2025-07-20- Bein, Hals, Ohr + Termindebakel – sozial + kulturell + kulinarisch in EINEM – Schreibgruppe beinah gescheitert + kostbare Fracht
Letzten Sonntag vergammelt. Das Bein schmerzt, klopft, spannt, heizt, juckt, gleichzeitig taub unterm Knie, die neuralgischste Stelle, handtellergroß – drohende Thrombose. Ich würde gern spezieller vorgehen, stehe früh auf am Montag. Onlinebuchungen scheitern. Bei der „Wahl der Kasse“ erscheint NUR „privat“, oder erst in Wochen ein Termin, oder, bei „Notfall“, „diese Option nicht verfügbar“. Wenn Telefon möglich ist, geht niemand dran oder: „Aufgrund unserer Personalsituation….“. Um ins Rotkreuzklinikum zu gehen scheint es mir nicht dramatisch genug. – Erstmal will ich Singen. Hinterher Anruf Phlebologiepraxis: Sie bieten mir (auf meine Email hin) einen Februar-Termin an. – Soeben bei der Logopädin um Pause gebeten. Meine Abneigung gegen sie wird obsessiv. Sie zeigt Verständnis: Sollte sie mir Druck gemacht haben, tut es ihr leid; das wollte sie nicht. Ich hatte geschrieben, die Termine könnte ich ohne Weiteres wahrnehmen, dem Druck des Übungspensums aber aufgrund meiner momentanen Problemlage nicht standhalten. Ich kann in Ruhe überlegen. – Stattdessen habe ich die Akustikerin einen Termin Anfang August. In ihrem System steht als letzter Eintrag: 2015! Seither das Hörgerät nicht getragen!!!- Mittwoch und Freitag Physio, Übungen und Wärme statt heilsamer Berührung, leider HWS, weil Bein auf dem Rezept kein Thema war, es ging um Schwindel. Von den Übungen habe ich mir den Hals verrenkt. – Inzwischen online Termin bei irgendeinem Orthopäden ausgemacht, ganz unzpezifisch.
Am Dienstag mit Susanne bei Susan Sontag, abends mit Martha Vortrag zu „Gnade“ im Werk Thomas Manns. Dazwischen Bein hoch. Endlich beherzige ich die Mahnung, zu kühlen – und schlafe mit dem Eisbeutel (ohne Handtuch!) zwei Stunden lang! An der tauben Stelle spüre ich das ja nicht, kann danach nachts vor Sorge kaum schlafen. Habe ich mir eine Erfrierung zugezogen? – In dem hochinteressanten Vortrag über Thomas Mann (auf diese Aspekte hatte mich meine Fronleichnamsbekanntschaft schon eingeschworen) saß vor uns ein Psychopath, der exzessiv Nase, dann Ohr bohrte und zupfte und sich immer wieder umdrehte und die Dame hinter sich anging, mit seinem Finger auf ihren Schreibblock einhieb, sie habe ihn nicht zu berühren, sie solle sich wegen ihrer Erkrankung behandeln lassen usw. Martha hatte ihn schon beim Reinkommen wahrgenommen und gehofft, er möge keine Bombe in seiner Tasche haben. Hinterher brenzlige Situation, ich hatte die Fantasie, er werde Martha zusammenschlagen, die freundlich sagen wollte, er sei aber nicht sehr nett. Offenbar – was ich nicht gesehen hatte – hatte die Dame ihm tatsächlich einmal auf die Schulter getippt um ihn zu bitten, die ekelhaften Handlungen zu unterlassen. — Exzessive Whatsapps mit der Nachbarin, wie Online-Therapie. – Nur durch Verabredungen (oder Singen) bringe ich mich in Stellung, ansonsten hänge ich herum. – Ich treffe Beatrix im Mensch-und-Natur; eruiere, ob sich das für uns zum Schreiben eignet, verwerfe die Idee. – Michi und ich haben uns durch Dantes Hölle gequält. Bevor wir ins Fegefeuer übergehen pausieren wir und nehmen es mit Joseph und seine Brüder auf. Auweia, ist das auch anstrengend! – „Der heißeste Sommer aller Zeiten“ fühlt sich an wie November; inzwischen ist es besser. – Am Samstag extrem reduzierte Runde bei Dasein. Etliche sind verreist, eine kurzfristig psychisch entgleist, eine hat sich nicht gerührt, nur eine ist pünktlich – wir beratschlagen, was wir jetzt machen… Zu zweit schreiben? Woanders hingehen? Nach einer Viertelstunde kommt noch eine; wir fangen also an; nach fast einer Stunde – noch eine… Nach anfänglichem Frust wurde es besonders schön und ergiebig. Hinterher zu Hause kurz „versorgt“, dann ab zu Gabriele in den Garten, bis sich ein Gewitter ankündigt, das dann doch ausbleibt. – JUBEL: Annas Paket ist gekommen! Ich hatte mir etliche ihrer wunderbaren Tassen gewünscht. Unendlich sorgsam in Stoßdämpfer wie Schaumstoffe eingebettet haben mich die edlen Kunstwerke erreicht. Ich kann nicht erwarten, sie „in Gruppe“ einzuweihen.
Die Schwierigkeit einen passenden Arzttermin zeitnah zu bekommen ist furchtbar. Wie frustrierend, wenn es auf alle erdenklichen Wege nicht möglich ist. Kein Wunder, dass viele in die Notaufnahme fahren, wenn es eigentlich nicht nötig wäre. Körperlich hast du gerade viele Baustellen. Unglaublich, dass du 2015 die Hörgeräte zuletzt ausprobiert hast, ich kann mich noch so gut erinnern. Zum Glück hast du das Schreiben und Lesen und die kulturellen Ereignisse, die dir wieder Kraft geben. Ich freu mich schon aus den schönen Tassen von Anna mal bei dir zu trinken.
Anna‘s Tassen- ein Kleinod! Da gratuliere ich dir! Dass Du solche Schwierigkeiten hast, einen zeitnahen Arzttermin zu bekommen, ist zugleich empörend und „Normalität“, wie sie derzeit Einzug hält. Bedenklich! Du bist so überaus aktiv, trotz deiner Verletzung.
Singen, schreiben und diese besonderen Tassen bringen dir Freude, darüber kannst du die Schmerzen in deinem Bein ein wenig vergessen. Der Ärger mit den Terminen bleibt. Es kann einem himmelangst werden was da noch auf uns zukommt.