Rudelsingen auf Tollwood, Essen mit Trisomie 21 Sprechstunde, Mateo-Tag und -Wochenende, Alpenfreibad Bayrischzell

Montag Abend war ich nach der Arbeit alleine auf Tollwood, da mich das Rudelsingen interessiert hat, von dem ich schon öfter gehört hatte. Außerdem sollte Pfarrer Schießler dabei sein, den ich auch nur von seinem Ruf kannte. Ich hatte vorab etwas Zeit, lief über das Tollwood Gelände und kaufte mir etwas zu essen, das ich im Gehen verspeiste. Auch auf Tollwood ist die Generation der Boomer (Geburtenstarke Jahrgänge, die jetzt um die 60 Jahre alt sind) in der Mehrzahl, so auch in der Half Moon Bar, wo das Rudelsingen stattfand, das kurzfristig wegen angekündigtem Unwetters dorthin verlegt wurde. Für mich fühlt es sich immer eigenartig an, etwas alleine zu unternehmen. Ich fühl mich fremd und meine Selbstaufmerksamkeit ist stark erhöht. Die anderen Leute, die dicht an dicht zusammen standen, haben mich eher abgestoßen. Als es endlich losging, brach der Regen los. Der Pfarrer hielt eine Ansprache über Mut. Es hätte auch ein bayrischer Kabarettist auf der  Bühne stehen können. Talent zum Reden hat er, kein bisschen wie ein Pfarrer, ich war am Ende dennoch berührt. Danach kamen zwei Musiker, ein Sänger und einer mit verschiedenen Instrumenten auf die Bühne, die bekannte Stücke vom deutschen Volkslied über Pop der 80 er bis zu aktuellen Songs auf Englisch sehr mitreißend präsentierten. Die Menge, das Rudel, so auch ich, sangen von der 1. Sekunde an laut mit, denn die Texte waren auf eine Leinwand projiziert und deswegen waren wir ja auch gekommen. Die Stimmung wurde schlagartig schön und ich bekam Glücksgefühle durch das gemeinsame Singen. Der sehr gute Sänger auf der Bühne unterbrach immer wieder seinen Gesang, so dass nur das Publikum zu hören war, wie bei einem Konzert wo alle den Text auswendig können. Mit Pause dauerte es über 2 Stunden, danach war ich heiser, mir taten die Füße weh, aber happy. Ich fands auch gut, dass ich alleine war. So habe ich ganz ungeniert einfach mit gegrölt. Sagenhafte Erfahrung. Das nächste Rudelsingen im Oktober will ich wieder mitmachen.

Dienstag waren die Kolleginnen von der Trisomie-Sprechstunde und ich nach der Arbeit gemeinsam Essen im Incontro. Das Lokal hatte ich ausgesucht, es ist einer unser Lieblingsitaliener. Susann, meine inzwischen berentete Kollegin, kam auch und wir hatten einen lustigen Abend mit sehr gutem Essen. Zum Glück, denn – da ich das Lokal vorgeschlagen hatte – fühlte ich mich verantwortlich. Susann und ich haben uns für August mal privat verabredet, auch schön.

Am Mittwoch Yoga und später Physio, dann auf zu Mateo. Wie meistens am Mittwoch, war Sören da. Wir gingen ein bisschen nach draußen, und halfen Maja beim Container-Müll und beim Einkaufen. Da sie im 3. Stock Altbau ohne Aufzug wohnt, ist es mit Baby immer sehr mühsam, schwere Sachen zu schleppen und gleichzeitig das Baby zu tragen, zumal Maja nicht so stark ist wie ich es von mir aus dieser Zeit in Erinnerung habe. Ich hatte Maja immer im Tragetuch und zusätzlich die Einkäufe auf dem Rücken, fühlte mich stark und unbesiegbar.

Donnerstag war nichts Besonderes los.

Freitag nach der Arbeit Fitnessstudio und dann nach Schliersee, wo uns dieses Wochenende Bernd, Maja und Mateo besucht haben. Wir waren am Samstag mit Mateo im Alpenfreibad in Bayrischzell. Dort ist die Zeit stehen geblieben, ein Freibad wie vor 50 Jahren, ganz leer und friedlich mit Blick auf die Berge drum herum. Mateo wurde nur mit den Füßen gebadet, da das Wasser doch noch zu kalt für ihn war. Abwechselnd schwammen wir ein paar Runden, kauften uns Pommes und genossen im Schatten der Bäume die schöne Atmosphäre. Später noch Essen im Biergarten des Ratskellers und den Rest des Tages am Haus. Obwohl Mateo kein schwieriges Baby ist, sind wir alle 4 irgendwie mit ihm dauerbeschäftigt, und sei es nur, ihn anzuschauen und seine Gesichtsausdrücke und seine körperlichen Fortschritte zu beobachten und zu bejubeln.

Heute, Sonntag, mittags wieder nach Hause. Heute genießen wir die Zweisamkeit und später noch Tanzkurs.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

2 Antworten

  1. Heike sagt:

    Selbstaufmerksamkeit, das habe ich noch nie gehört, aber werde ich es ab sofort in meinen Wortschatz integrieren, trifft es doch den Nagel auf den Kopf von etwas, das ich bestens kenne. Für dich eher ungewohnt, ohne die Deckung einer anderen Vertrauensperson unterwegs zu sein? Ich kenne beides und spüre deutlich den Unterschied. – Ein bayrischer Kabarettist – auch das trifft es, dabei ein begnadeter Prediger. Dass du die Masse als abstoßend erlebt hast – zumal in dieser Altersklasse – kein Wunder, aber das Singen hat alles verwandelt.- Euer Schwimmbad klingt nach etwas verloren Geglaubtem. – Und ja, wir waren stark, haben wahnsinnig viel geschafft – vielleicht ist da irgendwas anders geworden?

  2. Renate sagt:

    Das Rudelsingen, dicht an dicht, hat dich letztendlich doch noch gepackt. Toll dass du von Anfang bis Ende mitgeschmettert hast. Das Alpenfreibad scheint wie aus der Zeit gefallen. Mateo, war wie auf dem Foto zu sehen, skeptisch ob des kalten Fußbades.

Schreibe einen Kommentar zu Heike Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert