2025-08-30 – 3-er Schreibgruppe, Kassandra, Auftakt zu den Lehrjahren, anderer 3-er auf Penzbergausflug – eine unverhoffte Kontaktaufnahme mit Susa – Literarisches

Diesmal fange ich erst am Donnerstag an. Ist es gut, schlecht oder „normal“, dass ohne Fixieren alles entgleitet? Immer dieselbe Frage. Noch ist mir das sonntägliche Schreiben in Erinnerung, zumal es meine verkorkste Kindheit angetriggert hat. Gestern auf halber Strecke in einen Film mit Robert de Niro geraten. Auch er war darin kein perfekter Vater, aber zu einer herzlichen Umarmung imstande, was mir einen Stich gibt. Das Thema ging unter die Haut, Lesebeispiele trefflich. Alles hat sich von der geplanten Idee entfernt, wenn bei uns Vieren eine, in dem Fall Renate, fehlt bzw. wechselnde Triaden in größeren Konstellationen. Das begleitende Gespräch bewegte und wirkt nach.

Am Montag holten wir Kassandra in der Glyptothek nach. Beate und Susanne fehlten, dafür war Barbara aus der Borstei dabei. Ein lauer Abend, der Innenhof extrem gefüllt, die Sprechleistung unter freiem Himmel eine enorme Herausforderung. Der „Kellner“ bat um Mithilfe, es war allein nicht zu schaffen. Besonders haben mir die Rollenwechsel des Priamos gefallen, wechselweise war er Kassandra, Hekabe oder die Amme. Zu sechst ist zu viel. Man kann nicht gleichermaßen mit allen verbunden sein. Auch hier wechselnde Triaden und Diaden.

Anders am Dienstag bei der Eröffnung der Lehrjahre. Zu siebt vertraut, allerdings an meinem Tisch etwas eng, zumal wenn alle Tassen (Annas!) und Gläser draufstehen, Tee und Bücher. Hoffentlich nimmt die Lektüre Fahrt auf. Zunächst fällt sie für mich gegen die „Theatralische Sendung“ ab.

Mittwoch Ausflug nach Penzberg von der Partie. Während Renate ihre Mutter besucht, speisen Beate und ich im Märznhof mit Blick auf die Gebirgskette. Dann Museum: Campendonk und Austin Eddy. So bunt, plastisch und lebendig, ersterer zwischen Blauem Reiter und Chagalls Surrealismen, Kühe, Pferde UND Menschen, ich will für immer bleiben, kann diese Bilder genießen. Überraschenderweise lebt Eddy noch (*1986). Zum Café kommt es nicht mehr, weil Beates Backennerv sie quält. Leider habe ich das mit Eis und Schokolade nachgeholt! Ein griabiger Tag in anderer Triade!

Donnerstag früh Gabrieles Äppelchen zu Kuchen verbacken. Gerade lade ich mein ungenutztes Tablet. Ich will mich über Gutenberg in „die Russen“ einlesen, um mich fürs potentiell nächste Vorhaben vorzubereiten und keinen Schiffbruch zu riskieren. Meine Idee, dafür auch meine Nachbarin zu fragen, die mich um Lesegemeinschaften „beneidet“, habe ich verworfen. Sie ist – wie öfters berichtet – durch Kindheit und Alkoholismus geschädigt, nett, gebildet, belesen, differenziert, aber auch überempfindlich. Gerade hat sie wieder der Nachbarin über sich die Hölle wegen deren Gesangsübungen heißmacht. Ich bin frisch alarmiert. Meist hat es ja gravierende Gründe, wenn jemand kein soziales Umfeld hat. Lieber Abstand bei unverbindlich-nettem Kontakt bewahren, anstatt Unfrieden vorzuprogrammieren. – Abends gerate ich bei NDR-Visite in die Themen, die wir im Auto hatten: Hornissen, Allergie, Hyposensibilisierung, anaphylaktischer Schock und dann – erstaunlich! – Beates Backenkrankheit: CMD. Gleich den Link an sie geschickt!

Freitag. Spaziergang im Perlacher Forst und Friedhof mit Gedenkstätte für Ermordete des KZ-Dachau.

Gestern dachte ich, wie schade, dass ich keinerlei Kontakte mehr zu Studienkolleginnen pflege. Freitag ellenlange Mail einer meiner Feedbackpartnerinnen. Sie habe Unterlagen gesichtet, bedankt sich überschwänglich für meine Feedbacks und Texte. Sie kommt Ende Oktober nach München. Eine interessante, schillernde, borderlinige Museumspädagogin, vor der ich auf der Hut bin – aber erstmal rauschende Freude, wortreiche Korrespondenz! Damals war gerade ihr Vater gestorben – der bekannte Puppenspieler Dieter Kieselstein. Sie kommt gerade richtig: Seit Sonntag habe ich Zugang zur Trauer um einen Vater. Darüber und über alles mögliche Tiefschürfende schreiben wir uns gerade warm; natürlich hatten wir damals auch sehr persönliche Themen, an die wir jetzt – gereift – anknüpfen. Ihr ungeborenes Kind sollte Simon oder Joshua heißen!!! Es ist geradezu magisch. Auch zum Puppenspiel habe ich durch Kleist und Goethe inzwischen andere Bezüge.

Literarisch mit Michael weiter in Tibet; mit der Gruppe bei Goethe; allein mit O.M. Graf, wobei unser Graf-Ausflug intensiv nachwirkt. Zwischendurch Dostojewskys „Arme Leute“ als tastender Versuch – mit wirklichem Lesen hat das Tablet für mich wenig zu tun.

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2 Kommentare

  1. Renate sagt:

    Den Film mit de Niro fand ich berührend, er regte zum Nachdenken an. Lesen auf dem tablet ist auch nicht schön, es kann kein Buch ersetzen. Ist allerdings für alles andere sehr praktisch. Mein PC hat, seit ich das tablet habe, ausgedient. Ich habe im September eine Führung durch den Perlacher Friedhof.

  2. Ines sagt:

    Ich bekomme gleich Lust, Campendonks Bilder zu sehen, habe ein bisschen gegoogelt. Die Nachbarin solltest du auf Abstand halten. Ein zu enger Kontakt mit Nachbarn kann nach hinten los gehen. Ich freu mich, dass ich durch die Fotos ein bisschen an der Lesegruppe Anteil hatte. 7 Frauen erscheint viel für eine Gruppe. Ich hab ja immer nur 4 maximal. Mir fällt auf, dass viele in unserer Generation kein liebevolles oder gar körperlich zugewandtes Verhältnis zu ihren Eltern hatten. Ich auch nicht. Ganz im Gegensatz zu dem, wie ich meine Kinder und jetzt auch Mateo mit Umarmungen und Zuwendung überschüttet.

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