2025-08-02- Von zerschlagenem Porzellan, Kehle, Zecke + Steuer, Nackenschmerz, begrabenem Hamlet, ins Wasser gefallener Kassandra, kleiner Rose + 1001 Nacht

Hin und Her mit Dodo. Sie will in aller „Herzlichkeit“ den Konflikt klären, am liebsten im Chiemgau auf der Insel. Ich bekenne Farbe, dass mir weder nach Herzlichkeit noch nach Insel zumute ist. Ich habe den Krieg erklärt, inzwischen einen ausgiebigen Brief geschrieben (mit Original-Zitat von Renate!). Wie zu erwarten – sie versteht überhaupt nichts. Ich kann nicht anders und komme nicht über die Hürde. Kostbares Porzellan zerschlagen.

Die Stimme/Kehle tut weh wie vor der Logopädie. Kann das die enorme Lautstärke im Café Luitpold gewesen sein? Natürlich gehört das zu den Dingen, die ich meiden sollte. Ich fühlte mich, als hätte ich die Carmina Burana abends mitgesungen. Diese geht mir allerdings die ganze Woche nach und ich summe (das darf ich!) und dirigiere… – Mo früh habe ich (nach Spaziergang mit Bine!) eine Zecke entdeckt. So geht’s nach meiner letzten Physio zur Hausärztin. 2018 bin ich wochenlang antibiotisch wegen Borreliose behandelt worden, bin also vorsichtig. Habe dennoch versucht, Hand anzulegen, vergeblich. Auf der Pritsche ist nur noch Röte, aber die Zecke über alle Berge. – In der Physio bekam ich wegen starker Benommenheit, leichtem Schwindel diesmal die ersehnte Behandlung mehr am Hinterkopf als am Nacken. Ihr Zugriff war mehr als kräftig. So brauche ich am Samstag immer noch IBU, kann meinen Kopf kaum drehen, nicht nicken, aus dem Kissen heben – das war zuviel des Guten! – Am Dienstag bei Lioba zu Hamlet. Gemeinschaftlich (ohne Susanne, die sicher anders gestimmt hätte!) beschlossen, dass diese erste Lesung unsere letzte gewesen sein soll. Wir hatten wenig Freude daran, es ist mühsam und anstrengend. Ich persönlich habe keine Lust auf die Übersetzung von Günter Frank, weil mir Schlegel besser gefällt; zudem macht es mir keinen Spaß, ohne hin und wieder zu vergleichen und aufs englische Original zu schauen. Das aber ist in der Größe der Gruppe umständlich. Wenn auch Wilhelm mit Hamlet identifiziert ist – ich hab jetzt genug und will zu Goethe zurück, ich glaube, wir alle. – Am Mittwoch war ich – etwas lustlos – wieder bei MEINER „richtigen“ Ärztin zur TCM-Behandlung. Ich spüre keinerlei Veränderung und hadere, weil das auf Dauer ins Geld geht und ich die scheußlichen Kräuter ungern einnehme. Aber wer weiß, vielleicht hilft es auf Dauer? – Abends – nach gründlicher Termin-Planung – sollte KASSANDRA in der Glypthothek gespielt werden. Regenwetter. Ich so müde! Hab mich aufgerafft, wundere mich an der Tram, wo die anderen bleiben (Renate und die drei aus der Borstei), schreibe an alle, rufe Renate an, bin aus Versehen eine Stunde zu früh dran! Wieder heim, nochmal los, bei rauschendem Regen angekommen. Eine überschaubare Gruppe Hartgesottener wartete auf „Einlass“. Dann erfahren wir, dass wir mit unseren Karten auch ein andermal kommen dürfen. Hätten wir das gewusst! Heim gegangen und vor der Glotze versumpft, statt zu schlafen wie geplant. – Am Donnerstag Morgenspaziergang bei herrlichen Wolkengebilden. Abends „Kleine Rose“, recht nett diesmal. – Vom Freitag ist bei mir NICHTS hängengeblieben. Habe ich NICHTS gemacht? Ohja, Michael kniet sich jetzt in die Steuererklärung rein, wir gehen nächste Woche erstmals zu einem Verein. So kenne ich ihn nicht, diese Akribie! Bei mir hat der Steuerberater einfach alles auf den Tisch gekriegt und selber sortiert! Möglicherweise geht das so nicht mehr. Aber natürlich gibt es ständig Nachfragen und Dinge, die ich Michael raussuchen muss. Dabei hatte ich gesagt, bei mir liege alles bestens präpariert bereit.

Ich lese ein Buch von Edgar Selge, dessen Vater Gefängnisdirektor in einer Musikerfamilie war – ein „kultiviertes“ Familienleben mit Hauskonzerten und Dostojewski, aber mit Misshandlungen und Missbrauch, was ich kaum aushalte; ich lese mit Angst; es sprengt das „normale“ Maß dieser Zeit. – Mit Michi weg von Joseph – 1001 Nacht. – Es ist Samstag. Ich räume Papier und Klamotten. Jederzeit kann passieren, dass ich Ausflüchte mache und alles liegenlasse. Sollen die Winterklamotten wieder raus? – Laura Dahlmeier ist verunglückt. War nicht kürzlich auch ein bekannter Flieger seiner Leidenschaft in den Lüften erlegen? Es bewegt mich sehr. Jetzt gehört sie dem Berg.

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3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Das Buch von Edgar Selge fand ich auch zum Teil unerträglich zu lesen. Laura Dahlmeiers Schicksal hat mich ebenfalls mitgenommen. Dass sie dort jetzt liegt und nicht geborgen wird, finde ich einerseits furchtbar, andererseits entsprach es wohl ihrem Wunsch. Zu deinem Konflikt mit Dodo fällt mir ein, dass es mit ihr und auch mit anderen engen Freundinnen in der Vergangenheit immer mal wieder zu solch Kriegserklärungen deinerseits gekommen ist. Ich kenne es ja aus eigener Erfahrung und empfinde diesbezüglich mit Dodo, die nicht weiß, wie ihr geschieht und die jetzt um eure besondere Freundschaft bangt. Aus der Erfahrung weiß ich aber, dass es kein Bruch auf ewig ist, was ich euch beiden wünsche.

  2. Renate sagt:

    Ich finde die Vorstellung schlimm, dass der Körper von Laura D. irgendwo in einer Wand hängt. Weder starken Zugriff in der Physio noch bei Massagen dulde ich. Hinterher IBU zu nehmen kann doch nicht in Ordnung sein. Du schreibst inzwischen oft von körperlichen Beschwerden.

  3. Beate sagt:

    Dass Laura Dahlmeier verunglückt ist, hat mich auch sehr mitgenommen. Sie wollte in den Bergen bleiben, auch der Respekt, vor diesem Wunsch hat mich sehr berührt. Und jetzt lese ich, wie es am Dienstag in derGyptothek gelaufen ist! Der Dauerregen soll endlich mal aufhören!
    Edgar Selge wohnt ja in unserer Gegend, ich bin ihm schon ein paar Mal übern Weg gelaufen und im Colibris signiert er seine Bücher,„Hast du uns endlich gefunden“ hat mich ambivalent berührt.
    Mensch, die Dodo! Mir fällt da gar nix dazu ein, außer, dass sie so außerhalb der Arbeitswelt steht, dass si wohl gar nicht die Dimension des Konflikts ermessen kann

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