HochX, Alina bekommt ein Mädchen, Wilhelm Meister und Spaziergang mit Sirena

Am Montag schrieb mir Sabine, ob ich Lust habe, mit ihr am Abend ins HochX zu gehen. Hatte ich. Zwei Männer, die wie Zwillinge aussahen, also schier identische Figuren hatten, bewegten sich zu elektronischer Musik in spaceigem Licht. Sie flossen ineinander, bewegten sich von einander weg, von sagenhafter Schönheit waren ihre Gestalten, inhaltslose Schönheit die Bewegungen und die Musik.Die Faszination war so schnell verflogen wie das Stück endete. Wir saßen noch lange in der Bravo Bar und ich kam erst weit nach Mitternacht nach Hause. Sabine hatte bei einer Ausstellungseröffnung Rainer Viertlböck gesehen, der mich mal wieder herzlich grüßen ließ, ich soll mich doch bitte melden.

Am Dienstag erfuhr Alina bei der Frauenärztin, dass sie wahrscheinlich eine Tochter bekommen wird. Unser Zusammenleben läuft gut an, besser, als ich es erwartet hatte. Der praktische Teil sieht so aus, dass ich für die Küche zuständig bin und sie für das Bad und die Böden. Sie putzt jeden Tag.ich koche jeden Tag. Wir freuen uns beide auf das Kind. Sie plant ja, mit ihren Freunden in Darmstadt zusammenzuziehen. Gerade weil es wichtig für uns beide ist, dass unser Zusammenleben nur vorübergehend sein wird, hoffe ich auf eine friedliche Zeit.

Am Nachmittag dann Wilhelm Meister. Es ist so besonders anregend, wenn wir lesen, uns austauschen, diesmal klang auch das Thema „Was ist Deutsch? Die deutsche Seele“ an. Meine Bücher zu der Thematik werden also nicht mehr einsam im Regal verhungern und meine Erinnerung, dass ich sie einmal begeistert gelesen habe, kann neu aufleben!

Es waren die wieder aufkommenden Kopfschmerzen und Schwindel, an denen ich eine gewisse Überlastung gespürt habe, und tatsächlich war auch mein Blutdruck zu hoch.So beschränkte ich mich auf das Wesentlichste am Mittwoch und Donnerstag: Haushalt und Korrespondenz mit den Leuten, die sich dafür interessierten, beim Planspiel mitzumachen.

Ich stelle gerade eine gewisse Abnutzung meiner Begeisterungsfähigkeit fest. Gutes Essen schon oft genug gekocht, noch eine Ausstellung, ein Buch, ein Konzert, ein Theaterstück, alles interessant, aber das Brennen, die Begeisterung, die ich früher empfunden habe, ist an Intensität meist merklich weniger intensiv spürbar. Nennt sich das alt werden? Wie schrecklich mag es sein, wenn eines Tages die alles umfassende Gleichgültigkeit über mich kommt?

Und dann treffe ich Sirena nach fünf Wochen wieder und freue mich von Herzen. Wir haben einen langen Spaziergang durch den Nymphenburger Park gemacht und sind in die Schwaige zum Spargelessen eingekehrt. Große Freude meinerseits. Es geht doch noch!

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2 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Ich hätte darauf gewettet, dass es ein Mädchen wird. Hoffentlich freut sich Alina darüber. Die erste Zeig mit Baby wird Alina aber bei dir wohnen bleiben, oder? Ich glaube, die Begeisterungsfähigkeit ist phasenweise mal mehr und mal weniger, nicht so sehr eine Frage des Alters.

  2. Heike sagt:

    „Die Faszination so schnell verflogen…“ Manchmal zeigt sich erst im Nachhall, wieviel etwas Bestand hat. Im Wesen des Tanzes allerdings liegt ja das Flüchtige. Was idealerweise bleiben könnte wäre ein inneres Abbild – zum Beispiel in Form von Kraft oder Leichtigkeit. – Dich kann ich mir nicht in allumfassender Gleichgültigkeit vorstellen – eher denke ich in Ines‘ Richtung – das „ganz normale“ Oszillieren. Vielleicht kann Gleichgültigkeit punktuell auch ein entspannender Ausgleich zur immerwährenden Flamme darstellen? Dass du – wie mündlich besprochen – nicht von Kraft strotzen kannst, wenn du gerade in der Zeit, wo wir endlich selber dran sind, wieder eine gewaltige neue Aufgabe annimmst, die dich in große Verantwortung bindet, liegt in der Natur des Lebens. Wir alle werden mit dem Älterwerden müde – aber du darfst es jetzt nicht werden. Umsomüder wirst du dich fühlen! Arbeitsteilung hin oder her… – Dein Spaziergang mit Sirena allerdings dürfte zu den Dingen gehören, die dich wirklich „nähren“. Und: auch Bücher sollen nicht verhungern, wir wollen sie füttern!

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