UPs and DOWNs
Der November war in Zeiten meiner Arbeit schon immer ein ereignisreicher Monat gewesen, ich sitze vor meinem übervollen Terminkalender und wundere mich, dass auch in diesem Jahr so unglaublich viel los ist! Meine Liebsten Kollegen melden sich und wollen ein Treffen vereinbaren, Sabine ist nun seit 20 Jahren Museumsdirektorin und sie soll gefeiert werden, schöne Termine, ausgemacht, goldener Staub auf die drohende Winterdepression, und dann die Nachrichten vom großen, unmissverständlich festen Wahlerfolg Trumps und das „AUS“ der Ampel. Ich hänge den ganzen Tag an der Glotze, telefoniere, sag bei der „Wahlparty“ ab, denn Party ist aus, zumal das Ergebnis überraschend schnell feststeht. Ich sehe Prof. Birlin, mit dem die LZ immer wieder zusammenarbeitet, in der ARD, er ist mir so sympathisch und er trifft immer auf den Punkt. Zu den diversen Sendungen über den Rauswurf Lindners ärgere ich mich (mal wieder) über den bayerischen Ministerpräsidenten, der mit jedem Wort die Wende zur konservativen Politik fixiert mit all den Werten von vorgestern, gegen die man an sich nichts sagen kann. Und Maischberger zitiert die russische Außenministerin, Deutschland sei eine Bananenrepublik. Worauf will sie hinaus? Warum äußern sich die drei Nasen von Journalisten nicht dazu, dass das doch nicht allen Ernstes ein ernstzunehmendes Bild von außen auf Deutschland ist? Was wollte die von mir eigentlich geschätzte Frau Maischberger provozieren?
Lange geplantes Highlight am Mittwoch Abend: Renate, Sabines Kollegin hatte ein großes Fest im Fraunhofer organisiert. Alle kamen, es war eine richtige Überraschung. Ich holte Sabine ab, denn sie sollte nicht wissen, was wirklich geplant war (Renate hatte ihr gegenüber von einem kleinen Umtrunk unter KollegInnen gesprochen) und sie sollte pünktlich da sein! Es war eine richtige Fete mit Vorstellungen auf der Bühne und einem Film, den ihr Sohn Felix gedreht hatte, in dem Küppers, die Gestalter der Ausstellung, die Mitarbeiter vom Musäum und andere über die Zusammenarbeit mit Sabine erzählten.
Der geplante Sonntagsausflug zum Wilden Kaiser bot einen herrlichen Eindruck vom „Indian Summer“, wie wir ihn nannten: Das bunte Herbstlaub, die Sonne, die hohen Berge – es war eine Kulisse, die nur froh und unbeschwert stimmen konnte. Ich will aber nicht leugnen, dass mir den Aufstieg Mühe bereitete, ich keuchte und es wurde mir schwindelig, ich mag mich nicht in diesem Zustand, umso weniger, wenn neben mir dann nicht nur Sabine, sondern auch andere Wanderer mühelos den Anstieg bewältigen.Trotzdem wurde ich reich mit der schönen Umgebung belohnt, und kurz vor dem Abstieg gab noch eine Suppe im Pfandlhof.
Ereignisreiche, sehr und vielleicht zu ereignisreiche Tage und Wochen. Ich kann nach zwei Jahren Rente ein Lied davon singen, aber wir beide sind verschieden und du wirst deine eigene Erfahrung machen. Unglaublich schöne Dinge – das Fest für Sabine, der Wilde Kauser – herrlich. Was du über die Politik und diese „Nasen“ schreibst – ich fasse es nicht. Gestern bei Miosga wurde Scholz – den ich in seiner Besonnenheit und dem Freisein jeglicher von Polemik sehr schätze – gefragt zur Vertrauensfrage und er hat beantwortet, unter welchen Umständen er sie vorziehen würde. Die Sendung war noch gar nicht ganz vorbei, als Helge Fust bereits die verkürzte Variante in die Welt aussandte: Die Vertrauensfrage werde evtl. früher gestellt. Ich hasse inzwischen all diese Treiber und Hetzer (zu denen er natürlich nicht gehört). Auch ich habe das mit der Bananenrepublik gehört: sollen solche Aussagen handlungsleitend werden?
Den Indian Summer gibt’s auch bei uns, so schön und so schnell wieder vorbei. Die vielen Termine und Verabredungen im November kenne ich auch. Toll, so eine Überraschungsparty. Darüber hat sich Sabine bestimmt gefreut.