2025-04- Haikukreis und roter Fuji – Bärlauch und giftgrüner Rucksack – Adrian, Stimme + Österliches

Wenn ich nicht kontinuierlich „mitschreibe“, entgleitet mir alles. Letzten Sonntag? Im Zweifel nichts.

Montag: Augsburg Haikukreis. Ich bin neu entflammt, obwohl ich noch nicht wieder selber dichte. Das braucht innere Ruhe und eine Gestimmtheit. Kurzfristig hatten viele abgesagt. Yukos (japanisch unausgesprochener, aber leise spürbarer) Frust darüber war nachvollziehbar. – Später stundenlang Zusammenfassung unserer letzten WM-Lesung geschrieben.

Dienstag: Michael schlug die Ausstellung „die Farben Japans“ vor. Schon wieder Yuko getroffen, zufällig. Einiges hat uns sehr gefallen (Blüte, Schnee, Wasser, SCHIRME!); weniger das Kriegerische. Am „roten Fuji“ durfte man selber einen Druck ausprobieren. Hinterher Englischer Garten. – Nachmittags bei Martina im paradiesischen Pfarrgarten Bärlauch gepflückt; netter Ratsch, dann Pesto zubereitet. Nachdem ich jahrelang keinen mochte wurde ich plötzlich gierig wie Rapunzels Mutter. – Beim Aufgeben eines Päckchen für Bine einen Rucksack gesehen und gekauft, obwohl ich Rucksäcke hasse. Vielleicht ist er beim Walken nützlich – sollte es jemals dazu kommen. Fern von daheim habe ich keine Ahnung, welche Farbe passen könnte und habe giftgrün gewählt, weil ich sowas anhatte. Hinterher gemerkt, dass das nicht ideal ist. Eigentlich habe ich sowieso zu viele Taschen.

Mittwoch. Nochmal Bärlauch gepflückt. Eine Riesentüte ergibt zwei Gläschen, wenn er durch Salz und Öl zusammenfällt. Nudeln (in Pesto) und Tomatensalat (auch mit Bärlauch) genossen. – Logopädie: auf Hölzern stehen, mit Kegeln schwingen, in den Knien federn, „immer in Bewegung bleiben“; dazu kraftvoll mit Resonanz Vokale nachsingen – vom A ausgehend eine Quint hoch und runter (a-e-o oder o-i-u, ineinander übergehend) – schrittweise immer einen Halbton höher oder tiefer. Auf diese Weise – mit Anlauf – erwische ich Töne, die ich nie aus dem Stand ansingen könnte. Ich bin begeistert. Die Füße spüre ich abends noch. – Stippvisite im Lenbachhaus. „Was zu verschwinden droht wird Bild.“ Im Garten hinterher tobte eine Gruppe Jugendlicher mit BetreuerIn exzessiv, sodass kein genüssliches Sitzen im milden Frühlingslicht möglich war.

Jemand hat für Peters Mutter und Stiefvater Betreuung beantragt – über Otto und Otti wurde ich ausfindig gemacht. Natürlich kann ich das nicht übernehmen – zu wenig Einblick und Beziehung. – Immer noch finde ich nicht in mein Leseleben zurück. Allerdings balsamiert mittlerweile die kontinuierliche Lesung mit Michael meine Seele. Die sinnlich erfahrbare Reise durch die „Brandung des Sandmeers“, die einzigartige Freundschaft der beiden Kinder, Einkehr in Jurten und mongolische (bzw chinesische) Weisheiten, die ans I Ging erinnern, heben mein Glückslevel auf ein Hochplateau. Ich denke plötzlich über Reisen nach… Länder wie die Mongolei, Japan (oder Persien) sind für mich jenseits von Urlaubs(Alb)Träumen. – Die Paulusakademie bringt es auf den Punkt: „Ferienmüde – ALS DAS REISEN NICHT MEHR GEHOLFEN HAT“ – über den Zustand unseres Planeten, der nach Corona von einer Flut Reisender überschwemmt und verwüstet wurde wie nie zuvor in seiner Geschichte. Demnach verbietet sich Reisen eigentlich für mich. Muss ich außen überhaupt suchen, was ich innen schon „habe“? Könnten meine inneren Bilder gar zerstört werden?

Donnerstag: Mit Adrian vier Stunden Ruffini – beglückt, dass dieser junge Mensch mir soviel kostbare Zeit schenkt. An der Fensterfront feierten zwei Dutzend junge Urologen, die alle gleich aussahen, sehr laut und lustig. Entsprechend war ich nach äußerst angeregter Unterhaltung stimmlich stark beansprucht und habe morgens (Karfreitag) ausgiebig Stimmpflege betrieben.

Über Stattauto ist nichts zu bekommen. So müssen wir das Grab bescheiden mit 0-8-15 Beständen aus der Friedhofsgärtnerei richten, nachdem die Bepflanzung von März restlos erfroren bzw vertrocknet ist. Auch hier massig Bärlauch – nochmal geerntet und eingemacht. Eiersalat und Sardellenbutter zubereitet. Falls Beate gesund ist kommt sie zum Osterfrühstück mit anschließendem Gottesdienst in Christkönig. Leider habe ich schon mit Ostereiern losgelegt und keinen Lindt-Nachschub mehr bekommen.

 

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4 Antworten

  1. Ines sagt:

    Herrlich, sich dich mit giftgrünem Rucksack vorzustellen. Habe dich tarnen noch nie mit so etwas gesehen. Dass du so gierig auf Bärlauch bist, spricht dafür, dass dein Körper die gesunden Inhaltsstoffe wohl gerade sehr gut brauchen kann. Dolle Übung bei der Logopädin. Das Thema „Reisen“ ist sehr ambivalent. Ich kann deine Gedanken dazu gut nachvollziehen.

  2. Ines sagt:

    *tatsächlich, nicht tarnen

  3. Renate sagt:

    So kommst du über die Logopädie in Bewegung. Dazu noch einen giftgrünen Rucksack, der für deine Schwester ist? Bärlauch überall. An Simons Grab fiel er mir auch auf. Luis teilt deine Leidenschaft für Pesto.

  4. Beate sagt:

    Nun hatte ich beim wunderbaren Ostertreffen schon alles erfahren, was ich jetzt noch einmal lese! Du hast mir den Tag und die nächsten Tage gerettet und nicht nur fürs leibliche Wohl gesorgt. es hat so gut getan, bei Dir zu sein!

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