2025-10-26-Susanne im Café – Steuer – TolstoiBibliothek – Georgisches Album + armenische Lektionen – Schreibgruppe – Jakob + Anna

Unbewusst meine Abwehr gegen Feldenkrais durch Verschlafen gelöst. Den wunderbaren Chor versäume ich natürlich nicht. Noten aus Versehen liegenlassen und nach einer halben Stunde Warteschleife endlich eine Durchwahl bekommen, damit sie mir bis nächste Woche gerettet werden. Um Feldenkrais zu stornieren ist es zu spät. – Dienstag gesprächsintensives Treffen mit Susanne im Café. Ansonsten brüte ich an meinen Vorhaben – es sind lange Geburtswehen. Unsere häuslichen Lesungen werden ausgiebiger, es geht mit Gemach voran. Fast 1/3 Zauberberg haben wir erklommen……

Nach mindestens monatelangem Schwangergehen, Bebrüten und Reifenlassen der Idee, den bisher versäumten literarischen Schatz „der Russen“ erkunden zu wollen, auch dahingehend, dass ich das gern in Gemeinschaft täte; nachdem ich das Beate erzählt hatte, die sofort sagte, das wollte sie auch; nach erstem Einlesen: Dostojewskis „Arme Leute“; Tolstois „Anna Karenina“, sein „Schneesturm“ und der Puschkins u.a. (alles Tropfen auf den heißen Stein) – am Mittwoch Folgendes: Unangemeldet in der Tolstoibibliothek angetreten, von der ich zufällig über den Newsletter der Stadtbibliothek erfahren hatte. Geschlossen. Man kann, entgegen Erwarten, nicht einfach reinspazieren. Geklingelt bei „Tolstoi“, vorsichtig die Gemächer betreten. Freundlich empfangen worden. Ich hätte eine freche Frage, wolle vorfühlen, evtl. Termin vereinbaren. Nein, nein, für freche Fragen sei die Geschäftsführerin zuständig. Kurzum: Ich durfte mein Anliegen vorbringen: ein kleiner Lesekreis für Frauen an einem würdigen Ort, diesem hier vielleicht (?!?), einmal mtl., Literatur statt Politik. Zu meiner Person befragt, was mich – nach meiner Auffassung – befähige zu einem Literaturkreis… gesagt, was ich nicht bin und kann, was ich dagegen bin, getan habe und tue, was meine Sehnsucht ist, wie ich mir das vorstelle. Ich habe aus dem Stand eine recht herzliche Zusage bekommen; am nächsten Tag ein Anschreiben mit Kurzform meines Werdegangs eingereicht, postwendend schriftlich: es stünde nichts mehr entgegen. Ab jetzt darf ich dort in einem kleinen Kreis „die Russen“ lesen, zugegeben ein noch zu gründender Kreis…. Also bitte – wer ist dabei?! Ich habe einen Zettel entworfen, halte Ausschau. Völlig euphorisiert! Wunderschöne Altbauwohnung in Neuhausen, 45.000 russische Bücher, Couchen, Sessel. Als ich am Donnerstag, um ein Gefühl für den Ort zu bekommen, zu einer Lesung der – berühmten Übersetzerin aus dem Russischen, Rosemarie Tietze, kam – über das „Georgische Album“ und die „Armenischen Lektionen“ (Bitow), wurde ich schon freundlich begrüßt. Sie seien schon so gespannt, wann ich denn käme – sowas hätte ihnen bisher gefehlt – noch dazu in diesen Zeiten! Die einzige Deutsche dort mit blondier-toupierter Langhaarfrisur – Verwaltungsfrau – fragte gleich, ob sie dabeisein dürfe. Lauter Nataljas, Tatjanas, Marinas…

Inzwischen hatte mich Alexandra gefragt, ob ich am Freitag mit ihr, Eberhard und Evi ins Resi komme. Er war vor 28 Jahren Teil unserer Peergruppe. Ich habe ihn über 20 Jahre nicht gesehen. Kurzentschlossen zugesagt! – Vormittags Steuer in Ottmaring, unterwegs zum Leihauto nass bis auf die Haut im Graupelschauer. – Abends im Blauen Haus zusammen gespeist, danach „die Ärztin“. Grundthema: Wessen Stimme wiegt mehr, die der Ärzin (Medizin, Körper) oder des Seelsorgers (Glaube, Seele), der nicht reingelassen wird, während die 14-jährige Patientin stirbt. Multiperspektivisch eindrucksvoll aufbereitet, über das leidige Thema „Identitäten“ einiges dazugelernt. Der Abend derartig herzlich, das Gespräch inspirierend – die Bälle flogen nur so hin und her – etliche überraschende Themen. Weltumarmende Stimmung. – Spät heimgekommen, aufgekratzt; morgens Anreise Jakob und Anna; statt gemütlichen Frühstücks gleich los in Alexandras Praxis zur Schreibgruppe, die so intensiv war, dass ich gar nicht mehr runterkomme von meinem Rausch, nachts bis 3:00 gelesen, Tavor benötigt.

Jakob und Anna bis in den Morgenstunden auf einer Hochzeit; jetzt hatten wir ein gemeinsames Frühstück. Wie lenke ich mein Glück in ruhigere Bahnen? – Vielleicht sollte ich Feldenkrais morgen früh doch dafür nutzen!?

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4 Antworten

  1. Beate sagt:

    „Die Ärztin“ habe ich vor einiger Zeit auch gesehen und war sehr beeindruckt. Ja, das „leidige Thema“ Identitäten war gut aufbereitet, nicht platt wie anderswo. Bei einem Lesekreis über russische Dichter bin ich sehr gerne dabei!

  2. Renate sagt:

    Feldenkreis wäre sicher ratsam. Das du gleich eine Zusage zu dem Lesekreis erhalten hast, wundert mich, bei deinem Enthusiasmus und deiner überbordenden Freude an Literatur, gar nicht. Was mich, als Verwaltungsfrau, etwas irritiert hat war der Hinweis, bei der blond toupierten Frau.

  3. Ines sagt:

    Wieder ein neues Projekt! Du bist nicht aufzuhalten. Verstehe ich richtig, dass du den Lesekreis gründen willst und dafür jetzt die Räume und die Bibliothek nutzen darfst? Tolle Sache, aber nichts für mich. Ich bekomme es zeitlich nicht unter und habe auch keinerlei Affinität zu russischer Literatur.
    Der Abend mit Eberhard und Evi interessiert mich umso mehr. Wie schön, dass ihr so lebendig ins Gespräch kamt nach so vielen Jahren. Zudem hatten wir ja unsere Schwierigkeiten mit Eberhard.

    • Heike sagt:

      Ich habe auch auch keine Affinität, kenne „die Russen“ viel zu wenig, denke, „man“ sollte sie aber kennen – bin also auf dem Weg dahin. Eine echte Lücke, vermutlich zu groß, um sie füllen zu können, aber ein Muss, das noch aussteht. Natürklich auch ein Fass ohne Boden – Und ja, mit Eberhard diesmal ganz anders – Themen noch und noch, auch mit Evi.

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