2025-11-02-Jakob+Anna-Woche – Wilhelminen unterwegs zu Tolstoi – Berlin geplatzt, stattdessen Leibniz

Jakob und Anna von Samstag bis Samstag. Erst ich zur Schreibgruppe, dann sie zu einer Hochzeit im großen Stil. Hier ging es von einem Essen zum nächsten, die beiden viel unterwegs, müssen immerzu etwas schreiben, vorbereiten, beantragen, Steuer erklären; Schlange stehen am Bad, dann auch gemütlich gemeinsame Essen und Frühstücke. Ich bin angeschlagen, ständig ist mir übel, die übliche Magenschleimhaut ist gerade heftiger, Reflux meldet sich entsprechend, ich esse trotzdem wider Vernunft; lege mich hin, schlafe stundenlang, energetisch unten; habe Blutdruck, rote Birne. Am Dienstag WilhemMeisterInnen-Kreis; da habe ich gemerkt, dass ich bremsen muss, als Gabriele beinahe aufbrauste, als ich zuerst mit „meinen Russen“, dann auch noch mit einem Koffertheater kam, wie, nochwas, überall steht Heike im Kalender, aber das machst du nicht auch noch, das mit dem Theater ist meins!! Ok, Vorsicht! Neinnein, Koffertheater, (das kam von Evi), war nur ein Hinweis, hatte auch was mit „japanisch“ zu tun, davon verstehe ich rein gar nichts, hab ich nur gelesen, ich darf also nicht übertreiben, sonst verliere ich am Ende alles… Insgesamt aber scheinen doch einige den Anschluss an Tolstoi (metaphorisch) zu erwägen. Allerdings mache ich mich mit „Einlesen“ förmlich verrückt, das meiste ungeeignet – kann nicht mit Werken von Abertausenden Seiten kommen, Kurzgeschichten und Novellen nicht alle ansprechend, es sollte nicht allzu brutal zugehen, auch mit dem Tod wollen einige nichts zu tun haben, Frauenbild, Korruption, Unterdrückung, Gewalt, Tierquälerei, aber auch Langatmigkeit…die Suche geht weiter. Berge ausgeliehener und gekaufter Bücher, der unendliche Fundus des Gutenbergprojekts, lassen mich überdeutlich erkennen, wie goldrichtig ich mit Wilhelm lag. Kaum mal langweilig, alles betrifft uns, spannend, lebensnah, brillant, genial komponiert. Ein Buch dieser Klasse ist einzigartig und nicht adhoc zu finden. – Donnerstag Rosenstammtisch, heute woanders. Häufig abgesagt meinerseits. Es endet immer, dass die anderen sagen, wie kostbar und besonders das ist – da kann ich nicht sagen, mir würde das auch dreimal im Jahr genügen. Wie immer war es nett, wenn auch in einem dieser überteuerten, lauten Luxusitaliener. Mir ist die Kleine Rose lieber. Nächstes Mal kommen sie zu mir – das Ringen um einen möglichen Termin läuft. – Vormittags wieder „durchgegessen“, dann ging es zu einer kleinen Gemeinschaftsausstellung – für uns immer schwierig, diese Art von „Kunst“. – Am WE Supergau. Im Vorfeld fing schon wieder das Theater mit Bine an, aus akutem Anlass, aber eigentlich wie eh und je hauptsächlich auf Werner geschoben. Möglicherweise könnte es Probleme geben, was, wenn er sie und mich nicht reinlässt – womöglich müsste ich spätabends noch ein Hotel suchen. Anfang der Woche wurde er an Ohr und Nase operiert und ist noch mehr durcheinander als sonst. Um also nach Berlin und zu Jens Harzers „De Profundis“ zu kommen, habe ich doch wieder ein Hotel gebucht, woraufhin Bine, ihrem Muster folgend, aus schlechtem Gewissen Angebote reinhagelt, wann ich kommen sollte (früh, mittags, abends usw); dann versucht sie, den Spieß umzudrehen und mir Vorwürfe zu machen: sie dachte, sie hätte endlich mal eine halbe Stunde Unterstützung. Als ich schon am Bahnhof war, der Zug nicht kam, immer mehr Menschen auf den Bahnsteig drängten, ich ausnahmsweise keine Platzkarte gelöst hatte (vergessen? Absicht?), die Aussicht, mit Tausenden dieser gräßlichen Bagage im Zug herumzudrängen und am Ende zu stehen, verließ mich der Mut und ich bin wieder heimgekehrt. Pleite auf ganzer Line. Harzer, auf den ich mich seit Monaten freue, alles dahin. Zeitgleich mit mir brachen Jakob und Anna Richtung Flixbus auf. Jetzt sind wir wieder allein, irgendwie angenehm, aber auch öd und leer. – So haben wir heute eine der letzten Verstellungen „Leibniz“ gesehen, sehr sehenswert, wie wir fanden, zumal mit neuem Bezug zu Selge, dessen Buch ich kürzlich gelesen hatte. – Grundstimmung nach gestern im Keller.

 

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5 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Wie traurig, dass du Berlin und Harzer hast sausen lassen, wobei es sich für dich richtig angefühlt hat, nicht in den Zug zu steigen..Der Umstand, dass Werner euch beide möglicherweise nicht „reinlässt“ verstehe ich nicht. Magenschleimhautentzündung, Blutdruck… hört sich für mich nach Stress an.

    • Heike sagt:

      Ich hab doch schon oft geschrieben, dass Werner in seiner Demenz glaubt, Bine hielte seine Wohnung besetzt und dass sie sogar schon einmal die Polizei holen musste, weil er sie nicht mehr reingelassen hat. Auch ich kenne das; da will er dann mit mir alleine reden und ich soll ihm zu seinem Recht verhelfen. Er ist hochgradig verwirrt und absolut abhängig von Bine – und gestritten haben sie ihr Leben lang, auch leben sie nicht zusammen, sondern er hat seine eigene abenteuerliche Bleibe.

  2. Ines sagt:

    Das weiß ich natürlich. Ich hatte nur nicht verstanden, warum du ein Hotel buchen sollst, wenn Werner euch nicht in seine Wohnung lässt. Du würdest doch bei Bine schlafen, nicht bei ihm.

    • Heike sagt:

      Achso. Ja. Nein. Er ist oder war – nach OP – momentan bei Bine, immer wieder tagelang, aber ganz besonders nach der OP konnte sie ihn keineswegs auf sich gestellt lassen, was ja ohnehin längst mehr als grenzwertig ist. Deshalb konnte es passieren, dass er mich als Eindringling wahrnimmt, was ja auch Bine manchmal für ihn ist. Neuerdings lag schon eine Holzlatte als Abwehrwaffe bereit….

  3. Renate sagt:

    Dein Berlinbesuch schien von vornherein zum scheitern verurteilt gewesen zu sein. Ein ewiger Stress mit deiner Schwester. Das ein dementer Mensch nach einer OP noch verwirrter ist kenne ich nur zu gut.

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