2026-01-18- Chor + Bücher – Lilly + Beatrix – Meilenstein Russenrunde – Glatteis in Possenhofen + Seelen backen für die Seele – Schreiben im Zeichen der Könige

Gestern besagtes Tagebuch angefangen. Es braucht nicht viel Fantasie zur Hypothesenbildung, was das sein könnte. Wer wollte behaupten, in seinen Therapien alles von sich erfahren oder ans Licht gebracht zu haben? Wie ehrlich bin ich mit mir selbst? Ein Versuch. Therapeutisch ist Schreiben ohnehin – warum sollte es nicht analytisch sein? – Montag Chor. Kluge Liedauswahl zum Jahresauftakt, besonders angesichts der Ohnmacht gegenüber der Weltlage – aus den Liedtexten könnte ich Anregung zum Schreiben mitnehmen. Im Anschluss der Chorleiterin den Zettel für „Leseliebende“ in die Hand gedrückt incl verspätetem Weihnachtstütchen.- Nachmittags erste Absage für Aetas wegen Glätte, die ich gar nicht so gravierend finde. Auf Anhieb einigen wir uns per Whatsapp auf nächsten Montag. Ich gehe ohnehin hochschwanger mit Tolstoi. Die Geburt steht bevor. Soviel lerne ich dabei, nicht zuletzt über mich. – Dienstag. Gerade hat mich Lily verlassen, die zum Mittagessen bei mir war. Bettina hat sich die Leiter geholt – Plausch an der Wohnungstür. Anruf Jakob. Wieder zwei Bücher bekommen. Puschkin-Gedichte und Sorokins Schneesturm. Inzwischen ist der provisorische, 2-stöckige Regalaufbau neben meinem Bett voll mit RUSSEN. „Das grüne Zelt“ weitergelesen – spannend UND erholsam.

Am Mittwoch wurde das Kind aus der Taufe gehoben. Ach, wie wohl, ist mir am Ahabend…. Was das wohl ist, dass ich aus allem so eine große Sache mache? Es ging ja nicht um den Doktorhut. Allerdings frage ich mich, warum ich früher nicht auch solchen Eifer an den Tag gelegt habe – ob ich nicht wusste, wieviele Wege es gibt, wieviel Erfüllung das bringt. Jetzt ist der Anfang gemacht. Oxana, die ich für eine Mitarbeiterin der Tolstoibibliothek gehalten habe, die meinen Aufnahmeantrag als Mitglied entgegen nahm – ist dort gar nicht bekannt, wie ich heute bei einem Anruf von Frau Erschow erfahren habe (inzwischen erfahren: Sie sit Nutzerin der Bibliothek!). Wir waren zu siebt. Diese Russin also ein unverhoffter Zugang wie eine gewisse Edith – unangemeldet. Eine, mit der ich gerechnet habe, fehlte. Sie hat es vergessen, kommt nächstes Mal. Ansonsten waren wir vertraut – immerhin ich kannte die anderen und sie sich zumeist gegenseitig. Susanne brachte die Schwiegermutter ihrer Tochter mit – passt auch. Bis zuletzt zugange, wie besessen – jetzt ist die Hauptsache geschafft. Es wird keine zweite Wilhelminen-Runde, es sind andere Akzente gesetzt. Auch ich betrete fremdes Terrain, so gut ich konnte im Voraus beackert. Weiterhin brenne ich. Bin jetzt entspannt, etwas fällt von mir ab. So habe ich heute – Michaels Rückkehr erwartend – gekocht und wieder Seelen gebacken, Inbegriff der inneren Ruhe. Nichts ist wichtiger als der Anfang.

Am Donnerstag Michael würdig empfangen. – Freitag Peergruppe in Starnberg – interessant bekocht. Nach der Akustikerin noch Zeit für einen Spaziergang am See, der mit Sturz auf spiegelglattem Waldweg begann – nicht begehbar. Ein Szenario für sich. Bei Ariane lädiert und nass gelandet, mit Arnica und Aconit versorgt; gehaltvolle Stunden, von Alexandra heimgebracht. Die blauen Flecken und Auas sind gottlob keine echten Verletzungen, IBU genügt. – Samstag früh aus dem Bett gekommen, Steißbein ist nicht gebrochen. Manches spürt man ja erst im Nachgang. – Ruhiger Samstag Vormittag; nachmittags Café mit Beatrix – mit der das Gespräch floriert – immer noch fachlich nach zwanzig Jahren und literarisch. – Jetzt ist Abend. Ich stimme mich auf unsere morgige Schreibgruppe ein, was ich als „Tasche packen“ bezeichne.

Sonntag. Mit Ines und Renate zur Collage verabredet; Beate kommt nach. 36 Atemzüge – was durch den Sinn zieht – Perlen des vergangenen und neuen Jahres (nach Königsgaben) – Rauhnachtaufgaben (z.B. VERZEIHEN) – Potpourri Textpassagen. Hinterher spielend neuen Termin gefunden! Linsensuppe, Dessert und Haselnussmakronen zu Kaffee. Heute besonders ergiebige Stunden, aufrichtig verbunden. Kurzer Austausch über die Bedeutung von Resonanz. – Von Beate zu Hause abgeliefert. – Jeden Tag kommen Bücher. Schon ist unter vielem anderen die Gesamtausgabe Dostojewskij unterwegs.

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3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    So sehr wie du für die russischen Literatur brennst, so sehr habe ich Widerstände einen Dostojewski oder Tolstoi in die Hand zu nehmen oder gar zu lesen
    Allein die kleine Schrift, die unzähligen dünnen Seiten schrecken mich ab. Aber Hut ab, wie konsequent du dich hineinkniest. Was unterscheidet ein psychoanalytisches Tagebuch von einem normalen Tagebuch, frage ich mich. Am Samsrag war der Weg

  2. Ines sagt:

    …war der Weg um den Chiemsee auch total vereist. Durch die beiden Gruppen habe ich jetzt schon viel von deinem Beitrag gewusst.

  3. Renate sagt:

    Etwas anzufangen, das sind die Herausforderungen denen du dich stellst. Dein Sturz ist ja mal einigermaßen glimpflich abgegangen. Aus den Liedtexten Schreibideen zu entwickeln fände ich interessant.

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