Entsetzen über die Nachrichten, Trauerfeier, Abnehmspritze, überschattetes Glück

Was mag den jungen Afghanen, der bereits als Minderjähriger nach Deutschland gekommen ist und scheinbar ein westliches Leben mit Arbeit, Auto, Fitnesswahn und Instagram geführt hat, dazu gebracht haben, mit seinem Mini in die Menschenversammlung zu rasen und Menschen zu töten und damit auch sein eigenes Leben zu ruinieren? Ich kann es nicht begreifen und es macht mich sehr traurig und ratlos. Gerade in München, wo so viele Menschen gegen rechts und für Vielfalt auf die Straße gehen. Ich habe viele afghanische Patienten, die sehr feine und höfliche Menschen sind. Für die wird das Leben hier sicher ab jetzt schwieriger. Viele haben Angst vor Abschiebung. Die Woche wird davon überschattet und das eigene Leben unwichtig. Dennoch eine kurze Zusammenfassung der Woche. In der Arbeit bin ich durch meine neue stellvertretende Leitungsposition plötzlich mehr gefragt und gefordert, was ich ja auch wollte. Mittwoch waren wir auf der Trauerfeier der Freundin Tanja, die an Krebs gestorben ist. Extrem viele Menschen versammelten sich in dem schönen Aetas Raum in der Baldurstraße. Wir saßen direkt hinter den drei erwachsenen Kindern und dem Ehemann. Die Trauerrednerin hat die Verstorbene treffend beschrieben, insbesondere die schöne Tochter weinte ununterbrochen. Danach mit den mindestens 100 Trauergästen ins Asamschlössl zum Essen. Das war eigentlich die Location für die Feier von Tanjas 60. Geburtstag, die sie wegen Verschlechterung ihres Zustands absagen musste. Ich saß neben einer anderen Freundin (von Hubert), die seit ich sie das letzte mal im Herbst gesehen hatte, 15 Kilo mit Hilfe der Abnehmspritze abgenommen hatte und das 3 Gänge Menu kaum angerührt hat, weil sie jetzt scheinbar keinen Hunger mehr hat. Irgendwie unheimlich. Ich frage mich, ob das irgendwann nach hinten los geht. Donnerstagabend auf einem Konzert, zu dem Dagmar eingeladen hatte. Ihre italienische Bekannte sang mit ihrer Band alte italienische Stücke aus ihrer Heimat. Sören war auch da, ich saß zwischen Sören und Hubert, hab mich wohl gefühlt zwischen meinen beiden Ehemännern. Freitag allein zu Hause vertrödelt und Samstag bei Dieter und seiner recht neuen Freundin eingeladen. Die beiden sind erst vor kurzem zusammen gezogen und sind sehr glücklich in einer sehr vollen und beengten Wohnung. Tagsüber auch kurz Maja getroffen, die sich mit Bernd Huberts Auto für Einkäufe ausgeliehen hat. Sie ist jetzt richtig hoch schwanger, noch 2 Wochen bis zum errechneten Termin. Das  Glück der beiden steht in großem Kontrast zu den furchtbaren Tagesnachrichten. Heute sind Hubert und ich oft schweigend miteinander. Die gewohnte heitere Leichtigkeit will sich verständlicherweise zwischen uns nicht einstellen.

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3 Antworten

  1. Heike sagt:

    Ja, diesmal rauschen die Nachrichten nicht einfach vorbei. Was du über deine feinsinnigen muslimischen PatientInnen schreibst empfinde ich vielfach auch – ich kenne sie auch in aller Regel so und halte nicht für ausgeschlossen, dass auch die jungen Mörder zunächst genauso liebenswürdig, respektvoll und anständig gewesen sein könnten. – Die Trauerfeier kann ich mir lebhaft vorstellen, sie geht ans Herz. Der Preis, den die Abnehmspritze fordert, steht in krassem Kontrast zu dem, was gerade wirklich und zutiefst wichtig ist – das Leben selber. Als stünde genau sie für eine verkehrte Welt. Wir haben ja hier erlebt, wie sie wirkt. Dieses Teufelszeug. Gut, es scheint Menschen zu geben, die gbrauchen sie wirklich und machen auch gute Erfahrung damit, wie Renate erzählt hat.

  2. Beate sagt:

    Meine Stimmung in dieser Zeit: Bleiern, kein Wort reicht an die Dimension von Bedrücktsein, das mich erfasst hat. Und dann kommt genau die Frage auf, die Du eingangs formulierst: wie kommt er dazu..? Spekulationen drängen sich auf, die sich auf die Spur von Verschwörungstheorien begeben. Lese im Netz, dass ich nicht allein damit bin, JournalstInnen, von denen ich viel halte, haben sich anscheinend ähnliche Gedanken aufgedrängt.
    Eine Frau, die ich kenne seit ich 12 Jahre alt war, die immer sehr dick war, auch Diabetikerin, nimmt die Abnehmspritze und fühlt sich zunehmend wohl damit. Sie ist wohl Eine, für die die Spritze letzte Hoffnung auf Besserung ist .

  3. Renate sagt:

    Ich kann es auch nicht fassen, was bei dem Verdistreik passiert ist. Was diesen jungen Mann angetrieben hat? Bedrückend die Stimmung. Trump tut sein Übriges dazu. Willy unser Mann bei Mama hat sehr viel mit dieser Spritze abgenommen.

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