2024-08-18- Auf der Suche nach Weiblichem: Virginia? – Ärztin – SchwimmBekanntschaften – ausgeknockt
Dienstag Abend. Die WetterApp zeigt Sonnenschein, 0% Regenrisiko. Draußen stürmt und regnet es. Bei der Ärztin Medikamente mit Gegebenheiten abgeglichen – offenbar nichts verzichtbar – Corodin für Kreislauf im Bedarfsfall dazu. Ihre Idee: Hitze in Kombi mit nicht „optimalem Trainingszustand“? Eine größere Diagnostik will ich nicht wieder. Irgendwas kribbelt oder schläft immer. – Nach „books & breakfast“ arbeitet mein Inneres englisch. Das beflügelt. Ich bin schon für nächstes Mal angemeldet. Statt „irgendwas“ mitzunehmen („just grab a book“) halte ich nach Frauenlektüre Ausschau und stelle fest, wie unterrepräsentiert sie in meinen Beständen ist. Bei Lyrik und Zeitgenössischem sind Frauen stark vertreten – neuerdings bekommen sie ja Zutritt zu den vorderen Reihen. Bei mir füllen sie allenfalls 2-3 von vielen Metern: So greife ich lieber hundert Jahre zurück auf Orlando, um nicht aufzutischen, was ohnehin alle lesen. Überraschend pikante, schillernde, witzige, skurrile, facettenreiche Sprache – die kann ich allerdings kaum englisch vermitteln. Oder doch? Witzig ist ja immer schwieriger als tragisch. Virginia Woolf – vielleicht die Biografie, die Michael mitgebracht hat? Das hat mich anfangs gewundert, wieviele Biografien bedeutender Frauen er hatte: er kannte sie auch. Inzwischen habe ich ihm das Lesen „weggenommen“. Er behauptet, ich hätte gesagt: In einer Beziehung könne nur einer lesen. Das erinnert an Anne Sophie Mutter, die sagte: Ihr Mann konnte alles. Gott sei Dank nicht Geige. Sonst hätte sie aufhören müssen. Um Missverständnisse auszuschließen: Ich vergleiche mich nicht mit ihr – es geht nur um lebensbestimmendes Lesen als Absolutes.
Bei Hitze hänge ich herum. Frühschwimm ist nicht mit Morgenterminen vereinbar. Also fällt er manchmal flach. Stattdessen einmal im Hexengarten unter Sonnendach und Bäumen Hexengröstl gespeist. Ich konnte es zutiefst genießen. Danach wollte ich Kuchen im Dante holen. Blechkuchen, klein abgeschnitten – 4,20€, zu unverschämt. Abgedankt! So freue ich mich besonders über Renates Zwetschgen, die sie – in stabilen Papiertüten portioniert, zu unserem EhemaligenTreff mitgebracht hat! Das fand großen Anklang, sowohl die Zwetschgen als auch das Beisammensein im Taxisgarten. Jetzt gibt es Datschi – auf dreimal verteilt. Herrlich!
Aufgrund einer unfähigen Augsburger Hausverwaltung, die auch beim drittenmal nicht kapiert, was ich will und was anderes schickt, als ich brauche – nämlich eine Abrechnung, haben wir uns selber erfolgreich reingekniet. – Die Korrespondenz mit meiner Studienkollegin gestaltet sich – ohne leibhaftiges Treffen, das sie sich von Mal zu Mal nicht zutraut – intensiv und dicht. Gerade sind wir bei der Kindheit. – Beim Schwimmen suchen Michi und ich „unseren“ Platz, möglichst ungestört. Wann immer wir aber die Bank teilen, ergeben sich nette Gespräche. Ein altes Ehepaar. Während der Mann mir von seiner Kindheit in den Isarauen der Trümmerstadt erzählt, all den Funden, die sie zu Geld machen konnten, den Wasserlöchern durch Bombeneinschläge, in denen sie badeten und manchen Fisch fingen, der Mutter, die mittags mit dem Kochlöffel winkte, um sie pünktlich zum Schichtunterricht in die Schule zu lotsen (kein Platz für alle Kinder auf einmal), erzählte die Frau Michael, während ich zeitgleich mit dem Mann schwamm, vom Tod ihrer Tochter, Ärztin im Dritten Orden. Gemeinsam am Schluss vereint, ging es um Yoga und die außerordentliche Wichtigkeit, das Gleichgewicht auf einem Bein halten zu können, beonders im Alter – wir gelobten, es ab sofort wieder mit einigen Asanas aufzunehmen. Erneutes Treffen auf dem Hügelkamm führt in tiefe Gefielde unserer Leben – für die Dauer von weniger als einer flüchtigen Stunde. Natürlich gibt es auch Büffel, die sich einfach grußlos dazupflanzen, als seien sie allein. Der Weg anstrengend – aber diese Morgenluft in Wald und Feld, das glitzernde Bächlein, mannshoch Mais und Sonnenblumen, zart die weißen Zaunwinden, Malven veilchenblau, leuchtend gelber Sonnenhut und all die Hundemütter und -väter!
Seit Freitag geht’s bergab und wird immer doller. Sowas von erkältet, aber kein Corona. Alles fließt und tut weh.
ich stelle mich gleich auf ein Bein und versuche die Balance zu halten! Geht es also nicht nur mir so, dass das immer schwerer möglich ist! Dass Du in der Gruppe „books and breakfast“ gelandet bist, finde ich richtig toll und mutig! Über die Gespräche mit den anderen Badegästen habe ich erstaunt und gerne gelesen- ich komme nie mit fremden Menschen am See in einen so netten Austausch!
Die morgendlichen Schwimmausflüge beschreibst du so idyllisch. So schade, dass dich jetzt die Erkältung nieder gestreckt hat. Dass in einer Beziehung einer mit etwas aufhört, wenn der andere es besonders intensiv auslebt, kann ich gut nachvollziehen. Seit ich mit Hubert zusammen bin, hab ich einiges aufgehört, weil er es besser kann, z. B. Reis kochen oder mich bei Wanderungen zu orientieren. Trotzdem sollte Michael sich das Lesen nicht nehmen lassen.
Auf einem Bein stehen geht gerade noch. Ein Gespräch mit Leuten, die nur kurz im Leben auftauchen, so wie das Ehepaar am See, schätze ich sehr. Ich bin sehr schnell im Austausch mit Wildfremden. Das du in diese englische Gruppe gehst finde ich respektable.