Idyllische Insel, Radeln und Wattwandern, Gürtelrose, Mittsommer

Montag: Wir leben uns in der Ferienwohnung und auf der Insel ein. Morgens nach dem Frühstück mit Blick aufs Meer E-Bikes ausleihen und Lebensmittel einkaufen. Viele regionale Produkte im Hofladen erstanden. Später mit den Rädern eine große Runde über die Insel gefahren. Neben dem touristischen, aber schmucken Hauptort Wyk, wo wir unter gekommen sind, gibt es viele Felder, Wald und Tiere. In den kleinen Orten stehen hübsche reetgedeckte Häuser. Idylle pur. Gut, dass unsere Fahrräder Motoren haben. Trotz der flachen Gegend hat es viel Wind, gegen den man antreten muss. Am frühen Abend in der Strandbar ein Bier, dort mit Touristen gequatscht, die Frau kam auch aus Bielefeld. Später kochen. Auf dem Sofa fielen uns beiden schon früh die Augen zu, sei es durch die Sonne oder den Wind.

Dienstag. 2. Hochzeitstag. Mit den Rädern herumgestreift, eingekauft. Langer Strandspaziergang, abends wieder Fisch essen. Ich mag es hier in Nordfriesland. Die einheimischen Menschen sind so freundlich und haben eine nette Art zu sprechen, so wie Käptn Blaubär. Das Moin, mit dem man zu jeder Tageszeit grüßt,  kommt mir leicht über die Lippen.

Mittwoch: Eine erneute Radtour bringt uns zum Museum „Kunst der Westküste“. Sehenswerte Ausstellung. Krabbenbrötchen mittags. Langsam kenne ich mich hier aus. Was mich echt irritiert ist, dass die deutschen Urlauber nicht nur alt, sondern zumeist auch mit orthopädischen Gebrechen versehen sind und überhaupt nicht schön anzusehen. Ist das jetzt die Normalität, sozusagen die Zukunft unserer Gesellschaft?

Donnerstag: Wir machen eine geführte Wattwanderung von Föhr nach Amrum. Gemeinsam mit ca 17 Personen starten wir bei kniehohem Wasser, das sich im Laufe der Zeit zurückzieht, so dass man auf dem Meeresboden laufen kann. Kurz vor Amrum gibt es einen 70 cm tiefen Priel, den man durchwaten muss. Nach 3 Stunden kommen wir auf Amrum mit seinem herrlichen weißen Sandstrand an, Eis essen und zurück mit der Fähre nach Föhr. Ein sagenhaften Erlebnis.

Freitag: Ewig geschlafen, so erschöpft von der Wanderung. Seit einigen Tagen habe ich eigenartige stechenden Schmerzen am Kopf und einige unklare „Stiche“ am Hals. In der hiesigen Apotheke nach einer Salbe gefragt. Der Apotheker schickt mich postwendend zur Ärztin am Ort, die mich glücklicherweise Freitagnachmittag noch anschaut und die Diagnose „Gürtelrose“!!! des Apothekers sofort bestätigt. Einen Haufen Medikamente soll ich nehmen und Tinktur zum Auftragen. Ich bin komischerweise erleichtert, dass ich weiß, wo die Schmerzen herkommen. Von Bettwanzen bis Hirnhautentzündung hatte ich mir alles schon ausgemalt.

Samstag: Nochmal zur Apotheke, ein bestelltes Mittel gegen die Nervenschmerzen holen, wird auch gegen Depressionen eingesetzt. Beim Rausgehen trage ich einen Schal um den Kopf, da ich Sonne vermeiden soll. Praktisch, dass es hier nicht so heiß ist wie im Rest Deutschlands. Heute machen wir noch einen kleinen Fahrradausflug, Packen und gehen Pizza essen nach dem ganzen Fisch der letzten Tage. Abends in unsere Lieblings Strandbar bis zum Sonnenuntergang. Heute ist Sommersonnenwende.

 

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5 Antworten

  1. Heike sagt:

    Nach deiner Schilderung wäre ich nie auf Gürtelroise gekommen… Wie belastend! Das tut mir leid. Gottlob wurdest du gleich „beurteilt“! – Wie erholsam kann jetzt noch alles sein? ´Dabei klingt alles beschaulich u abwechslungsreich. -Leider sind alte Menschen – zumal in Massen – nichts Anmutiges. Ich muss mir bei dieser abweherenden Beurteilung immer bewusst machen, dass ich selber eine von ihnen bin. Erschreckend.

    • Ines sagt:

      Ich hoffe, du fasst die Beschreibung der Menschen nicht als abwertend auf. Es sollte beschreibend sein. Dass ich auch langsam zu den Alten und Gebrechlichen gehöre, ist mir wohl bewusst, vielleicht finde ich es deshalb erschreckend. Manche ältere Menschen sehen sehr gut aus. Aber die sind alle nicht auf Föhr.

  2. Beate sagt:

    Gürtelrose- schon mehrmals drängte mich meine Ärztin, mich impfen zu lassen! Hoffentlich hast du einen leichteren Verlauf und kannst den Rest des Urlaubs genießen! Ihr habt ja in einer Idylle gebucht.

  3. Heike sagt:

    Ich hatte mich zwar verschrieben, wollte aber nicht abwertend schreiben, sondern abwehrend, glaube ich. Es war durchaus beschreibend – und außerdem ist es ja wahr. Ein Haufen alte, schiache Leute erfreuen niemandes Auge. Die Bewohner dagegen kommen furchtbar sympatisch weg.

  4. Renate sagt:

    Das Moin früh, mittags und abends mag ich auch sehr. Der Wind gehört einfach dazu. Ist mit dem Rad ohne Motor sehr kräftezehrend. Gürtelroseimpfung, der Zettel liegt seit Ewigkeiten auf meinem Tisch. So wie du es beschreibst hast du einen leichten Verlauf. Sei froh!

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