2026-03-01 – Woche voll Lektüren, Chören + Spaziergängen – Krankenlager + weitgehender Zuckerentzug

Lazy sunday afternoon. Das war der vergangene Sonntag. Immer müsste ich aufräumen und münde stattdessen im Lesen. Oft kommen Bücher in tadellosem Zustand; „Schuld und Sühne“ in Übersetzung von Swetlana Geier, (seit Eliasberg „Verbrechen und Strafe“ oder „Raskolnikoff“, „näher am Text“, aber weniger poetisch) – Zustand widerlich – beschwert und Geld zurückbekommen. Am Samstag „Die Sanfte“ im Handy gelesen. Eine stumme Unglücksehe, die im Suizid endet. Auf dem Herd köchelt Hühnersuppe. Michael hat Ohr, Hals, Kopf, Husten, Schnupfen, still genügsam, jammert nie. Abgesehen davon macht die Psoriasis Sorgen. Auch wenn sie derzeit äußerlich unsichtbar ist, geht sie auf Gelenke, kann Fatigue, Rheuma und Arthritis verursachen – danach sieht es aus. Hautärztin NUR Haut. Rheumatologe NUR Rheuma. Orthopäde NUR Knochen. Gesamtzusammenhang Fehlanzeige. „Ermüdungsbruch“ in der Wirbelsäule, Handgelenk angegriffen. – Dostojewski schreibt in einer Satire, er wird zu einem Berliner Spezialisten empfohlen, der ihn nach zwei Minuten Untersuchung zu einem anderen in Wien schickt; wenn einer in ein Nasenloch schaut, ist fürs andere ein Kollege zuständig. Im Unterschied zu mir bekommt Michael Termine, wird jederzeit gern in jedwede Röhre geschoben; jeder will eigenhändig Blut abnehmen. Mittlerweile trudeln schwindelerregende Rechnungen ein. Eigentlich will er nicht von mir zum Arzt gedrängt werden, zumal ich selber nicht gehe. Wo bei mir das Wasser bleibt: Es lagert ein. Dazu weist Dr. Google auf andere Organe hin und rät zu – Arztbesuch. – Endlich Mignonartikel gelesen, den mir Prof. B. zum „fremden Kind“ zugeschickt hat.

Montag früh Dostojewskis „Weiße Nächte“; erinnert im Ton überraschend an Andersen und schont halbwegs die Nerven. Fast so wie in „Die Sanfte“ wendet sich der Ich-Erzähler direkt an mich. Gestern zur Abwechslung aus dem Haus gegangen – FastenSchreiben. – Dienstag mit Michi am Frühstückstisch meine TV-Eindrücke über Hirschhausen, Zucker und co beredet. Besonders aktuell dadurch, dass (bei uns) seit Aschermittwoch weitgehend Zuckerfasten herrscht. – In „Großen Geistern“ des Jenaer Kreises zur Einstimmung auf unsere Wilhelm-Runde gelesen. Wie sonst soll ich von den Russen umschalten? Weiter täglich Weihnachten: Büchersendungen, deren Auftrag ich fast vergessen habe. Russische Literaturgeschichte anhand von Einzelporträts; Puschkin, auch Solschenizyn. „Russland in Bayern“, in München, Rilkes RusslandVerbindung über Lou im Kalender der Russischen Gesellschaft MIR, ebendort Puschkinmärchen. Einen uralten Turgenjew aus Oskars Beständen gefunden; Gogols „Tote Seelen“ u.v.a. hatte ich leider entsorgt. – Abends Kirchenchor. Singen und Schreiben (statt Frischluft) ist das Einzige, was mich dem Russenrausch zeitweilig entreißt.

Stunden des strahlenden Mittwochs mit Nacharbeit zum lebhaften Wilhelm-Meister-Treff bei Martha verbracht. Das „Protokoll“ gibt mir nach der gemeinsamen Betrachtung nochmal Gelegenheit zu weiterer Vertiefung. Dem wurde ich durch eine Nachbarin entrissen, die ich (planmäßig) zum Singen begleitete, da sie sich nicht allein traute. „Leise zieht durch mein Gemüt…“, was es auch immer noch tut, alles ohne Noten nur durch Vorsingen und Einüben. Eine zauberhafte Version des Mendelssohn-Heine-Liedes. ChorWE bei A.M. Caspari abgesagt. Kirchenchor, MitSing-Angebot, das reicht. Dostojewskis „Schwaches Herz“ über eine Männerfreundschaft, in der einer an seinem Glück und hohen Ansprüchen an sich als Schreiberling zerbricht und dem Wahnsinn verfällt. – Kleiner Ausgang Richtung Scheibner, Rotkreuzplatz; ein Sprung zur Akustikerin.

Geradezu erlösend kam Marinas Einladung auf einen Frühlingsspaziergang – zu dem ich mich alleine nie durchringen würde. Ohne Anstoß von außen setze ich kaum den Fuß vor die Tür. Frühling in Nymphenburg, den ich am Samstag mit Renate fortsetze, die wunderbarer Weise spontan Zeit hat. Nicht soooviele Schritte, aber ausgiebiges Gespräch im Gehen und auf der Bank. Das müsste neue Gepflogenheit werden: zu zweit geht es sich leichter, ich raffe mich auf, und Café sollte momentan tabu sein. Ich bin zufrieden darob und setze das neue Vorhaben heute mit Beatrix im Englischen Garten fort. Gestern und heute Tolstajas „Frage der Schuld“ gelesen, ihre Antwort auf Tolstois Kreutzer-Sonate mit lesenswertem Nachwort der Übersetzerin.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Ermüdungsbruch in der Wirbelsäule hört sich für mich richtig schlimm an. Ist das tatsächlich eine von Michaels Diagnosen? Im Vergleich zu dem, was die Psoriasis anrichtet bzw. anrichten kann sind die Erkältungssymptome harmlos. Gute Besserung an Michael. Wie schaffst du das, so viel zu lesen? Der Russenrausch ist ein treffendes Wort. Alleine Spazieren gehen mache ich auch nicht. Wenn jemand dabei ist und das Gespräch ist lebendig, dann ist es allerdings richtig schön und das beste, was man im Frühling machen kann.

  2. Renate sagt:

    Das es auch einen Ermüdungsbruch der Wirbelsäule gibt, wusste ich nicht. Ich kenne diesen Bruch nur am Fuß. Michael ist schon sehr geplagt. Unsere Spaziergänge sind so wohltuend. Ich gehe sehr gerne zu Zweit, aus gesundheitlichen Gründen auch alleine. Soviel wie du von den russischen Schriftstellern liest, bist du bald ausgewiesene Expertin. Gibt es auch weibliche Schriftstellerinnen, oder heißt es Schriftsteller?

    • Heike sagt:

      Ohja…zu allem. Auch weibliche Schriftellerinnen gibt es – hier liegt allerdings nur ein Briefwechsel zwischen Pasternak, Rilke und Swetajewa; sie ist eine davon und dieser Briefwechsel liegt schon lange, weil ich vor Jahren einmal im Russischen MIR davon gehört habe. Ich kenne nichts weiter von ihr. Dann natürlich die Tolstoi-Töchter Alexandra und Tatjana. Und noch viele werden in meinen Büchern genannt – ich muss gestehen, ich kenne sie (noch) nicht. Vielleicht zeige ich dir das eine Buch am Sonntag?

Antworte auf den Kommentar von Heike Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert