2024-10-08-Himmelblau-reine Luft! – wieder kein Lodz – auf ins Tessin – armer Michi und Ergreifendes
Wo fange ich überhaupt an? Es ist, als wäre ich tausend Jahre „raus“ gewesen!
Kaum ist DAS Problem bereinigt – oh, Gott sei Dank! – was für ein Untergang drohte da, schweres Leid, Verdruss, Verlust, schreckliche Einschnitte – und mit dem Himmel, der wieder aufgeht ein neuer Blick, neues Aufatmen, um Zentnerlasten befreit, es gibt doch Lösungen, sobald wir Menschen sprechen, und so blau der Himmel, so frohgemut die Stinkwanzen und Marienkäfer, wie sie aus allen Ritzen kriechen und uns schon wieder belagern.
Meine gestrige Opernkarte („Die tote Stadt“) hatte ich an meine Nachbarin Bettina verschenkt, weil ich glaubte, in Lodz zu sein. Das aber wurde nichts, weil uns letztendlich bewusst wurde, wie sehr sich Annas Familie um unseren Besuch bemüht und was wir ihr letztlich zumuten – dieses zweifach gebrochene Bein und dann uns begrüßen! Michaels Freund sieht die Vergeblichkeit unserer Versuche, Lodz zu erreichen, zur kafkaesken Parabel werden. Wir kommen vielleicht eines Tages hin, aber dann nicht durch die Tür… Anna war schon voraus gefahren, obwohl wir wegen ihr den Umweg über Berlin gemacht hatten! Der Kurzbesuch bei Bine endete mit kurzem Gebrüll, noch bevor sie ihren Mantel ausgezogen hatte (was zugegeben über eine Viertelstunde dauerte, nachdem ich erst vor verschlossener Tür gestanden hatte). Jakob hat sich nicht übermäßig viel Zeit genommen, wir glaubten ja bis zum vorletzten Moment, dass die viele gemeinsame Zeit noch käme. Allerdings zwei nette Abende, einmal mit Bar, und ein Frühstück. Jetzt steht Tessin an und auch hier – apropos Stornogebühr (Venedig) – zahlen wir wieder für ein Auto, das wir nicht nutzen werden. Nachdem Michaels Migräne sich nach den schrecklichen Zahnbehandlungen verzogen hat weiß er und ich mit ihm jetzt nicht ein und aus wegen Hüftschmerzen. Hätte ich seine Sturheit und vermutlich Angst und Abwehr einbezogen, hätte ich ihn schon früher rigoser bearbeitet. Aber bis er sich endlich einmal in die Notfallambulanz bewegen ließ sind Tage mit tausenderlei Schmerzmitteln ins Land gegangen, sein Orthopäde wie immer in „work-life-balance“, der Hausarzt verschrieb nutzlose Schmerzcoctails…so ging es dahin. Leidet wie ein Tier, zieht sich ähnlich zurück, kaum mit anzusehen. Irgendein Impingement laut Röntgen im RotkreuzKH, ich trau dem Braten nicht…. und auch das Schmerzmittel jetzt, das alles andere ersetzen soll, hilft nicht. Wohin bloß, wenn man keinen Orthopäden hat, dem man vertraut? Der gute alte Dr. Dingler praktiziert nicht mehr. Jetzt will ich nicht allein mit diesen LeihAutos fahren, die dann wieder das Schloss nicht entsperren oder wo ein Chip darüber entscheidet, ob das Auto kapiert, dass jetzt Tanken dran ist. Werde also allein ins Tessin fahren, vier oder fünfmal umsteigen. Fabian freut sich wie ein Kind! Hoffentlich keine allzu spektakulären Neuigkeiten – wolle Gott! Vielleicht will er nur sein Leben zeigen, das so ist wie vor 100 Jahren mit Wildschweinen, Alpakas, die in die Küche kommen, Holzhacken und Feuer, Hund, dem kleinen Jungen seiner Mitbewohnerin, die Fabian ihren großen Bruder nennt. Am Donnerstag hin, Ganztagesreise plus Fußanstieg, Samstag zurück. Da es dort wie aus Eimern schüttet habe ich einen wind-, wetter und wasserfesten Mantel mit Teddyfell und Kapuze gekauft, den ich sonst nie tragen werde. Außerdem JahresRation D-Mannose.
Ergreifende Momente: das Brot in der Versöhnungskapelle bei der Mauergedenkstelle zum 3. Oktober. Das Korn auf dem Todesstreifen angepflanzt und geerntet. – Der Raum der Stille am Brandenburger Tor. – Die Koffer mit den Habseligkeiten der Ausgereisten im Palast der Tränen. – Das junge syrische Paar im Zug – (hatten wir nicht kürzlich gesagt, es gibt keine Zugbekanntschaften mehr?) – zauberhafte Menschen! Gerade Konzertkarten gebucht – der junge Mann tritt nächste Woche in München auf. – Und der Moment der Entscheidung zwischen Renate und mir im Tribeca.
Das ist wie verhext, dass jeder geplante Besuch in Lodz durch irgendeine Widrigkeit nicht zustande kommt. Es bleibt spannend, ob und wie das Schicksal euch jemals dort hin fahren lässt. Michael kommt gar nicht mehr raus aus der Schmerzspirale, das ist fürchterlich. Auch dass es keine Anlaufstelle gibt, bei der echte Hilfe zu erwarten ist. Die Reise ins Tessin wird abenteuerlich, schon allein die Anreise und was wird dich dort erwarten? Alpakas, die in die Küche spazieren, klingt schon sehr speziell.