Werther, Riefenstahl, Kustermann und Zockerabend

Residenztheather mit Heike: „ich mags nicht erleben, wenn mich die Jugend verlässt“, das war nicht der einzige Satz, der mich am Abend sehr betroffen gemacht hat. Diese Liebe der Theaterregisseurin zur Günderode, deren Zitate, die gleichsam die Aufführung rahmten, haben dem Stück noch mehr Tiefe verliehen. Tiefe schafften auch die kurzen Berichte über die Selbstmorde der jungen Leute, die damals von den Leiden des Werther gelesen haben, Goethe wurde sogar verklagt. Die Darstellung des Schauspielers aber war großartig.Zuvor war ich neugierig gewesen- wie kann man einen Briefroman umsetzen? Es ist vortrefflich gelungen!
Am nächsten Tag war ich im Kino, im Film über Leni Riefenstahl. Ein Film vom Schauer der Faszination bis zur völligen Entlarvung. Nun wollte ich es ein zweites Mal lesen, das Buch, das meine Berliner Kommilitonin und Wegbegleiterin Karin (sie wohnte im gleichen Haus wie Sirenas Vater und war eng mit ihm befreundet) geschrieben hatte, über Leni Riefenstahl und Marlene Dietrich (Untertitel: Die Geschichte zweier Jahrhundertfrauen). Inzwischen bin ich, zehn Jahre nach dem ersten Lesen, auf Seite 325 und mal wieder verblüfft, wie unterschiedlich ich ein und dasselbe Buch in unterschiedlichen Zeiten lese. Bin wieder angerührt, dass Karin das Buch ihrer besten Freundin Andrea gewidmet hat, die Marlene Dietrich verehrte und inzwischen schon seit vielen Jahren tot ist.
Praktische Bedürfnisse führten mich in die Innenstadt: Mein Bügeleisen hatte den Geist aufgegeben und auch meine Brotschneidemaschine (die nach sage und schreibe 40 Jahren!). Also hin zu Kustermann, ich erstand ein sehr scharfes Brotmesser und ein schickes neues Bügeleisen und konnte es mir nicht verkneifen noch ein wenig Tand in den Einkaufskorb zu packen. Danach noch ein Kaffee und eine Schmalznudel in der Schmalznudel, das Bummeln machte richtig Spass dieses Mal! Am Freitag kam Maren aus Hannover. ich hatte sie seit letztem Winter nicht gesehen, seit unserem mißglückten Versuch, in Teneriffa Urlaub zu machen, von dem ich mit gebrochenem Fuß nach Hause gekommen war. Sie hatte nur einen Tag Zeit für mich, denn sie wollte zum Journalistenstammtisch. Wir sind noch mal miteinander spazieren gegangen, im Englischen Garten. Es war ein traumhaftes Wetter und wieder galoppierte sie mir davon, bis ich protestierte.Wie das unterschiedliche Tempo beim Spazierengehen die Stimmung vermiesen kann..! Aber diesmal passte sich Maren an, ich kam mit heilen Füßen und etwas erschöpft wieder daheim an.
Vielleicht war es der Abend imn der Kneipe „Zum Kloster“, an dem ich mit Katharina und ihren Freundinnen zockte, der die Woche schön abrundete: ich gewann haushoch beim Rommee. Ich gewinne sehr gerne beim Spielen und ich bekomme leider sehr schlechte Laune, wenn ich mal verliere. In Siegerpose fuhr ich mit der Tram nach Hause.

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4 Kommentare

  1. Heike sagt:

    Heute habe ich beim widerlichen Nagelsmann gelernt, dass Spieler es HASSEN müssen zu verlieren. Ich wusste nicht, dass du gewinnsüchtig bist! Die Erfahrungen mit diversen Leseerlebnissen ein und desselben Buches mache ich auch – sehr interessant! Es ist ohnehin kein Verlass auf Empfehlungen, somit nicht mal auf eigene! Vieles klang nach auf Werther hin. Es ist schön, Erfahrungen zu teilen, wenn sie sich auch nicht gleichen. Im Gegensatz zu unserem gestreigen „Bummel“ war deiner so wie man ihn sich wünscht.

  2. Ines sagt:

    Ich hätte nicht vermutet, dass die Gewinnen im Spiel so wichtig ist. Sehr lustig. Ich lese eigentlich nie ein Buch zweimal, bin mir aber sicher, dass ich es nach Jahren auch ganz anders lesen und auch bewerten würde.

  3. Renate sagt:

    Ich habe zwei Inszenierungen des Werther gesehen. Eine klassische und die, die auch ihr gesehen habt, die mich sehr begeistert hat. Ich spiele sehr ungern, also kaum und verliere deswegen selten. Verlieren muss gekonnt sein. Wer das gut hinkriegt? Das Gespräch mit Sandra Maischberger, die Teile des Nachlasses von Leni R. auswertete, war interessant.

  4. Heike sagt:

    An dich, Renate. Welche Aufführung von Werther war das denn? Er ist ja eigentlich gar kein Bühnenstück – insofern kenne ich gar keine „klassische“ Inszenierung. Würde mich interessieren.

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