2024-05-16- Diverse Frusts: Muttertag,Taizé, Ärztin – Pfingsten – eine Erschütterung namens Teresa
Meine Mutter hat mir ihre Abneigung gegen Muttertag vererbt, Missachtung verordneter Hymnen mit Gutscheinen für selten eingelöste Liebesdienste. Jetzt bekomme ich sowas nicht mehr. Das passt mir auch nicht. Bis abends bin ich so frustriert, dass ich gar keine Lust mehr auf Anrufe habe. Das vorerst letzte Herztortie gekauft, Marzipan, Creme und Schokolade, mit Michael und Thomas „auf alle Mütter“ verspeist. Vier heitere Tage. Schön, Michael so zu erleben. Manch mürrischer Mensch wird bei Michael freundlich, z.B. der Briefträger, der mich allein nichtmal grüßt.
4-3-2-1, intensive Betrachtungen einer individuellen Entwicklung (je nach Schicksals- und Zufallseinflüssen) entlang der Geschichte Amerikas (im Zeitraum Austers eigener Jugendjahre). Ein Freund kommt der ewigen Sehnsucht nach einem Bruder nahe, den Archie sich immer gewünscht hätte – und stirbt an einem Aneurysma in seinem Beisein. Viel auch das Mutterthema; einmal die anbetungswürdige, schöne Rose, die Photografin, dann Rose, die Ehefrau des Königs des Konsums, hier warmherzig, bedingungslos liebend, da oberflächlich, seicht. Alles wirkt nach, sowohl der tagelange Besuch als auch der Roman. – Taizéabend schwach besucht, mehr Meditation als Gesang (ohne Instrumentalbegleitung dürftig).
Unterwegs Sarah getroffen, ein „ehemaliges Kind“ aus dem Haus. Ihr Lebensgefährte und ihre Schwester sind Ende 2023 gestorben. Diese war zwanzig Jahre drogensüchtig, anorektisch und sichtlich psychisch krank. Der Vater hatte Peter 1995, wenige Monate vor seinem Tod, krankenhausreif attackiert und sitzt seither, nachdem er wiederholt das Fleischerbeil in paranoider Rasererei schwang, in der Geschlossenen. Teresa als Älteste, einst eine märchenhafte Schönheit, scheint die familiäre Hauptlast getragen zu haben, bis sie daran zerbrach und ihrem Leben ein Ende setzte. Inzwischen war ich an ihrem Grab, habe der Mutter geschrieben, ein Rosensträußchen vor die Tür gestellt. Sie hat geklingelt. Wir haben – von Mutter zu Mutter – in meiner Küche gesprochen und geweint. Sie sagte immer wieder: „Sie verstehen das“. Bei ihr waren es drei Töchter.
Ich arbeite mich in Darm und Leber ein; was letztere leistet und braucht; sie soll regenerationsfähig sein. Vorerst bin ich motiviert. Meine Durchhänger könnten mit ihr (und krassem Vitamin D-Mangel) zusammenhängen, Erschöpfung (mit schweren Armen und Beinen?). Morgens Magerjoghurt pur, Kaffee ohne Zucker, mittags Schnitzel besser ohne Panade (das hätte auch vorher nicht geschadet!), Leinöl statt Butter, abends Salat ohne Brot. Freudlos. Nachdem es (außer Cholesterinsenkern und Vitamin D hochdosiert) keine Medikamente gibt versuche ich mein Mögliches. Salatschüsseln grün, rot, frisch, kalt und nichts dazu – extrem gegen meine Natur. Wieder Blutabnahme, wieder Ultraschall. Entzündungswerte. Diesmal habe ich die Schattenseite kennengelernt – egal wie gewappnet ich war – bin ich augenblicklich verstummt. Zu Hause geweint wie ein Kind, so verletzt. Suche nach MRT-Termin. November? Nein danke. September? Weiter bisher nicht gekommen. Aber Knochendichte: Juni.
In der Stadtbibliothek Weidermanns Nachruf auf Auster („Meister der Zärtlichkeit“) gelesen. Und: Bin ich eine gute Mutter? – Das Grab war vernachlässigt. Entweder schön bunt und die Schnecken fressen alles auf, oder 0-8-15-Bepflanzung mit Begonien und Co. Per Stattauto beim Gärtner kunterbunt eingedeckt. Ich bin wieder beruhigt. – Eröffnung im Lenbachhaus von Pamuks „Trost der Dinge“ – unwohl und müde – sausenlassen. – Schreibgruppen zwischen Muttertag und Heiligem Geist – Aetas und Psycho-Praxis, für letztere wieder Programm, Handout und Packen. Thema Mutterqualitäten, insbesondere in Hinblick auf Erhöhung, „Vergöttlichung“ der Mutter im Spiegel unserer Realitäten. Großes, tiefes, intensives Thema, für das ein Samstag niemals reicht. Das Schreiben hat mir vorübergehend wieder Leben eingehaucht. – Meine Hauptbeschäftigung ist 4-3-2-1, Essen bzw NICHT-Essen: Ich lausche in mich hinein. Äußerlich fehlen unbeschwerte kulinarische Genüsse, unsere Königsdisziplin – furchtbar kompliziert alles. – Michael ist endlos in Kalligrafieübungen vertieft sowie in ein „Selbststudium“ Klavier. Das mag ich. Immer busy, (meist) wir beide – und regelmäßige Schläfchen, momentan bei mir gerade etwas mehr. Der Heilige Geist kann kommen. Ich werde ihn in Christkönig erwarten.
So gegen die Natur zu essen, kann man wohl nur eine Zeitlang durchhalten. Warum das Gemüse kalt essen? Es gibt doch feine Gemüsegerichte, gekocht oder im Ofen! Was oder wer hat dich so zum Weinen gebracht? Das zu lesen tut mir auch weh. Die Familie aus deinem Haus macht sprachlos, so tragisch und traurig. Euer Besuch bereichernd und Michael, der Gutmütige, bei dem die Mürrischen weich werden. Das kann ich mir vorstellen.
Gute Idee! Selbst für dich sorgen, statt auf Muttertagsgrüße zu warten. Das Schicksal dieser Familie ist ja furchtbar. Meinst du die Schattenseiten der Ärztin? War sie so bestimmt, dass du gleich still warst. Dein Speiseplan ist sehr übersichtlich. Das mit den Terminen ist nicht zu fassen. Wir hatten am Freitag bei Inge auch dieses Thema. Hautarzttermin im Oktober. Geht’s noch!
Schwere Tage. Ich kann mir kaum vorstellen, wieviel Disziplin du aufbringen musst, um all das, was Du isst, nicht so verfeinern darfst, dass es auch wirklich schmeckt. Ich bin beim Lesen deiner Zeilen richtig schwer geworden. Und dann och das unfassbar schlimme Schicksal in deiner Nachbarschaft. Pfingstfest- ein Trost