2024-11-02 – Nachwirkung der Schreibgruppe – Ärger auf Gärtner – Leben mit „Wilhelm“ – Ambivalenz zu Mont Blanc – Qualen in Augsburg – Mühe mit Navalny
Montags noch bewegt vom Schreiben, Krabben- und Mandelgeschmack, Brusthaar, bleibender Vorsicht und einer Anja, die Ines austauscht; einer anderen, die Beate Gretel ausspannt; dieselbe Gretel, die mich anschreit: „Entweder Dodo oder ich!“ Wielang sind „neue“ Freundschaften neu? Ist neu, was nicht in Jugend gründet? Was ist mit Flammen, die wie Leuchtfeuer verglühen? Gibt es Freundschaft für einen Sommer? Was sind untrügliche Zeichen für den „großen Wurf“, „eines Freundes Freund zu sein“?
Nach sieben Wochen habe ich bei Gärtner Wagner zwei Gräber bezahlt, dabei ist nur Lollos gemacht, das am wenigsten prioritäre. Das Wichtigste, hatte ich betont, sei das EINE, das dritte. Mein Anruf: Sie wollen das Elterngrab gemacht haben, besonders „die Kanten“. Wie Kanten? Und Peters und Simons? Schaffen sie nicht, tut ihnen leid. Sie können es im Frühling machen und jetzt eine Schale anbieten. Kann das wahr sein? So zuwider mir Allerheiligen ist – so wie es ist kann es nicht bleiben! Also Auto leihen, Kölle; einige Töpfchen leuchtendes Moos, das mir so wichtig ist; ausnahmsweise Erika, diese sind schön rot und buschig! Alpenveilchen spießig, aber dankbar und bescheiden; Rot-Grün, dazu ein Palmkätzchenbaum. Michael hat trotz Rücken das meiste gemacht, irgendwie ging’s.
Während ich (Di) in Vorbereitung auf Literatüren („erlesene“ Stunden bei Susanne) meine edlen Schreibgeräte sichte, um sie evtl. neu zu befüllen, finde ich die Mont-Blanc-Boutique Maximilianstraße, sehe mal wieder, was eines meiner Mäppchen, geschweigedenn die Füller selbst gekostet haben bzw hätten – Michaels Bruder saß bei MontBlanc an der Quelle. Eingedenk Ines‘ „Großkotz“ frage ich mich, ob sich sowas „diskret“ benutzen lässt. Elegant, zuweilen prächtig, exquisites Schreibgefühl… aber man läuft Gefahr, zu protzen. – Frühmorgens Lyrisches Quartett – „Alfieri“ aufgeschnappt, goetherelevant. – Unser Blog geht mir durch den Kopf. Hoffentlich bleibe ich nicht eines Tages allein! – Mittwoch (im Anschluss ans „Protokoll“) statte ich den fälligen Besuch bei Lily ab, um Felix‘ Sprachentwicklung zu bewundern. Wie schwer aber fällt mir, mich auf ein quengelndes Kleinkind einzustellen, das die Mutter beschlagnahmt. Dazu eine unglücklich geschnittene, fantasielos eingerichtete Wohnung, sodass ich mich rundum unwohl und als Störenfried fühle.- Donnerstag Beates Auto geholt. Wie geschmeidig das fährt – ich will es sofort haben, stoße aber an die alte Problematik – keine Parkplätze bzw Stau ohne Ende. In Augsburg Schlosser, Elektriker (Bestandsaufnahmen); Kleber stundenlang versucht, vom Boden zu kratzen; Michael sämtliche Fenster geputzt. Vier neue Mietinteressenten. Zwei lehnen gottlob ab und wagen nicht, das zu sagen, um nicht zurückgestuft zu werden. Ich verspreche, mitzuteilen, wenn ich die Wohnung anderweitig vergebe, sodass die Absage an mir liegt. Ein Pärchen mit Kinderwunsch wollte drei Zimmer, hat selber zwei, da nützen zusätzliche Quadratmeter nichts. Eine alleinerziehende Mutter mit Baby will in Elternnähe nahe Firnhaberau – die zweite junge Muslima mit strengem Kopftuch (im Kontrast zur blondierten Mutter). Einer jungen Frau mit etwa 8-jährigem Benedikt hatte ich quasi zugesagt; dann kam Hand in Hand ein peruanisches Ehepaar mit Sohn, nach 35 Jahren zwar keines Wortes deutsch mächtig, aber reizend: Beschwörungen, Umarmungen, begeistert von Wohnung und der kleinen Terrasse! Sie wollen die Familienwohnung aufgeben – löblich! Jemanden enttäuschen zu müssen hat mir zwei Nächte den Schlaf geraubt. Um dem ein Ende zu setzen soeben endgültig meine Zusage gegeben (es geht schon munter mit der jungen Mutter hin und her) und Absagen ans Wochnungsamt geschickt; den Peruanern wortreich mit Herz geschrieben. – Allerheiligen, Massenaufmarsch; Blaskapelle. Martina vom KiGa getroffen, dann Emilie – ausgiebigst! – Oma Renate ewig nicht gesehen, also Sonntag. Ihr Gesteck liegt bereits – es gab schon schlimmere. Was sage ich, wo der Engel abgeblieben ist?
Unterdessen Navalny. Diese Füllwörter – ich möchte 1/3 des Textes streichen! „Patriot“ ist die Geschichte seines Lebens und Landes im Plauderton – für seine Kinder, Familie (die Welt?) sicher ein kostbares Vermächtnis. Es MÜSSTE mich interessieren – und ermüdet mich!
Das mit dem Friedhofsgärtner ist ja echt ärgerlich. Bewunderung, dass ihr die Bepflanzung dann noch alleine hingekriegt habt. Auf Michael kannst du echt bauen, trotz Rücken putzt er sogar noch die Fenster. Die Qual der Wahl bei den Mietern würde mir auch schwer fallen. Hat die Mutter mit dem 8 jährigen jetzt das Rennen gemacht? Ich würde es nicht als großkotzig empfinden, wenn du ein edles Schreibwerkzeug benutzt, auch wenn es der Rolls-Royce unter den Füllern ist.
Das hast du schön gesagt: der Rolls-Royce! Und ja, die junge Mutter hat das Rennen gemacht, den anderen habe ich bescheid gesagt, auch schon dem Wohungsamt gemailt und tatsächlich wieder geschlafen. Mit der jungen Frau korrespondiere ich jetzt rege – und sieheda, sie kann sogar schreiben und das sehr sympatisch!
Wahrscheinlich müssen die Friedhofsgärtner schon im Frühling für November bestellt werden. Vonwegen Rolls Royce und protzen. Ich habe drei Füller und zwei Kugelschreiber von Mont-Blanc. Die Füller allesamt eingetrocknet. Augsburg scheint in die Endrunde gegangen zu sein. Endlich konntest du wieder schlafen. Hoffentlich bleibt diese Mieterin lange wohnen.