2025-06-07- Was Flammen nährt und was nicht – „deutsche Seele“ mit Beate, „Verdunstete“ mit Renate, „kleine Rose“ + Schreiben am Parisbrunnen + neues WC
Die Zeit rinnt durch die Finger. Was nicht mit einem Termin verbunden war, schwindet aus dem Gedächtnis. Herrlich ist: Bei Zweifeln, was wann stattgefunden haben könnte – kann ich seit 2020 den Blog befragen.
Im Kalender stehen interessante Einträge, die ich streiche, sofern ich nicht verabredet bin. Vortrag zu den vielen Übersetzungen von Tonio Kröger ins Japanische; Ausstellungseröffnung über ArchäologInnen – Pionierinnen ihrer Art – in der Sammlung für Abgüsse – jeder Ausfall verschafft Luft. Zuweilen die Frage: Ist das mein Programm oder das meiner Mutter? Wie desinteressiert habe ich mich von elterlichen Gesprächen über „diese Dinge“ abgewandt! Plötzlicher Gedanke an meinen Vater, der u.a. mit Schwerpunkt Theater, Schauspiel, eingebettet in seine Zeit, umherging und keinen mit seiner Flamme anzünden konnte. Mit fünfzig Jahren Verzögerung hat es bei mir doch noch gezündet.
Montag nach Chor mit Beate Tribeca – höchste Zeit! Zuerst drinnen; dann ohne weiteren Konsum noch ausgiebig draußen zur „deutschen Seele“ getagt – interessant, amüsant, sogar zitierte Lieder haben wir per Youtube angehört – schöner Anfang für dieses umfassende Thema. Wieder vom „Nährenden“ zu sprechen: eine weitere „Speise“ konnte ich an diesem Tag nicht verkraften. Dienstag ebenso: Abendveranstaltung gestrichen zugunsten des Alltäglichen. Diese Woche fällt Logopädie aus. – Eigentlich hatten wir die „Praxisgruppe“ auf Mittwoch verlegt, weil sich kein gemeinsamer Samstag fand, an dem Alexandras Räume frei waren. Wir wollten ein „Fenster zur Kunst“ in der Glyptothek. Dann hatte die Murnauerin notfallmäßig „Blitze in den Augen“, die anderen eingekeilt von Terminen. So wurde das Treffen kurzerhand in die Borstei verlegt und bei Gabriele, am Parisbrunnen und im Rosengarten geschrieben – immer mit Blick zum Himmel, der sich aber viel später erst entlud. Es war wunderschön! Als wir schon auseinandergegangen waren, habe ich im Café Nini den Nachhall genossen; der Kuchen allerdings hält nicht, was das Auge verspricht. – Inzwischen hängen die Vorhänge. Sie machen mein Zimmer kuschelig. Die Hitze kann kommen. Fenster geputzt! – „Sieg“ abgebrochen, betrifft uns nicht wirklich – versuchsweiser Umstieg auf Japanisch. – Draußen kühl, windig, regnerisch. – Bescheidene „Abendbrote“ (nicht bei 0,8 mm Brotscheiben wie in der „deutschen Seele“!), Vorlesen in der Abenddämmerung bei einem Glas Wein hauchen dem Balkon weiter Leben ein, sofern die Witterung es erlaubt. – Donnerstag kleiner-Rosen-Stammtisch. Ich hab immer keine Lust dazu, hier Urlaub, da Golf, hier Hospiz, da der ewig gleiche Stress. Andererseits ist es vertraut, niemand monologisiert, es gibt Verständigung auch jenseits geteilter Interessen. – Freitag mit Renate bei denen, „die sich in Luft auflösen“ (den „Verdunsteten“). Kleiner Filmsaal im HP8, unbequeme Stühle, vorwiegend DJG vertreten, ich sehe Yuko, die die Lider gesenkt hält – ansprechen? vorbeigehen? – der Film drückt nieder, ich hatte mir das Verschwinden als ein „Freiwilliges“ vorgestellt, weniger diese tragisch Gescheiterten, Verzweifelten, Geschundenen, Misshandelten, Bedrohten, Verrückten – etwas, das es dort nach unserer Vorstellung gar nicht gibt. Ein Mühlstein auf dem Herzen, der die Luft abschnürt und auf der gemeinsamen U-Bahn-Fahrt leichter wird.
Samstag. Es regnet. Heute Annis Geburtstag. – Seit sage und schreibe fünf Stunden war ein Klempner mit einem neuen Klo zugange, jetzt packt er zusammen – zwischendurch unterwegs, um Mörtel zu besorgen. Es kamen altersproblematische Rohre zum Vorschein. Mir wäre wohler, wenn das über die Hausverwaltung gegangen wäre! Da das Modell nicht 100% dem alten entspricht ist ein Abdruck des Vorgängers auf den Kacheln, der sich nicht wegputzen lässt, alles hässlicher als vorher. (Dabei hatten wir das alte kraft vereinter, kontinuierlicher Putzkünste, Tipps von allen Seiten bis hin zu „frag Mutti“ in relativ akzeptablen Zustand gebracht).
Eure Wohnung wird immer schöner, jetzt auch mit Vorhängen, belebtem Balkon und neuem Klo! Die Rechnung vom Klemptner dürfte hoch sein. Müsst ihr das selber zahlen. Dein Kulturprogramm hätte deinen Eltern gefallen. Manchmal lese ich auch in alten Blogeinträge, wenn ich mir etwas in Erinnerung rufen will, was z.B. letztes Jahr war. Ich hätte auch mal wieder Lust ins Tribeca zu gehen. Toll, dass man nicht dauernd konsumieren muss.
Es wäre zu schade wenn euer Balkon nur für die Insekte da wäre. Der japanische Film ging mir doch mehr nach als gedacht. Für mich unvorstellbar was diese „Verdunsteten“ (schon allein der Begriff) auf sich nehmen.
Deine kulturellen Aktivitäten sind bemerkenswert.
der Besuch im Tribeca, die Stellen aus „Die deutsche Seele“-alles war ganz zauberhaft, inclusive dem Nieselregen, der die Woche einläutete! Und was bin ich froh, dass ich nicht mit ins HP8 gegangen bin. Das Thema ist gruselig, egal ob es um Selbstmord, Geheimdienst, Schutzhaft, Verdunsten geht. Die eigene Identität aufgeben (müssen) – ist da nicht immer eine Form von Gewalt im Spiel ist?