2024-09-07-Krachlerderner Poet – von Migräne beherrscht – Monologe am See – 1/3 Mehrheiten und Terror in München

Seit letztem Sonntag geht`s bergauf. Beim Aufpumpen des Fahrrads Ventil raus – also zum Paradies. Tram- und S-Bahn, Fußweg; etwas zu spät, ergo heiß. Auf dem Rückweg Starnberger Museum, da in mir kürzlich schonmal das Oskar-Maria-Graf Fieber entfacht war. Herzstück: die Krachlederne. Graf schreibt zuweilen regelrecht poetisch, z.B. die „Ode an New York“ oder „mein Zimmer“. Viele Fotos und Zeitungsartikel. In Originalausgaben seiner Bücher darf auch geschmökert werden. Unschön im Café: eine junge Familie mit einem schwachen Vater und einer dieser Mütter, die keine Kinder bekommen sollte und ihren größeren Jungen, etwa 3 1/2, offenkundig nicht leiden konnte. Ihr Blick auf ihn schiere Ablehnung, jede Geste eine Drohung. Sein einziger Fehler war, dass es ihn gab. Wenn er nur geredet hat war es schon zuviel. Diese Szene hängt mir immer noch nach – wie sie in den Buggy warf, rabiat anschnallte und mit ihm davonstob – in meiner Fantasie, um ihn unbeobachtet misshandeln zu können. Was tut man – im Beisein eines sichtlich bemühten, aber machtlosen Vaters?! – Im Anschluss Beate zum nachgeholten Kaffeeklatsch – vertraute Stunden. – Montag Schwimmen zeitlich zu knapp, da ich mit Susanne im Literaturhaus verabredet war und vorher viele Zwetschgen einkochen wollte, die Martha am Vorabend „geliefert“ hatte. Ich bin ganz in meinem Element, wenn das duftet und blubbert. Vorher Kaffee, hinterher speisen, dazwischen Ausstellung in angenehmem Gleichklang. Einiges hat Susanne gesehen, was mir nicht aufgefallen wäre; unsere Reaktionen auf die Stimme von Ingeborg Bachmann identisch. Hinterher habe ich mich gefühlt wie nach einem Urlaubstag – aber eigentlich habe ich ja immer Urlaub! – Für Fabians Geburtstag Post aufgegeben. – Seit ich am Friedhof beklaut wurde lasse ich mein Zeug nicht mehr sorglos stehen und gehe ungern allein Schwimmen – mit Michael ging es zwischendurch nicht. Meine Aussicht auf sturmfrei hat sich zerschlagen. Absage der Reise. Die „Zahnmigräne“ (?), die durch Gesicht und Kopf wandert, macht ihn fertig. Wenn jemand schonmal mit Zähnen/Kiefer ein unlösbares Theater hatte bleibt Angst vor der Zahnarztkunst – insofern ein Riesenschritt, endlich einem Termin zuzustimmen, allerdings erst nächsten Montag, weil der Arzt im Urlaub ist. Allerdings sind diese Zustände Besorgnis erregend und schwer anzusehen. Inzwischen Ariane, die EXPERTIN, zu Rate gezogen! – Umdisponieren. Schreibgruppe nicht mein einziges Vorhaben. (Wie ist das Leben jetzt anders!). Zwischendurch geht es wieder – dann See mit Bankbekanntschaften incl. „Neuzugang“, einer netten Frau, mit der ich den See überquert habe. Sie schläft bei Hitze auf dem Balkon – tolle Idee. Inzwischen wird es anstrengend. Schon von Weitem sehe ich Michael auf der Bank und das auf ihn gerichtete Gespräch – Ruhemomente werden rar. Der ohne Zweifel schillernde Mann hat es besonders auf ihn abgesehen. So spannend die Inhalte – man könnte die Begegnungen auch überschreiben mit „das Leben der anderen“. Otto-Falckenberg-Schule (mit Scheitern – erinnert an mein Klavier!), später Lehramt (Gründung von Schülertheatern), 400 Gipfel, Kanufahrten, Jobs in der Großmarkthalle; Rezitationen: Büchner, Brecht, Heine, Schiller – die Einladung zum Apfelstrudel überhören wir – wer weiß, ob das je ein Ende nähme? Man wird zum Stichwortgeber für Monologe, die eher auf die Bühne gehören als ins Gespräch.  – Am heutigen Sonntag möglicherweise letzter Badeausflug? Inzwischen in der Hoffnung auf „keine Gesellschaft“. Später Schreiben bei Renate. – Gestern Putztag, sehr effektiv, mit Fenstern.

Zu Sachsen und Thüringen kann man nicht sagen, „so meinen sie das nicht“. Wenn Höcke, dieser Satan, millionenfache Abschiebungen ankündigt; Klimakrise eine Lüge und „Produktion eigener Arbeitskräfte“ durch Steigerung der Geburtenrate die Lösung ist – wird gejubelt. Schockierend: der Ruf nach einem „richtigen Chef“ und der Glauben, dass dadurch „unsere Probleme endlich gelöst werden“, nachdem ja „die da oben NICHTS tun“. Eine Schande. Ein Unglück. Unfassbar. – Terror in München: Söder mit breiter Brust: Wir Bayern haben’s im Griff. Wusste der erschossene 18-Jährige überhaupt so genau, wen er warum erschießen wollte?

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2 Antworten

  1. Ines sagt:

    Diese Art Migräne, die Michael durchmacht hört sich furchtbar an, der Arme. Hoffentlich kann ein Zahnarzt helfen. Wenn man Schmerzen hat, kann man kaum noch etwas anderes denken geschweige denn genießen, finde ich. Solche Menschen, die schillernden und narzisstischen, von denen man für ihre Selbstdarstellung benutzt wird, kenne ich auch einige. Auch wenn sie oft tolle Biographien haben und intelligent sind, ist es auf Dauer schwer auszuhalten, weil sie sich nicht für das Gegenüber interessieren.

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