2025-08-16-Oskar-Maria-Graf-Fieber – Schwimmausflüge – Literarisches – unbändige Müdigkeit und Herr Diemer

Seit Renate von der geplanten Oskar-Maria-Graf-Führung um Aufhausen gesprochen hat, habe ich sie beneidet. Sonntag früh habe ich kurzentschlossen gefragt, ob ich mitkommen kann. Wie hat sich das gelohnt! Innerlich geht mir alles nach. Fast alle TeilnehmerInnen kannten „das Leben meiner Mutter“; jeder aber liest vermutlich etwas anderes hinein oder heraus. Die Führerin des literarischen Spaziergangs brannte für diesen besonderen Dichter. Immer entzückt es mich, wenn ein Mensch (wie er) früh spürt, was in seinem Innersten angelegt ist und sich durch nichts beirren lässt. Ein herrlicher, gemeinsam erlebter Ausflug ganz nach meinem Geschmack.

Montag. Ich muss mich zu irgendwas motivieren. Hänge außer Friedhof und Einkauf nutzlos herum. Miese Stimmung mit Michael. Mit Dodo ein Schlusspunkt. Sie zitiert Hesse, spricht vom „Loslassen“. Ich bin zum „Los der Unverstandenen“ verdammt. Was für ein Scheißtag. Während Michael ausgewandert ist bekomme ich von Renate Bohnen aus dem Garten. Wie schmecken diese frischen Gemüse köstlich! Die Gurken so knackig, und solche Bohnen habe ich überhaupt noch nie gegessen, wusste nicht, wie gierig man darauf werden kann. Es geht mir wie Rapunzels Mutter.

Dienstag. Wie immer legt sich dicke Luft aufs Gemüt. Sie einzige Unternehmung führt per Fahrrad zur Fußpflege. Langsam kriegen wir uns dann wieder ein und können 1001 Nacht fortführen.

Mittwoch. Was ist schlimmer: Hitze oder die Angst davor durch ständige Warnungen? Wir raffen uns um 6:55 Richtung Tram auf, um nach Possenhofen zu fahren. Zwölf unangesagte Minuten S-Bahn-Verspätung nach der Hetzerei. Auf dem Rückweg hoch zur S-Bahn – Ausfall. Über Tutzing erst S-Bahn, dann überfüllter Regionalzug. So wurde es Mittag, wegen der Hitze höchste Zeit. Schwimmen überaus angenehm, zur frühen Stunde ganz innerhalb unserer Altersklasse. Ich muss mir Bewegung auferlegen, immerhin ist der Widerstand momentan kleiner. Immer die Ärztin im Ohr. – Nach Frühstück und Küchenarbeit „darf“ ich lesen. Ich lasse alles andere liegen und fange wieder mit dem „Leben meiner Mutter“ an – lese es diesmal anders, lese vom dreißigjährigen Krieg, den Erbfolgekriegen; es ist Geschichte „von unten her“ – es packt mich beim dritten Durchgang wie beim ersten. Dieses Bauernleben voll Arbeit, Bigotterie, Entbehrungen und diese Bräuche! Gerade eröffnet der Stellmacher Maxl gegen allen Widerstand und Missgunst seiner Umgebung seine Bäckerei. Sein Ofen ist fertig und er trägt sein erstes Brot dahin, wo die „feinen Leute“ sind, denn seine dörfliche Nachbarschaft wendet sich bösartig ab. Wer aber davon kostet: Keiner hat je sowas Gutes gegessen. Der Duft zieht verheißungsvoll durch den Ort, im übertragenen Sinn bis zur Resl im Heimrathhof – für die kundige Leserin eine Duftspur in die Zukunft hinein.

Mit 1001 Nacht aufgehört. Ab der dreißigsten Nacht wird es sado-masochistisch. Wir haben die sexuelle Bedrängnis, nicht der Frauen, sondern der Männer schlagartig satt. Jetzt sind wir nach kurzer Ratlosigkeit auf das „Dritte Auge“ umgestiegen, was ich auch schon zweimal gelesen habe: Die Geschichte eines Tibeters, dem siebenjährig von den Astrologen eine Zukunft als Medizinmönch vorausbestimmt wurde. Manches erinnert an Großer Tiger und Christian in der benachbarten Mongolei, solang es sich in der Kindheit des Ich-Erzählers bewegt. Man erfährt viel über Tibet, es liest sich geschmeidig. Leider kommen wieder Prügelstrafen vor – allerdings werden sie nicht ausgebreitet.

Die heiße Woche haben wir für weitere Ausflüge ans Paradies genutzt. Froh um jede Bewegungsstunde: Weg runter (Trippeln wegen des Schotters): 20 Minuten, Schwimmen: 20 Minuten, Weg hoch: 25 Minuten – ein gewisses Pensum. Dass ich davon Muskelkater bekomme sagt alles. – Regen hat der neu zu etablierenden Routine vorübergehend einen Riegel vorgeschoben. Ich bin lustlos und wahnsinnig müde, schlafe ständig ein. Der letzte Vitamin D-Wert bei sieben. Vielleicht deshalb? – Am Donnerstag war ich erstmals in einem neuen Praxisraum in meiner Nähe bei Herrn Diemer. Seine Behandlung und unser Gespräch gibt meinen schwierigsten Zuständen einen Sinn.

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4 Antworten

  1. Ines sagt:

    Fleißige Schwimmerin bist du und noch dazu das umständliche Hin- und Wegkommen. So wie du die Bohnen aus dem Garten beschreibst, bekomme ich gleich auch Lust darauf. Das Leben meiner Mutter habe ich nie gelesen. Vielleicht sollte ich das jetzt mal nachholen. Dicke Luft in der Beziehung ist schrecklich, zum Glück hat sie nicht lange angehalten. Ich konnte nicht herauslesen, ob ihr einen Konflikt hattet oder die Stimmung einfach mies war.

  2. Ines sagt:

    Bei so einem krassen Vitamin D Mangel ist die Müdigkeit nicht verwunderlich. Nimmst du keine Vit D Ergänzungsmittel ein?

  3. Renate sagt:

    Es ist was anderes gekaufte Bohnen zu essen, als frisch gepflückte. Dass ihr bei der Hitze nach Possenhofen seid, finde ich bewundernswert, besonders weil es mit der DB oft Probleme gibt. Belohnung das Schwimmen im Starnberger See. Ich weiß auch nicht ob Müdigkeit vom Vitamin D Mangel kommt. Mein Wert liegt bei 9.

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