2025-03-29 – Zwei Ärgernisse, die wie Teer kleben – laufen, chin. Lyrik + Inge – mit Andersen in Schottland + mit Großer Tiger in China – ein kranker, aber geduldiger Mann

Am Ende der Woche kleben zwei Dinge an mir. Die Schreibgruppen-Schockerin und Dodo.

Durchgehend belastet vom Energieraub durch die „Systemsprengerin“ bei Dasein. Ich hatte sogar einen Albtraum. – Ausgiebiges Telefonat hinterher mit Beate. – Onlineseminar mit Prof. Aoki/Tokio, nur punktuell interessant – so blogge ich währenddessen – Bildschirm und Micro ausgeschaltet, so sieht man nicht meine Schläfrigkeit. – Telefonmarathon mit Dodo. Zuerst unterhaltsam. Wie aber kommt es, dass sie mich (vorsichtig) nach meinen Einkünften fragt, Miete, was ich für so ein Seminar bekomme? „Was?!“ Wie unter Rechtfertigung fühle ich mich plötzlich. Aber du musst doch…, du kannst doch nicht… Habe dann ausgerechnet, was ich in meinem Beruf verdient habe; realisiere, dass ich meine Putzfrau (netto) besser bezahle. Aber ist es nicht wie im Märchen, wo einem ein Floh ins Ohr gesetzt wird? War ich nicht zufrieden? Diesbezüglich sind Michael und ich ein perfektes Gespann. Es tut nicht gut, von der verwöhnten „Arztensgattin im Hauptberuf“ ins Gebet genommen zu werden, die gerade das vierte Auto gekauft hat, von Weltreise zu Weltreise jettet, in einer gigantischen Wohnung logiert, nachdem das Haus verkauft ist. Dazu hat sie keinen Tag ihres Lebens in und von ihrem Beruf als Krankenschwester gelebt. Bei aller Liebe, sie hat kein Verhältnis zu meinen…Verhältnissen. Es ist für sie nicht vorstellbar – „man muss doch leben!“ Sie wird die Geschäftsfrau in mir nicht mehr erwecken. „Findest du das nicht ungerecht?!“ Ich muss mir das vom Hals halten. Als himmelschreienden Missstand emfinde ich tatsächlich, dass Menschen, die gebraucht werden, nicht hier arbeiten können, weil ihr Gehalt niemals für eine ortsübliche Miete genügt. Aber ich finde es peinlich, mich ins Gebet nehmen zu lassen. Ich werde es ihr sagen, wenn sie – soeben aus Ägypten zurückgekehrt und jetzt in Nepal – zurück ist. – Hoffentlich vergesse ich es.

Was ist noch übrig? Montag Chor. Dienstag Wilhelm Meister mit entsprechender Putzorgie vorher und eifrigem GlühwürmchenGesicht hinterher. Jetzt müssen wir Hamlet einschieben, denn Wilhelm identifiziert sich inzwischen derartig mit ihm, dass es ohne nicht mehr geht. Mittwoch Spaziergang mit Renate, uns beiden ist Laufen verordnet worden. Danach Café Gudrun. Donnerstag Akademie zu chinesischer Lyrik – die mir jetzt überall begegnet. Freitag frei. Samstag Aetas-Schnupper-Gruppe. Da fragt plötzlich eine gewisse Inge, ob ich Renate Schuldt kenne… Kleiner, aber anregender, lebhafter Kreis. Ich bin hinterher energetisch on top. Eine wusste von mir, dass noch (zu) wenig Anmeldungen sind, hat es kurzerhand bei nebenan.de eingestellt, ohne mich zu fragen. Eigentlich ein starkes Stück.

Letzten Sonntag haben wir den Herrn der Ringe aufgegeben. Es war nicht mehr auszuhalten, und eigentlich ist mir auch egal, was mit dem Ring wird und wie all die Kämpfe ausgehen. Direkt im Anschluss Prousts Suche nach der verlorenen Zeit angelesen. Das kann Michael nicht ertragen. Jetzt reisen wir, was ich schon lange erneut wollte, mit Großer Tiger und Christian durch China und die Mongolei. Dieses Buch liebe ich; könnte was für Luis sein in ein paar Jahren. Allein bin ich weiterhin mit Andersen unterwegs, heute in Edinburgh und Schottland. Während zwei von uns leibhaftig reisen, lese ich mich dahin. Zwischendurch ein wenig Alfred Kubin. – Für Michaels Fatigue, überhaupt für so manches, könnte es jetzt eine Erklärung geben. Die Hauptsache ist wohl etwas, was schon lange besteht und Jahre, Jahrzehnte falsch behandelt wurde. Möglicherweise gründet alles darin. Diese anhaltenden Qualen gehen an die Substanz. Wieder Kortison, hoffentlich endlich das richtige; Blutuntersuchung läuft; ebenso Biopsie. Ich muss nicht erklären, was das im Zusammenleben bedeutet. Man will sich nicht darauf konzentrieren, kann es aber auch nicht ignorieren; es ist nunmal bestimmend. Eigentlich will ich es nur erzählen dürfen und möglichst nicht gefragt werden.

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6 Antworten

  1. Ines sagt:

    Dodo lebt ein völlig anderes Leben, fast konträr. Über eure finanziellen „Verhältnisse“ zu reden kann ja nur zu doofen Gefühlen führen. Wenn es für Michaels viele Symptome eine gemeinsame Ursache gäbe, die evt auch behandelt werden kann, wäre das wie ein Wunder. Gibt es meist nur in der Arztserie. Ich wünsche es ihm und euch jedenfalls sehr.

  2. Renate sagt:

    Wenn, wie deine Freundin, die fern jeder wirtschaftlichen Eigenständigkeit lebt, solche Fragen stellt, ist das fast nicht möglich sie zu erreichen. Ihre Welt und deine passen, was diese Frage betrifft, nicht zusammen und werden auch nie zusammenkommen.

  3. Beate sagt:

    Ich glaube auch nicht, dass sich diese Diskrepanz gut auflösen lässt. Auch in einer so langen Freundschaft gibt es Themen, die am besten nicht zur Sprache kommen

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