Salve, Unternehmungen und Alexanders Mutter

Und immer wieder Regen, Regen. Am Dienstag hatte ich aus Versehen keinen Schirm eingesteckt. Hamlet lesen mit verteilten Rollen begeisterte uns nicht. Danach war ich, immer noch ohne Schirm, auf dem Weg zum Salve, es war der letzte Abend vor deren Sommerpause und es ging unglaublich zu. Man konnte sich kaum unterhalten. Ich erzählte Lilliana ( sie bedient da) als ich zahlte, dass ich noch mal Oma werde und dass meine Enkelin Lilliane heißen soll. Sie gratulierte mir und meinte, ab jetzt werde ich mir wohl immer ihren Namen merken. Inzwischen bin ich so gerne da, es ist wie ein zweites Wohnzimmer.
Diese Woche war ich sehr Sportfleißig mit zwei ausgiebigen Fitnesscenterbesuchen und jeden übrigen Tag mit Alina trainieren.Ich merke, dass es mir schon gut tut, aber gleichzeitig merke ich auch, dass ich mit Balance und gelenkig sein nicht gut beieinander bin. Und es fehlt so sehr der Ehrgeiz, in einen besseren körperlichen Zustand zu kommen, wobei ich auch gar nicht wirklich daran glaube, dass ich jemals in einen besseren Zustand kommen kann.
Die meiste übrige Zeit habe ich auf der Couch lesend verbracht. Knausgard, der Morgenstern. Ich bin mmmer wieder von seinem Stil fasziniert und welch weites Feld an Fantasie, Gedankenflut, Weltbetrachtung tut sich auf. Leider bin ich schon fast am Ende angekommen.
Am Samstag war ich zum Kartenspielen im Kloster verabredet. Ich spiele gerne Karten, die beiden Freundinnen von Katharina kenne ich nicht und sie interessieren mich auch nicht sonderlich Mit Katharina habe ich seit geraumer Zeit kein gutes Verhältnis mehr. Sie war schon immer schnell mit schnippischen Kommentaren dabei, was mal lustig, mal leicht unverschämt daher kommt. Aber diesen Samstag trat sie allen gegenüber so überheblich und bevormundend auf, dass ich richtig verstimmt war. Ein offenes Wort steht an. Doch bin ich inzwischen so geladen, dass ich dazu tendiere, einfach erst einmal abzutauchen und Distanz zu halten.
Am Sonntag war ich bei Alexander, dem Mann meiner Freundin Gabi zum Geburtstag eingeladen. Die beiden wohnen am Domberg in Freising, es ist ein so überaus schöner Platz. Wir waren 20 Leute, es war ein schönes Fest mit Kaffee und Kuchen am Nachmittag und warmem Essen am Abend, ich hatte auch gekocht und kam mit vollen Körben an. Unter all den Gästen beeindruckt mich die Mutter von Alexander besonders. Sie ist groß und stets elegant gekleidet, raucht, unterhält sich mit allen Gästen gerne und wird Ende August 98 Jahre alt. Als wir alle aufbrachen, kutschierte ich sie noch nach Hause ( sie war mit der Bahn gekommen und sportlich den Domberg hoch gestiefelt) Sie wohnt in Solln in einem Haus allein und zeigte mir ihr neues Bad. Als ich heimfuhr, dachte ich angestrengt drüber nach, dass alt sein, sich alt fühlen, wirklich eine relative Angelegenheit ist

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3 Kommentare

  1. Heike sagt:

    Mit 98 Jahren noch so interessiert und zugewandt zu sein finde ich erstrebenswert. Wenn ich spüre, wie weh jetzt schon alles tut bin ich persönlich nicht darauf aus! Dass ein übler Zustand besser werden halte ich für möglich – allein der Preis ist hoch. Und top wird es wohl nicht mehr. – Dein Knausgard würde mich auch interessieren! – So kannst du dein Enkelmädchen schon beim Namen nennen…

  2. Heike sagt:

    Hab vergessen zu schreiben: die Kausa Katharina ist altbekannt. Aussitzen, abtauchen, ein offenes Wort oder Porzellan zerschlagen? – die Möglichkeiten sind mannigfaltig und müssen je nach eigenem Charakter herhalten. Die interessanteste Frage ist ja die, wie es kommt, dass man solche Verhältnisse am Leben erhält. Sind es fruchtbare Herausforderungen oder haben sie sich überlebt? – Was ist Salve?

  3. Ines sagt:

    Lilliane find ich süß. Wird dann wahrscheinlich Lilli gerufen. So ein Stammlokal in der Nähe zu haben, in dem man bekannt ist und sich zu Hause fühlt, finde ich erstrebenswert. Dass du nicht daran glaubst, dass dein Zustand bezüglich deiner sportlichen Fähigkeiten besser wird, wundert mich. Dann tut es dir vielleicht für den Moment gut, indem du Sport machst. Irgendwas Positives sollte dabei herausbringen.

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