eine Ex-Gästin, von der ich manchmal erzähle, (geb.Tschechin, jetzt Niederländerin, Übersetzerin aus dem Englischen, IT-lerin, ich-weiß-nicht-wieviele Sprachen, darunter ein reizendes Deutsch), in einem netten 1-Mann-Café mit fantastischem Apfelkuchen nahe Romanplatz getroffen. Michael, der sie und ihre unverrückbaren Gewohnheiten fünfzehn Jahre lang kennt, hält sie für eine Autistin. Sie kam 25 Jahre lang mit ihrem selbsterdachten Begleiter (Fußballpferdchen „Herr Stekje“) in die Pension Lutz und muss sich jetzt – schwierig! – umgewöhnen. Eine geistreiche, sperrige, skurrile, auch unbeholfene Frau, die uns manchmal einzigartig gehaltvoll schreibt. – „Science Slam“ beim Botanischen Garten ausfallen lassen – Michaels Orbit – keine Lust. – Überhaupt habe ich einen schweren Durchhänger. Solang es nur einige Tage am Stück sind muss ich dem wohl nicht schon einen Namen geben. Mit Mühe zu kleinem Spaziergang durchgerungen, danach für die morgige Schreibgruppe gebacken – immerhin.

Über Austers Tod erschüttert, wenngleich die Welt vorbereitet war, auch durch den letzten Roman „Baumgartner“. Der „meine“ ist Auster durch „4-3-2-1“, woraus Beate nach Simons Tod für mich zitiert hat – ein Geschenk von ihr. Es hat mich als Tagebuch, in das ich geschrieben und gezeichnet habe – was ich tue, wie ich fühle, wo ich bin, wen ich gesehen habe, wer was gesagt hat, was mit mir vorging bis hin zu Nervenzusammenbüchen – durch den schrecklichsten aller Sommer begleitet: ein literarisches Schwergewicht von 1259 Seiten; kein „Trosttbüchlein“. Es ist mir heilig. Zu Ehren von Auster fange ich nochmal damit an und sieheda – Archie Fergusson wird gerade geboren: Es ist der 3. März, Simons Tag. – Prompt folgt ein Traum: Veranstaltung zu Austers Tod im Hospiz mit absurden Details.

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3 Antworten

  1. Ines sagt:

    Vieles davon habe ich schon bei den beiden Gruppen gehört. Wenn ich den Anfang des Beitrages lese, höre ich eher die vielen Unternehmungen heraus und bin dann im zweiten Teil verwundert über den depressiven Durchhänger, den du beschreibst, das hätte ich nach den ganzen Aktivitäten nicht vermutet. Ich hoffe, du findest bald eine Ärztin, die dich ernst nimmt und dir weiter helfen kann. Auch wenn du Ärzten kritisch gegenüber stehst, brauchst du mindestens eine Hausärztin für manche Diagnostiken und Rezepte und Überweisungen, das weißt du ja selber. Die Menschen in der Stadt finde ich auch oft abschreckend proletenhaft (darf man das noch so sagen?) und das in dem reichen München. Wie muss es da erst in Nürnberg oder im Ruhrgebiet aussehen. Zu dem Auster-Buch 1-2-3-4 konnte ich mich wegen der Länge noch nicht durchringen. Da ich immer nur wenige Seiten pro Tag schaffe, wäre das ein Jahresprojekt.

    • Heike sagt:

      Proletenhaft darf man sicher nicht mehr sagen, aber ich sag`s trotzdem! sowas wie 4-3-2-1 geht nur, wenn Lesen Vorrang hat, sonst kann der Lesefluss mit dem Schreibfluss nicht mithalten, denke ich. Obwohl Auster laut eigener Aussage täglich nicht mehr als eine Seite produziert haben soll. – Übrigens wundere ich mich selber, wie bunt gemischt meine Woche klingt und wie es sich die meiste Zeit im Kontrast dazu anfühlt.

  2. Renate sagt:

    Die jungen Frauen, die so prollig daherkommen, fallen auch mir immer häufiger auf. Schon alleine diese abartig, langen, künstlichen Fingernägel. Früher brauchten wir einen Hausarzt wegen der Atteste, heute sind es die Zipperlein, die das Älterwerden so mit sich bringt. Von Auster habe ich noch nichts gelesen.

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