Tatjana als Kunstfigur und echte Tatjanas – Bettina als Namenspatronin – Orlando als Minnesänger + ein potenzieller Käufer

Regnerischer Sonntag. Etappenweise Nachholen des Osterputzes kraft neuen Handstaubsaugers, der dienlich ist auf unlackierten Brettern der selbstgebauten, staubfängerischen Regale und gegen Brösel. Vor dem Frühstück Erinnerungen Tatjanas, Tolstois ältester Tochter. Vom literarischen Anspruch abgesehen äußerst lesenswert. Sie verehrt Vater und Mutter, stellt sich tatkräftig in den Dienst von Vaters Werk. Im Gegensatz zur Jüngsten, Alexandra, avanciert sie nicht zur fanatischsten aller JüngerInnen. Ihr Name, Tatjana, allüberall. Seit Puschkin gibt es in jeder Familie mindestens eine, immer zu Ehren „dieser“ oder einer anderen Tatjana. – Angesichts des nunmehr eingespielten hausinternen Mittagstisches fällt auf, wie abwechslungsreich und gewissenhaft Michael kocht. Was mich zu Tränen rührt: Bettina hat sich jahrelang um einen Asylbewerber gekümmert, der mittlerweile Wohnung, Frau, Kind und Arbeit hat und ihr jetzt viel hilft. Nun zerbricht sie sich den Kopf, wie sie sich bei uns revanchieren kann. Ich habe ihr Hellingers Credo vorgeschlagen: Ihr „von Herzen kommender Dank und ihre Freude“ sind genug. Falls sie „Ausgleich“ braucht – nach Hellinger stiftet Ungleichgewicht Unfrieden! – soll sie ihre Zuwendung einem Dritten, bestenfalls ihrem Zögling, zufließen lassen. Darauf konnten wir uns zur beiderseitigen Entlastung einigen. Er habe sie anfangs nach eigenen Kindern gefragt, was sie verneinen musste: „Dann kann ich ja dein Kind sein!“ Seine Tochter wurde mit zweitem Namen auf BETTINA getauft! Eine muslimische Familie! Der Name. Das Zeichen. Wenn es so geht, wäre das ein wunderbarer Kreislauf, geradezu biblisch.

Montag erster Chor. Dienstag zweiter. Hier herrscht wieder mehr Anspruch. Bei der ersten Probe des neuen Programms bin ich geliefert. Z.B. Orlando di Lasso, ungewohnte Harmonien, ohne die eigene Stimmlage einmal gehört zu haben! Die junge, schwangere Teilnehmerin, nach eigener Aussage bar musikalischer Vorkenntnisse, versucht sich jetzt im Sopran. Sie weiß nicht, sagte sie mir, wo sie hingehört. Ich habe mit ihr am Ende ihre Tonspanne am Klavier ausprobiert: bis zum hohen C, evtl. noch höher, das reicht für die Königin der Nacht! Sie singt komplizierteste Stücke beinah adhoc nach Gehör  – ohne sich ihres Talents bewusst zu sein.

Innerlich arbeitet in mir die Vorbereitung auf den ersten von drei Themen-Samstagen bei Dasein. Wie teile ich sie inhaltlich auf? Nach Lebensaltern? Nach Lebensbereichen? Immer wieder stresst es mich, dass ich dort wiederkehrende Getreue habe, dazu andere, die sporadisch erscheinen; und Neulinge. Jedesmal erkläre ich die Basics von Neuem. Jedesmal wird evaluiert; Dasein kassiert deutlich mehr als ich bekomme, (Ehrenamt darf gratis teilnehmen). Freitag fragt eine Frau, ob noch Platz ist. Jetzt ist die Obergrenze erreicht. Mein Köfferchen füllt sich: Handout, Anlagen, Material.Trotz der Negativpunkte: ich schätze es sehr, in einem für Viele sichtbaren Programm zu stehen. – Zwischendurch stimme ich mich auf Tolstoi ein. Die Konstellation formiert sich, ab und zu stößt jemand dazu. Diesmal fehlten Renate, Sergej, Patrizia; Neuzugänge: Nurdan, Michael, Rolf. Svetlana hielt anfangs ihre kleine Präsentation über Tolstoi wie angekündigt. Wieder schwingt alles nach. Dörte fragte hinterher: Was machst du eigentlich, wenn wir immer mehr werden. Ja, was nur? – Tolle Gemüseplatte. Eher nach meinem und Bettinas Geschmack.

Das Gutachten hat statt 10-12 Tagen vier Wochen gedauert, vage bzgl. Sozialbindung. Der Schätzpreis gegenüber 2016 vervierfacht, damals wegen Erbschaftssteuer bewusst tiefgestapelt. Derjenige, der wiederkehrend Interesse an der Kirchgasse bekundet, reagiert umgehend auf meine Mail, in der ich mich für seinen letzten „Gruß“ bedanke. Wir verabreden uns telefonisch fürs WE. Austausch mit Jakob. – Entrückt von Raum und Zeit komme ich von meinem Zauberer Herrn Diemer. – Gespräch beim Frühstück mit Michael über Erbschaften, Nachlässe, Überschreibungen, Irdisches und Transzendentes. – Samstag. Der Workshop ist sehr gut gelungen. Minimal herausfordernd der einzige Mann. Thema – Ängste, Sorgen und Zuversicht im Kindesalter. Für die große Runde sind drei Stunden zu knapp, so geht es uns allen. – Die Sonne lacht, ich bzw ES „arbeite(t) nach“.

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