2024-12-21- Katastrophe von Magdeburg – Abschied von Jakob + Anna – Berge von Plätzchen & Briefen – – Besuche und innere Prozesse

Sonntags habe ich mich spontan Jakobs Treffen mit seinem Freund und dessen russischer Frau im Ruffini angeschlossen, zu dem Anna mitkam, aber auch Cornis Mutter. Ein Bombenvormittag nach vielen Jahren – mit überraschenden Übereinstimmungen, was Neigungen und Aktivitäten angeht. – Im Anschluss Schreibgruppe – wie immer ein Kleinod im Fluss meiner Zeit. Mit Beates Ozelot unterm Arm von Ines heimlogiert. Leicht fröstelig, als könnte ich etwas ausbrüten, ausgeruht. Abends wollten wir nochmal Anna und Jakob im Myshkin treffen, wohin sie nach Andersens Erzählungen kommen sollten. Trotz Reservierungsbestätigung wurden wir damit begrüßt, dass gleich geschlossen wird. Stinksauer um die Ecke ins Hackerhaus. Abschied – Nachtzug nach Amsterdam. – Am Montag Chor gestrichen – prompt war ich wieder auf dem Damm. Nachmittags Herr Diemer. Gemeinsam beschlossen, dass ich weiter bei ihm bleiben will. – Dienstag etwas bei Lioba abgeholt; zuvor die Collage „Erfreue dich Himmel…“ bei DM drucken lassen – zufällig Renate getroffen. – Schlosserrechnung: 624 €. – Weihnachtspost trudelt ein. Was verpackt aussieht, z.B. mit Schleife, muss warten. Ich zweifelte, ob Schreiblust aufkommen würde. Bis dato hatte ich nur immer wieder gebacken wie besessen bei erweitertem Repertoire durch die Aetas-Gruppe mit Orangen- und Schokoplätzchen, durch Renate mit Nussbömbchen. Aktuell Austausch mit Melsene – sie hatte durch mein Foto Sehnsucht nach ihrer verstorbenen Mutter bekommen. Deren Lebkuchen repräsentieren eine ganze Ära, die Gastfreundschaft, das offene Haus und nicht zuletzt die verlorene Heimat Ostpreußen. Endlich versteht Melsene das, kurz bevor das Haus geräumt und weitergegeben wird! – Am Mittwoch hat es mich im Morgengrauen an den Tisch getrieben. Erst die Collage, dann die „Verdichtung“. Seitdem geschrieben – manisch – kaum ansprechbar. Entsprechend kaputt abends. Nachmittags aber kam Beate mit Frau W.s vergessenem Lämpchen. Bei Tee Winterreise zusammen angehört. – Ich hatte vor, keinerlei Pflicht erfüllen zu wollen. Im Hospiz musste ich ja allen Ehrenamtlichen schreiben. Weil ich unmöglich ALLEN dasgleiche Vorgefertigte schicken wollte, habe ich dem Motiv und Text des jeweiligen Jahres –  mehr oder weniger – persönliche Zeilen hinzugefügt. So mache ich es auch heute – ein innerer Prozess führt zu einem Bild, Motiv, Satz oder Gedanken. Das ist meins; der adressierte Text ist dann aufs Du gerichtet. Vorher kann ich mir nie vorstellen, was es werden könnte. Aber ohweh. Wenn ich jemanden nicht mag, läuft das nicht. Natürlich holpert es auch bei der Kür manchmal. Aber jetzt ist alles freiwillig. Wesentlich ist die Erfahrung, dass der Drang von innen kommt, ich brauche das, es muss sein. Backen und schreiben, für letzteres braucht es ein Motiv. Schreiben hilft, über meine Beziehungen klar zu werden. Wenigen habe ich mit dem Gefühl geschrieben, es könnte das letzte Mal sein, weil das Parkett dünn wird. An Kiras Familie zu schreiben wird immer zäher. Da ist der Status im Bikini bei Caiprinha an Stränden, oder Kira postet für einen Kanal irgendwelche Produkte. Unser gemeinsamer Nenner ist Simon, nur Simon; heutige Anknüpfungspunkte fehlen. Besonders strahlen dieses Jahr Neuzugänge hervor – wie ich finde, eine Besonderheit. – Nachdem ich den halben Briefkasten gefüllt habe, kommen mir noch Nachzügler in den Sinn. – Als alles vollbracht ist fällt mir der Steuerberater ein. Wie von Geisterhand regt sich der Trieb, „für Frau Holle“ aufzuräumen. Rauhnächte kündigen sich an!

Gestern wollte ich meine Leseflaute beenden. Kafkabiografie weg? Inzwischen habe ich sie zwischen Bett und Wand wiedergefunden. – Am Freitag die schreckliche Katastrophe von Magdeburg! Ein Psychiater? Wie sollen wir das verstehen?! – Frühstücksbesuch hat sich kurzfristig angekündigt: die Frau des verstorbenen Italien-Aussteigers Wolf, der Michaels Freund wurde und den auch meine verstorbene Brieffreundin Monika kannte. Ein Anlass, an deren Familie noch einen Brief zu schreiben. Die fehlende Beerdigung hängt mir nach, gibt mir das Gefühl, dass das ein abgeschottetes System sein könnte. Dennoch. Mehr als „das Falsche“ zu schreiben kann nicht passieren.

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2 Antworten

  1. Ines sagt:

    Das Schreiben und das Backen zu Weihnachten, bei dir beides im Rausch, wie manisch, und mir scheint, auch überdurchschnittlich viel Gebäck und viel Post. Wenn ich Briefe oder Karten schreibe, fällt mir erst beim Schreiben ein, was ich der Person gerne sagen möchte. Dieses Jahr lief es auch ganz ohne Verpflichtungsdruck. Der hält sich eh in Grenzen, da es nur wenige gibt, die mir schreiben.
    Dieser Anschlag in Magdeburg ist mir erst später zu Ohren gekommen, da ich an den Abenden immer keine Zeit für Tagesschau hatte. Was das für die betreffenden Familien der Opfer bedeutet, kann man sich gar nicht vorstellen und aus welchem Motiv die Tat verübt wurde gibt Rätsel auf.

  2. Renate sagt:

    Eine schöne Tradition ist das Schreiben zu Weihnachten. Heutzutage, in Zeiten von mails und WhatsApp selten geworden. Auch mich hat das Schreibfieber heuer gepackt. Magdeburg, eine Tragödie. Was mag diesen Mann bewogen haben so zu handeln.

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