Erkältung, die bleibt, Sorgenkarussell und gute Bücher

Meine Erkältung wurde immer schlimmer und damit auch meine Stimmung. Meine Zuversicht im Minusbereich. Überfordert, ängstlich. Dazu kommt die Sorge, wie es wohl mit dem Planspiel weitergehen wird. Alina mit Baby in meiner Wohnung und ich ununterbrochen auf Achse quer durch Deutschland? Beides überfordert mich allein bei der Vorstellung und live wird’s eine Steigerung an Überforderung sein.
Doch in dieser Woche Ruhe vor dem Sturm. Krank im Bett, viel schlafen, Tee trinken, bei Amazon Filme kaufen und vor der Glotze einschlafen. Dazwischen zwei gute Bücher: Auf Eduard Louis bin ich gestoßen, als ich mir in den Kammerspielen die „Nora“ angeschaut habe. Im Theaterstück haben sie Zitate von Eduard Louis eingeblendet, die ich mir alle merken wollte. In einer Buchhandlung in Forchheim fand ich seine Erzählung, wie seine Mutter aus zwei Beziehungen mit gewalttätigen Männern herausgefunden hat. „Monique bricht aus“, ich war fasziniert von der Darstellung, die ihr Sohn Eduard Louis beschreibt. Zum Schluss habe ich viel geweint, weil der Ausgang so gut war und so eindringlich beschrieben war. Ganz anders Tahsin Durkum „Mama, bitte lern Deutsch“ – einfach lesenswert, wie er beschreibt, welche Missverständnisse aller Art ins Absurde gerieten, weil die Kommunikation aussetzte. So will zum Beispiel die Lehrerin im Religionsunterricht. dass einem Kind (3. Klasse) im Stuhlkreis die Füße gewaschen werden, als christlicher Ritus. Tahsin ist desorientiert, wie er als Yeside seine Religion beschreiben soll, die Lehrerin ruft die Mutter an, die versteht kein Wort, ist aber nett und höflich- als Ergebnis darf ein Mädchen Tahsin die Füße waschen und zuhause erst klärt sich alles auf. Köstlich beschrieben sind alle die vielen Szenen, die dokumentieren, wie schwer es um Integration steht.
Mittendrin ruft Alina ab und an an. es geht ihr immer noch prima und sie arbeitet motiviert im Fitnessstudio die letzten Tage. inzwischen denke ich, sie sollte genau in diesem Bereich weitermachen, sich solide ausbilden lassen als Physiotherapeutin oder Fitnesskauffrau, sie sollte an den Chiemsee ziehen und dort in schöner Umgebung arbeiten und ihr Kind aufziehen. Das werde ich ihr vorschlagen.
In meiner Anspannung haben mich die Kirchgänge zu Ostern gerettet. Und vor allem auch das wunderschöne leckere Osterfrühstück bei Heike und Michael. Das hat mir so gut getan wie ein Rettungsanker. schließlich ist bei mir grad „Land unter“!

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3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Alina wird sicherlich ihren eigenen Weg finden. So ein Baby lässt alles andere erst mal in den Hintergrund treten. Wenn du wieder richtig gesund bist, werden die Sorgen sich vielleicht weniger schwer anfühlen. Ich möchte dich dauernd so viel fragen. Wird Zeit, dass wir uns wieder mal sehen.

  2. Heike sagt:

    Ich habe von dem einen Buch gehört, und beide scheinen mir sehr lesenswert. Dass du heute unser Osterfrühstück vergoldet hast war auch für uns eine Bereicherung. So ist Ostern geworden! Deine Vorschläge für Alina? Ich erinnere mich nur an mich selber ich alles gemacht habe und hätte, nur nicht die Vorschläge meiner Eltern annehmen. Aber vielleicht will sie es ja von selber. Mit Jakob ist es bis heute so, wenn er etwas will oder anpeilt: ich ersticke mit meinem Elan seine Impulse. Es ist wie mit dem Buch von Mayerhoff, als der Vater mehr über das Land weiß, das er gerade bereist hat….

  3. Renate sagt:

    In den Büchern hast du etwas Abstand zu den anstehenden Herausforderungen gefunden. Das mit den mütterlichen Ratschlägen sehe ich, aus Erfahrung, auch kritisch.

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