2024-09-14- Sommer adé – Reden seliger als Hören oder umgekehrt? – unverhofft gynäkologisch

Über Nacht Winter? Dieser Temperatursturz! – Michael beim Zahnarzt – ein Zahn, keiner, oder alle? Die Prozedur beginnt. – Aus „Die Elenden von Lodz“ (Tagebuchauszug): „Der Mann (Vorsitzender des Judenrats) ist unfassbar dumm, dünkelhaft; ein Wichtigtuer. Immer wieder betont er seine eigene Vortrefflichkeit. Hört nie zu, was andere sagen.“  Sprechen. Ohne Zuhören eine fragwürdige Gabe. Gehört werden UND Hören. Auch wenn wir glauben, Ähnliches zu kennen: Meist ist es vollkommen anders und relativiert Gehörtes. – Mein Buch über das Ghetto ist eindrucksvoll, erschütternd und klärt mich über Dinge auf, die ich noch nie gehört habe. „Wahr-Nehmungen“ aus verschiedenen Quellen nebeneinander.

Vergangenen Sonntag letzter morgendlicher Schwimmausflug – mit nettem Neuhausener Ehepaar (Thema Radreisen) und Dana, der schönen Tschechin. Die kam vom Transistorradio („Trost der Dinge“!) auf ihren verstorbenen Freund, aufs Fernrohr, aufs Pilzesammeln. Es sei schon sieben Jahre her mit dem Leberkrebs, aber sie vermisse ihn täglich. Ich sagte: Das glaube ich!  Wie froh sei sie und wirklich, ich könne das verstehen?! Anderen müsse man es mit dem Holzhammer einhämmern. Ich sagte, das wird nicht helfen. Ich habe widerstanden, meine eigene Erfahrung mitzuteilen. Sie sagte danke, danke, dass Sie das verstehen! Am Ende winkte sie lange, die halbnackte Diva, ausladend – Abschied für diese Saison. Das Wichtigste war vermutlich, dass ich das Meine NICHT hinzugefügt habe. Wann immer ich sage, ich kenne das: Es ist nicht das, was Menschen wollen. Sie wollen nicht hören, sondern von sich selber erzählen. – Leider habe ich mich in Kletten verheddert, die mich piesacken und Ausschlag verursachen. Die Wenigsten erwische ich mit der Pinzette. – Nachmittags Schreiben bei Renate. Zwetschgen/Amarettini-StreuselKuchen – alles wunderbar (sogar Carepaket – hmhmh!). Leider bekommt mir Zeitdruck dabei nicht gut, bei näherem Hinsehen vertrage ich ihn auch sonst nicht mehr, bei noch näherem Hinsehen vertrage ich überhaupt keinen Druck mehr. Wir werden das demnächst möglichst vermeiden. – Birgitta wollte mich zum Ferienende besuchen. Da ich nicht allein bin, bin ich mit Kuchen zu ihr geradelt. – Dienstag Lilytreff. Herr Diemer. – Hauswurz über Nebenan.de! Beim Gärtner Grabpflege veranlasst! Bei Strobel erst 2025 wieder, nur so oder so, immer will erst der Gärtner nachschauen – dabei glaubte ich, diesmal pünktlich zu sein mit Termin und Mitreden – letztendlich machen sie, was sie wollen. Jetzt Wagner beauftragt. Hauptsache viel, viel Moos! Vielleicht klappt’s?

Weltuntergangsstimmung am Himmel. – Unterdessen verdichtet sich der amerikanische Wahlkampf auf die Frage, ob Einwanderer Haustiere essen oder nicht. Taylor Swifts Katze bekommt eine humorvolle Note. Bei den Frauenrechten widerstrebt mir der (gängige) Slogan: „Mein Körper gehört mir“. Was wäre dazu (m)eine Alternative?

Mittwoch auf Geheiß meiner Ärztin zur Gynäkologin (nach sechs Jahren) zur Abklärung der Blase (HormonGel). Obwohl ich Vorsorge ablehne anstandshalber zugestimmt. Es war ihr selber peinlich, weil ich es ausdrücklich nicht wollte: abnorme Verdickung der Schleimhaut, OvZyste, Vorstufe von…bald…wenn nicht…dann… Gebärmutter (schleimhaut) krebs sei eigentlich die am wenigsten schlimme Krebsart; genau das, was ich nicht will, allein die Entscheidungen. Schon habe ich die Einweisung in der Hand. Donnerstag Taxisklinik – „präoperative Sprechstunde“ – unverhofft Onkologie. Im Wartezimmer tragische Stimmung. Nur männliche Ärzte. Ergebnis: Ausschabung ja; Eierstöcke (entscheide ich) erstmal nicht, beobachten (genau das wollte ich nicht!). Freitag Anästhesistin – nicht die Seelenvollste ihrer Zunft – g’schnappig, jung, Heliumstimme im Zeitraffer. Bei jeder Frage: Ich bin nicht Ihre Hausärztin oder: Da müssen Sie Ihre Gynäkologin fragen, am Ende: haben Sie noch Fragen? Nein, danke. – Viermal wurde mein Aufkleber falsch ausgedruckt: Verwechslung mit türkischer Patientin; dann Doppelname, dann falsche Postleitzahl, nach Korrektur wieder. Innerhalb von 20 Std. 3x 1/2 Std handisch und per Tablet FrageBögen ausgefüllt mit Medikamenten, Allergien, Krankheiten, Vorgeschichten (plus 1x bei Gynäkologin). Dienstag OP, ohne Übernachtung. Ich googele, was ich wissen will. Warten. Etwas kopflos.

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3 Antworten

  1. Ines sagt:

    Oh, diese gynäkologische Geschichte ist wirklich überraschend. Nun begibst du dich einmal mehr in die Hände der medizinischen Standard Vorgehensweise. Was hast du für eine Wahl? Bring es hinter dich. Hoffentlich hat es kein Nachspiel. Ich glaube auch, dass man nicht jedesmal seine eigene Erfahrung berichten muss/sollte, wenn ein anderer Mensch etwas Vergleichbares erzählt. Allein, dass sich die Tschechin von dir so gut verstanden gefühlt hat, ist wertvoll.

  2. Renate sagt:

    Das die Menschen nur erzählen wollen und die Geschichte von einem selbst nicht hören wollen ist mir in anderen Zusammenhängen bekannt. Wie du schreibst ist es das Beste einfach nur zuzuhören. Die Anästhesistin unmöglich, die Etikettensache kaum zu glauben.

  3. Beate sagt:

    über Dein Buch würde ich gerne mit Dir reden! Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, dem Gegenüber nur zuzuhören. Auch wenn man selber ein vergleichbares Schicksal hatte, es ist ja nicht übertragbar. und nur selten Trost
    Deine Erfahrungen mit dem Durcheinander der Etiketten in der Taxisklinik sind haarsträubend. Hoffentlich bist du im Weiteren dort besser aufgehoben

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